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Rassismus-Experiment: Vorurteile machen dumm

Rassismus galt noch nie als Zeichen gehobener Intelligenz. Jetzt aber haben Forscher experimentell bewiesen, dass Intoleranz gegenüber Schwarzen die geistigen Fähigkeiten von Weißen blockieren kann.

Nazi-Demo: Vorurteile lähmen den Verstand
REUTERS

Nazi-Demo: Vorurteile lähmen den Verstand

Die Wissenschaftler wollten es genau wissen: Sie schickten 30 weiße Studenten gleich durch drei verschiedene Experimente. Zunächst sollte ein Computertest ermitteln, wie leicht die Probanden weiße und schwarze Amerikaner mit positiven und negativen Begriffen in Verbindung bringen. Wer länger zögerte, Schwarze mit Positivem zu assoziieren, hatte eine stärkere Tendenz zu Vorurteilen, heißt es in dem Artikel in der Online-Ausgabe des Fachmagazins "Nature Neuroscience".

Im zweiten Durchlauf mussten die weißen Studenten mit Schwarzen über kontroverse Themen diskutieren. Bei einem anschließenden Intelligenztest zeigte sich, dass diejenigen, die sich schon zuvor als voreingenommen erwiesen hatten, deutlich mehr Fehler begingen als die anderen Teilnehmer.

Im dritten Experiment, das zwei Wochen später stattfand, bekamen die Studenten Fotos von unbekannten schwarzen und weißen Männern zu sehen. Magnetresonanzbilder ihrer Gehirne zeigten, dass der Frontallappen, der mit der Kontrolle von Gefühlen und Gedanken in Verbindung gebracht wird, auf den Anblick von Schwarzen mit erhöhter Aktivität reagierte. Die Bilder von Weißen aber lösten dagegen rein gar nichts aus.

"Menschen mit stärkerer Tendenz zu rassistischen Vorurteilen reagierten auf Bilder von Schwarzen mit erhöhter Hirnaktivität", sagte Jennifer Richeson vom Dartmouth College in New Hampshire, Hauptautorin der Studie. Die Wissenschaftler vermuten, dass dies auf den Versuch zurückgeht, Voreingenommenheit und damit sozial unakzeptables Verhalten zu unterdrücken. "Dass dieselben Probanden nach einem Gespräch mit einem Schwarzen schlechter im Intelligenztest abschnitten, legt nahe, dass sie ihre Kräfte aufgebraucht hatten."

Die durch Vorurteile wenig belasteten Teilnehmer hätten dagegen nach der Unterhaltung mit den Schwarzen keine Probleme beim Intelligenztest gehabt. In einer multikulturell geprägten Welt, betonte Richeson, "haben Vorurteile für uns negative Konsequenzen."

In einem begleitenden Kommentar in "Nature Neuroscience" betonte William Gehring von der University of Michigan jedoch, dass die Studie nichts über die Gründe von Vorurteilen aussage oder wie sie das Verhalten gegenüber Angehörigen andere Ethnien beeinflussten. Zudem sei die Möglichkeit, per Hirnscan Rassismus zu entdecken, kaum denkbar.

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