Rechtsmedizin: DNA-Probe verrät Haarfarbe

Winzige Spuren am Tatort reichen aus: Allein aus einer Erbgut-Probe lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit die Haarfarbe eines Menschen ermitteln, melden Forscher. Die Technik könnte in Polizeiermittlungen zum Einsatz kommen.

Verschiedenfarbige Perücken: Natürliche Haarfarbe lässt sich anhand der DNA ermitteln Zur Großansicht
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Verschiedenfarbige Perücken: Natürliche Haarfarbe lässt sich anhand der DNA ermitteln

Augenfarbe, Alter und Haarfarbe: Rechtsmediziner arbeiten daran, allein durch Erbgut-Analysen zu ermitteln, wie ein Mensch aussieht. Die Methoden könnten bei der Suche nach Vermissten oder unbekannten Tätern helfen.

Wissenschaftler aus den Niederlanden und Polen melden jetzt im Fachmagazin "Human Genetics", dass es möglich ist, die Haarfarbe auf der Basis von DNA-Proben mit großer Sicherheit abzuschätzen. Das für die Analyse benötigte Erbgut kann aus biologischen Proben von einem Tatort, zum Beispiel aus Speichel oder Blut gewonnen werden. Eventuell reichen sogar Mikrospuren aus, die beim Anfassen von Objekten - Türklinken, Computertastaturen, Gläsern - haften geblieben sind.

Die Forscher testeten ihre Methode in einer Studie mit 385 Erwachsenen, die in Polen rekrutiert wurden. Sie teilten die Haarfarben in die vier Kategorien blond, rot, braun und schwarz. Zum Teil betrachteten sie noch feinere Unterschiede, so dass sich sieben Haarfarben ergaben: blond, dunkelblond, braun, rotbraun, rotblond, rot und schwarz. Die meisten Teilnehmer hatten dunkelblondes Haar (38 Prozent), rotbraun war die seltenste Farbe (drei Prozent). Für die Studie wurden gezielt Rothaarige ausgewählt, so dass ihr Anteil mit zehn Prozent deutlich höher war als in der Gesamtbevölkerung Polens.

Das Zusammenspiel mehrerer Gene entscheidet über die Haarfarbe eines Menschen. Die Forscher überprüften typische kleine Veränderungen in diesen Genen, so genannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (englisch: Single Nucleotide Polymorphism oder SNP, auch Snips genannt). Diese Snips können sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Wenn sie einen Satz von 13 Snips in elf verschiedenen Genen untersuchten, konnten sie mit einer Sicherheit von mehr als 90 Prozent sagen, dass ein Mensch schwarze Haare hat. Für rote Haare gelang dies ebenfalls. Bei blondem oder braunen Kopfhaar lag die Genauigkeit immerhin über 80 Prozent. Auch Unterscheidungen zwischen blond und dunkelblond oder rot und rotbraun waren möglich, wenn auch mit geringerer Genauigkeit.

Die Studie ist der erste Schritt hin zu einer neuen, in der Rechtsmedizin anwendbaren Methode. "Wir haben gezeigt, dass es wissenschaftlich möglich ist, die Haarfarbe auf diese Weise zu bestimmen. Jetzt entwickeln wir einen forensischen Test, der in der Praxis einsetzbar ist", sagt Manfred Kayser von der Erasmus-Universität Rotterdam in den Niederlanden. Das könnte im Laufe dieses Jahres gelingen, schätzt der Forscher. Dann werde sich auch zeigen, ob der Test empfindlich genug ist, dass auch Mikrospuren für die Analyse reichen.

wbr

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