Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Raucher-Studie: Tabakkonsum stört die Aktivität wichtiger Gene

Es ist die bisher größte Studie ihrer Art: Erstmals haben Forscher eine klare Verbindung zwischen Rauchen und der Erbgutaktivität hergestellt. Der blaue Dunst stört die Funktion von mehr als 300 Genen. Sie sind vor allem für das Immunsystem besonders wichtig.

Raucher: Mehr als 300 Gene in ihrer Funktion gestört Zur Großansicht
REUTERS

Raucher: Mehr als 300 Gene in ihrer Funktion gestört

Hamburg - Längst ist die Datenlage durch unzählige Studien sonnenklar: Rauchen ist der größte Risikofaktor für sämtliche chronische Lungenerkrankungen - Lungenkrebs, Lungenentzündung, Asthma, chronische Bronchitis, Tuberkulose. Hinzu kommen Erkrankungen der Atemwege, Herzschwäche, ein geschwächtes Immunsystem und diverse Krebserkrankungen. Die Liste ist lang - und Raucher sind der ständigen Ermahnungen der Mediziner schon längst müde.

Jetzt setzen US-Forscher dennoch eins oben drauf: Regelmäßiger Zigarettenkonsum, das ist das Ergebnis einer weiteren großangelegten Studie, richtet möglicherweise mehr Schaden an, als bisher angenommen - es verändert die Aktivität des Erbguts. Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler um Jac Charlesworth von der Southwest Foundation for Biomedical Research in San Antonio mehr als 300 Gene, deren Funktion durch das Rauchen gestört wird. Zudem würden durch den blauen Dunst ganze Gen-Netzwerke beeinträchtigt, berichten die Forscher im Fachmagazin "BMC Medical Genomics".

Der Rauch einer Zigarette enthält mehr als 4000 Inhaltsstoffe. Darunter sind mindestens fünf, die beim Menschen Krebs auslösen können, sowie eine Vielzahl anderer giftiger Substanzen. Diese Gifte gelangen durch die Lungenbläschen in den Blutkreislauf und können sich so über den ganzen Körper verteilen.

Wie verheerend die Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand des Körpers sind, verdeutlicht eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Demnach stirbt alle sechs Sekunden ein Mensch an den Folgen des Zigarettenkonsums. Die "Tabak-Epidemie" fordert jährlich mehr Opfer als Aids, Tuberkulose und Malaria zusammen.

Charlesworth und seine Kollegen wollten untersuchen, wie genau der Tabakkonsum die Risikofaktoren begünstigt. Dazu analysierte das Team die Genaktivität von Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern. Untersucht wurden mehr als 1200 Personen. Von ihnen waren knapp ein Viertel regelmäßige Raucher.

Alle Gene, die die Forscher in direktem Zusammenhang mit dem Rauchverhalten bringen konnten, standen auch in direktem Zusammenhang mit den durch Zigarettenrauch verursachten Erkrankungen. Dabei sind nicht nur einzelne Gene betroffen, sondern auch ganze Gengruppen. Am stärksten wird offenbar das Immunsystem durch die veränderte Genaktivität in Mitleidenschaft gezogen. Viele verschiedene Gene, die wichtig für die Abwehr von Krankheitserregern sind, werden in ihrer Funktion gestört. Auch übermäßig viele Prozesse, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind, werden den Wissenschaftlern zufolge durch das Rauchen begünstigt.

Die Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass der Zigarettenkonsum einen weitaus größeren Einfluss auf die Gesundheit des Rauchers hat, als bisher angenommen. "Niemals zuvor wurde eine so klare Verbindung zwischen dem Rauchen und der Erbgutaktivität hergestellt", sagt Charlesworth. "Es ist ernüchternd, wie sehr das Rauchen anscheinend unsere Gene beeinflusst."

