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Regenwaldprojekt in Mexiko: Urlaub fürs Klima

Aus Cancún berichtet Christian Schwägerl

Die Klimaschützer verlassen Cancún, nun rücken Scharen von Touristen an. Sie kommen in eine Region, deren Natur höchst gefährdet ist. Die Urlauber verbrauchen Energie, sie hinterlassen Müll. Jetzt zeigen Umweltaktivisten, wie man den Ansturm nutzen kann, um dem Regenwald zu helfen.

Umweltschützer in Yucatán: Hüter der Mangrovenwälder Fotos
Christian Schwägerl

Wenn die vielen tausend Delegierten des Uno-Klimagipfels am Wochenende ihre Zimmer geräumt haben, gehört Cancún wieder ganz jenen Menschen, die tagtäglich über das Weltklima und die Naturvielfalt von morgen entscheiden: den Touristen. "Der Tourismus ist der größte Wirtschaftszweig der Welt", sagt Thomas Meller, ein Deutscher, der in Cancún für die mexikanische Umweltorganisation "Freunde von Sian Ka'an" arbeitet, "was Touristen machen, bestimmt stark, wie viel Energie wir verbrauchen, wie viel Müll entsteht und welche Ökosysteme erhalten bleiben."

Das ist an der Riviera Maya, wie die 150 Kilometer lange Urlaubsregion zwischen Cancún und Tulúm heißt, mit Händen zu greifen.

In der Hotelzone von Cancún reiht sich ein Klotz an den anderen, nun setzt sich der Bauboom südlich in der Gegend von Playa del Carmen fort. Noch vor vierzig Jahren erstreckten sich in dem Gebiet riesige Mangrovenwälder, die viele Tier- und Pflanzenarten bargen und die Küste schützten. Doch selbst die Restmangroven müssen nun neuen Hotels und Ressorts weichen. Deren Investoren wollen ihre Kunstwelten weiter möglichst nahe am Strand ausrollen. Um vier Prozent schrumpfen die Mangroven an der Urlauberküste pro Jahr.

Energiesparen und Müllvermeiden stehen für die Millionen Touristen, die aus den USA und Europa hierher kommen, bisher auch noch nicht an oberster Stelle. "Die Haltung ist weit verbreitet, dass man ja für alles bezahlt hat und deswegen auch keine Rücksicht nehmen muss", sagt Meller. Der Tourismus an der Riviera Maya sei noch nicht nachhaltig: "Das geht auf Kosten der Natur, es werden unnötig Energie und Ressourcen verschwendet."

Millionen Menschen kommen wegen des wärmeren Klimas nach Mexiko. Zugleich zählt die Region zu den potentiellen Opfern des Klimawandels: Die riesigen Korallenriffe sind gefährdet, wenn der Ozean versauert. Wirbelstürme gefährden Küste und Hotels. Wer von Berlin nach Cancún fliegt, setzt dabei laut der deutschen Umweltorganisation Atmosfair sechs Tonnen Kohlendioxid frei. Das sind sechs Mal so viel Treibhausgase, wie ein durchschnittlicher Inder im gesamten Jahr verursacht. Es ist für nur diesen Flug drei mal so viel CO2, wie Klimaforscher als Oberlimit für das Jahresbudget jedes Erdenbürgers ansetzen, soll sich die Atmosphäre nicht gefährlich erwärmen.

"Ein einzelnes Schutzgebiet reicht nicht"

Die "Freunde von Sin Ka'an" wurden in den achtziger Jahren gegründet, um das gleichnamige Feuchtgebiet mit Mangroven an der Küste zu bewahren, das zum Unesco-Biosphärenreservat ernannt wurde. Inzwischen setzt sich die Organisation dafür ein, dass die ganze Region umweltfreundlicher wirtschaftet als bisher. "Ein einzelnes Schutzgebiet reicht nicht, es geht grundsätzlich um die Art, wie diese Region wirtschaftet", sagt Meller.

Die "Freunde" und andere Initiativen wollen die Amerikaner und Europäer nicht etwa überreden, zu Hause zu bleiben und dort Öko-Radtouren zu machen.

Sie sind nicht wirtschaftsfeindlich, sondern stehen im Gegenteil der Entwicklung der Region rundum positiv gegenüber: Sie wollen den Tourismus grüner machen und sehen darin für die Hotelbetreiber ein gutes, neues Geschäft. Zudem wollen sie den Urlaubern neue Erlebnisse eröffnen, Alternativen zum bloßen Strandurlaub. Sie sollen zum Beispiel Menschen wie Filiberto Yam Buenfil kennenlernen, einen 46 Jahre alten Nachfahren der Mayas.

Yam Buenfil versteht sich als Hüter des Regenwalds rund um Felipe Carrilo Puerto, einer kleinen Ortschaft 200 Kilometer südlich von Cancún. Wenn er durch den Dschungel streift, sieht er mehr als die meisten anderen Menschen. Er bricht ein Blatt von einer Schlingpflanze und sagt: "Die muss man zerkauen, wenn einen eine Schlange gebissen hat, dann breitet sich das Gift nicht aus." Eine andere Pflanze empfiehlt er gegen Durchfall, "und dieses Blatt hier reibt man auf die Haut, um Insektenstiche zu mildern." Auf einer kleinen Lichtung legt er den Zeigefinger an die Lippen und pfeift los. Sekunden später kommen bunte Urwaldvögel herbeigeflogen, neugierig, woher diese Töne kommen.

