Rassistische Äußerungen Labor suspendiert Nobelpreisträger Watson

Die Empörung über den Genforschungs-Pionier James Watson reißt nicht ab. Der Nobelpreisträger, der mit rassistischen Bemerkungen über Schwarze von sich reden machte, wurde jetzt von einem New Yorker Labor bis auf Weiteres seiner Position enthoben.


Es war nicht das erste Mal, dass James Watson provokant über Unterschiede zwischen menschlichen Rassen räsoniert hatte. Was die Intelligenz verschiedener Ethnien angehe, sollten "wir nicht von vornherein annehmen, dass wir alle gleich sind", hatte der 79-Jährige erst Anfang Oktober bei der Vorstellung seines neues Buches an der Harvard University gesagt. In einem Interview mit der englischen "Sunday Times" wurde er in dieser Woche noch deutlicher: Er sehe die Zukunft Afrikas äußerst pessimistisch, denn "all unsere Sozialpolitik basiert auf der Annahme, dass ihre Intelligenz dieselbe ist wie unsere - obwohl alle Tests sagen, dass dies nicht wirklich so ist".

Nobelpreisträger Watson: Empörung über rassistische Bemerkungen
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Nobelpreisträger Watson: Empörung über rassistische Bemerkungen

Damit hat Watson endgültig die Grenzen der Toleranz überschritten - offenbar auch jene, die für eine greise Forscherlegende gelten. Das renommierte Cold Spring Harbor Laboratory hat Watson jetzt bis auf Weiteres seine Position als Kanzler entzogen. Schon zuvor hatten sich zahlreiche Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen empört über Watsons Äußerungen gezeigt.

"Dieser Schritt folgt der gestrigen Stellungnahme des Vorstands, die sich gegen die Bemerkungen von Dr. Watson gewandt hat", erklärte das Cold Spring Harbor Laboratory. Watson, der als Mitentdecker der DNA-Struktur 1962 den Nobelpreis bekam, arbeitet seit 1948 mit dem Labor zusammen.

Watson selbst hat sich inzwischen entschuldigt. Er sei "beschämt" angesichts der Wirkung seiner Worte, sagte er zu Wissenschaftlern und Journalisten bei einem Treffen der Royal Society in London. Er habe keinesfalls den Eindruck erwecken wollen, die Bewohner Afrikas seien genetisch minderwertig. "Das hatte ich nicht gemeint, und für so etwas gibt es aus meiner Sicht auch keine wissenschaftliche Basis", sagte Watson. Bei jenen, die seine Worte anders interpretiert hätten, könne er sich nur "in aller Form entschuldigen".

Heftige Reaktionen aus der Wissenschaft

Watsons Zeitungsinterview löste in der Forschergemeinde eine ungewöhnlich heftige Reaktion aus. "Diese Bemerkungen sind von jedem Blickwinkel aus falsch und widersprechen vollständig dem Forschungsstand auf diesem Gebiet", sagte etwa Elias Zerhouni, Direktor der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health. "Wissenschaftliches Prestige kann niemals ein Ersatz für Wissen sein. Als Forscher sind wir empört und traurig, wenn Wissenschaft zum Erhalt von Vorurteilen benutzt wird."

Das Londoner Wissenschaftsmuseum hat eine für den heutigen Freitag geplante Lesung mit Watson abgesagt. Auch die Federation of American Scientists (FAS) äußerte sich "schockiert" über Watsons Interview. FAS-Präsident Henry Kelly verband seine Stellungnahme mit einem Seitenhieb auf die Regierung von US-Präsident George W. Bush. "In einer Zeit, in der sich die Forschergemeinde von politischen Kräften bedroht fühlt, die ihre Glaubwürdigkeit untergraben wollen, ist es tragisch, dass eine der Ikonen der modernen Wissenschaft solche Unehre über den Beruf gebracht hat."

Watson hat seine Buchreise durch Großbritannien inzwischen abgebrochen und ist am heutigen Freitag in die USA zurückgekehrt. Der Grund sei der Rauswurf am Cold Spring Harbor Laboratory, sagte Kate Farquhar-Thomson vom Buchverlag Oxford University Press, die Watson auf seiner Reise begleitet hatte. "Er wollte sofort heimfahren, um sich dieser Sache anzunehmen."

mbe/rtr/AP



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