Aber auch der Umkehrschluss gilt, haben Forscher kürzlich herausgefunden: Es hängt nämlich auch von unseren Genen ab, wie sehr wir dem blauen Dunst verfallen sind.

cib/ddp

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 110 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wann wird endlich das rauchen am Strand verboten?
bovl 15.07.2010
Micht (kotzt) es an, dass ich immer mal wieder meinen Kindern (3 und 7) ausgedrückte Kippen (die Sie beim buddeln finden) aus der Hand nehmen muss. Viele Raucher kappieren es einfach nicht und drücken Ihre Stummel immer im Sand aus. Das einfachste wäre doch, einfach das Rauch am Strand (zumindest auf den Kurabgebepflichtigen) zu verbieten.
2. Suchspiel
CyberNautiker 15.07.2010
Wie schon so oft, der falsche Angeklagte. Nicht der Tabak ist hier der Schuldige, sondern die Tabakindustrie. Untersucht wurden nämlich keine Raucher sondern Zigarrettenraucher. Und diese sind den schädlichen Beimengungen der Zigarretenindustrie schutzlos ausgeliefert. Leider auch aus dem Grunde, weil die tabakfremden Inhaltsstoffe weder deklariert werden müssen noch von Journalisten erkannt werden können. Wenn der Autor die Studie ganz gelesen hätte, wäre ihm auch aufgefallen, das Charlesworth et al hier Schlüsse ziehen, die sie garnicht untersucht haben.
3. Studien
Hercules Rockefeller, 15.07.2010
Dann will ich mal die Studie in den Abgrund reissen. Rauche seit über 15 Jahren ein Päckchen minimum täglich. Meine letzte Erkältung hatte ich vor 11 Jahren, Grippe sowieso nur einmal im Leben. Anscheinend hat das Rauchen mein Immunsystem noch verbessert, denn wenn das halbe Büro hustet und röchelt, bin ich immer noch nicht krank. Die Ergebnisse der Studie sind völlig wertlos. Genau so gut könnte man sagen, wer ein Gummiband um den Fuss gebunden bekommt, hat die und die Gendefekte.
4. Nachtrag
CyberNautiker 15.07.2010
Entschuldigung, hier der Link zur Studie: http://www.biomedcentral.com/1755-8794/3/29/abstract Da kann man dann auch sehen, das es sich um eine epidemologische Querschnittsstudie handelt, die über die Gefahr einzelner oder aller Inhaltsstoffe keine Aussagen macht und daher überflüssig bis wertlos ist.
5. ..
neuroheaven 15.07.2010
ich fass den artikel mal kurz zusammen. "rauchen ist überwiegend schädlich" ansonsten hab ich nichts weiter diesem artikel entnehmen können. bedauerlich
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Rauchverbote in Deutschland
Deutschlandweit
DPA
Das seit dem 1. September 2007 geltende Gesetz zum Nichtraucherschutz schreibt ein grundsätzliches Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen des Bundes und im öffentlichen Personenverkehr vor.

Die Rauchverbote sind in den Ländern zwar unterschiedlich strikt. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2008 ist das Rauchen aber in den meisten Ländern zumindest in kleinen Einraumkneipen bis zu 75 Quadratmetern gestattet.

Baden-Württemberg
Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen ist erlaubt. In Discotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt.
Bayern
Seit August 2010 ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. Auf dem Oktoberfest durfte 2010 noch geraucht werden.
Berlin
Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Discotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. In Schischa(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußen bleiben.
Brandenburg
In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden.
Bremen
In Gaststätten und Discotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Zutritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen.
Hamburg
Qualmen war in Kneipen, Restaurants und Discotheken komplett verboten, wenn dort Essen angeboten wurde. Doch nun hat das Verfassungsgericht entschieden: In Hamburg darf in Restaurants unter bestimmten Umständen wieder geraucht werden. Restaurants muss die Einrichtung abgetrennter Raucherräume erlaubt werden. Gaststätten, in denen es kein Essen gibt, können ohnehin separate Raucherräume einrichten. In Lokalen ohne Essensangebot, die nur einen Raum und eine Gastfläche von weniger als 75 Quadratmeter haben, kann Rauchen erlaubt sein, wenn unter 18-Jährige keinen Zutritt haben.
Hessen
In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Discotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht.
Mecklenburg-Vorpommern
Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Discotheken darf generell nicht geraucht werden.
Niedersachsen
In Restaurants, Kneipen und Discotheken ist das Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt.
Nordrhein-Westfalen
Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Discotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden.
Rheinland-Pfalz
In Gaststätten und Discotheken können Nebenräume als Raucherräume deklariert werden. Die Gäste von Einraumgaststätten unter 75 Quadratmetern dürfen qualmen. Vorübergehend aufgestellte Festzelte müssen nicht rauchfrei sein.
Saarland
Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein.
Sachsen
Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraumgaststätten, Spielhallen und Discotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern.
Sachsen-Anhalt
Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Discotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben.
Schleswig-Holstein
Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen.
Thüringen
Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. (Quellen: dpa/DAPD)


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: