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Raucher: Gene bestimmen täglichen Tabakbedarf

Wie viele Zigaretten ein Raucher täglich konsumiert, ist offenbar eine Frage der Erbanlagen. Japanische Forscher haben jetzt ein Gen identifiziert, das über den Tabakkonsum entscheidet. Die Erkenntnis könnte helfen, Nikotinersatztherapien zu verbessern.

Nikotin ist eine tückische Droge. Wenn man sich eine Zigarette anzündet und den Rauch einatmet, braucht das Nervengift nur wenige Sekunden, um das Gehirn zu erreichen. Dort erhöht es die Ausschüttung von Dopamin, des Botenstoffs, der für Belohnungen zuständig ist. Suchtexperten vergleichen die Wirkung von Nikotin durchaus mit der von Kokain oder Amphetaminen.

Zigaretten: Wie viele man raucht, liegt in den Genen
DPA

Zigaretten: Wie viele man raucht, liegt in den Genen

Wie viel Nikotin ein Raucher benötigt, um seine Sucht zu befriedigen, hängt offenbar von einem bestimmten Gen ab. Wer einen gebremsten Nikotinabbau besitze, rauche weniger, berichten Hidetoshi Nakamura und seine Kollegen vom Krankenhaus des Energieversorgers Tokyo Electric Power Company. Aus dieser Beobachtung könnten sich nach Meinung der Forscher lohnende Ansätze für die Tabakentwöhnung ergeben, heißt es im Fachblatt "European Respiratory Journal".

Die Wissenschaftler hatten das Erbgut von 200 japanischen Rauchern auf Varianten eines Gens mit der Bezeichnung CYP2A6 untersucht. Diese Erbinformation ist für den Nikotinabbau verantwortlich. Fällt der Nikotinspiegel in Blut und Hirnflüssigkeit, spüren Raucher das starke Verlangen nach der nächsten Zigarette.

Raucher mit ungebremstem Nikotinabbau rauchen der japanischen Studie zufolge im Schnitt knapp zwei Schachteln pro Tag. Diese Probanden, bei denen beide Ausgaben des verantwortlichen Gens unverändert sind, stellten in der Untersuchung rund ein Viertel der 200 Raucher.

Studienteilnehmer mit zwei Kopien einer eher seltenen Gen-Variante und einem dadurch reduzierten Nikotinabbau rauchten pro Tag nur rund eine Schachtel. Diese Erbanlagenkombination fand sich allerdings nur bei 7 der 200 Probanden. Andere Gen-Varianten und Variantenkombinationen führten nach Angaben der Forscher dazu, dass die Betroffenen zwischen einer und zwei Schachteln pro Tag rauchten.

Diese Daten seien zwar in erster Linie für die asiatische Bevölkerung von direkter Bedeutung, betonen die Wissenschaftler. Manche der untersuchten Genvarianten seien aber auch in anderen Regionen verbreitet, etwa in Schweden und der Türkei.

Da die Tabakentwöhnung in erster Linie auf eine Nikotinersatztherapie setze, könnte der beobachtete Zusammenhang helfen, eine maßgeschneiderte und damit erfolgreichere Entwöhnung für Raucher zu entwerfen, hoffen Nakamura und seine Kollegen.

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