Fällen oder erhalten?

Der Maya-Mann ist in der Genossenschaft aktiv, die 47.000 Hektar Wald westlich des Biosphärenreservats bewirtschaftet. In der ganzen Region geht es um die Frage, ob es lukrativer ist, den Wald stark zu nutzen oder ihn langfristig zu erhalten. Yam Buenfil setzt darauf, dass ihm Touristen künftig beim Regenwaldschutz helfen werden. Ein kleiner Öko-Weiler namens "Siíjil Noh Há" ist auf dem Gebiet der Waldgenossenschaft entstanden. Dort kann man seit neuestem mitten im Regenwald übernachten und bei Führungen an seinem Wissen um Heilpflanzen teilhaben.

Doch die Mayas denken bereits weit über klassische Einkommensquellen hinaus. "Unsere Wälder nehmen, wenn sie wachsen, Kohlendioxid aus der Luft und verwandeln es in ihr Holz", sagt Yam Buenfil. Deshalb sind um viele Bäume im Wald um Felipe Carrilo Puerto nun silberne Bänder angebracht. Mit ihnen kann man messen, wie schnell die Urwaldbäume wachsen, wie viel Kohlendioxid aus der Luft sie in Holz verwandeln und so der Atmosphäre entziehen.

Vor zwölf Jahren hat die Regierung der Dorfgemeinschaft Subventionen dafür versprochen, auf 1200 Hektar eine Zitronenplantage anzulegen. Doch als der Wald verhökert war, fand sich das zugesagte Geld plötzlich nicht mehr. Seither pflanzt die Dorfgemeinschaft auf der Rodungsfläche Bäume für einen neuen Regenwald - und will das nun als ökologische Dienstleistung vermarkten. Einen Zentimeter Umfang hat der Salam-Baum, an dem Yam Buenfil gerade steht, im letzten Jahr zugelegt.

Klimarechnung beim Einchecken

Künftig will die Maya-Dorfgemeinschaft am Kohlendioxid verdienen, das die jungen Bäume aus der Luft holen. Es könnte etwa eine Dienstleistung für Hotels sein, so viel CO2 in neuen Bäumen zu binden, wie ihr Betrieb verursacht.

Urlauber könnten dann zum Beispiel beim Einchecken entscheiden, ob sie eine kleine Extra-Gebühr dafür entrichten wollen, CO2-neutral zu logieren. Noch ist das Zukunftsmusik, doch die Vorbereitungen laufen. Auch der Schutz und die Neuanpflanzung von Mangrovenwäldern könnte künftig dem CO2-Ausgleich vor Ort dienen, etwa für die Flugreise.

"Die Urlauber sollen ihre Emissionen bei uns ausgleichen, nicht in einem Projekt in Indien oder Afrika", sagt Sebastien Proust, ein junger Franzose, der mit seiner mexikanischen Frau Elsa die Organisation U'yo'olche leitet und die Mayas auf ihrem Weg unterstützt.

"Wir brauchen hier neue Einkommensquellen, die es den Menschen ermöglichen, funktionierende Ökosysteme zu erhalten statt sie zu zerstören." U'yo'olche, was übersetzt Keimling heißt, hat die Kunsthandwerker der Region in einer Marke ("Kuxtal") zusammengefasst und sie in Kontakt mit Produktdesignern gebracht. Honig und Honigkosmetika aus dem Urwald sowie kleine Kunstwerke mit Mayamustern gehören zum Sortiment. "Es kommt darauf an, dass die Produkte eine einheitliche Qualität haben, nur so kommt man in die attraktiven Märkte", sagt Proust.

Sein Ziel ist es, eine große Zahl von Küstenhotels dazu zu bringen, die Produkte aus der Region zu nutzen. "Yukatan produziert einen der besten Honige der Welt, doch in den Hotels gibt es meist Massenware aus Amerika und Europa", kritisiert Proust. Zu den ökologisch sinnvollen Produkten der Region gehört auch ein Kaugummi, der nicht aus Kunststoff entsteht, sondern zu hundert Prozent aus dem Saft eines Regenwaldbaumes.

Kaugummi für den Regenwald

Rund zweitausend Arbeitsplätze hat die "Chicza Rainforests Gum Initiative" mit ihrem Regenwald-Kaugummi geschaffen - nun geht es darum, dass die Urlauber aus Amerika in den Hotelshops zur Marke Chicza greifen können statt zu den üblichen Anbietern.

Die Hotels würden zwar in großem Stil Reinigungskräfte aus den Maya-Dörfern rekrutieren, aber kaum regionale Waren kaufen, die gut für die naturnahe Wirtschaft wären, sagt Proust: "Die Nachfrage nach solchen Produkten entscheidet maßgeblich darüber mit, wie gut die Wälder der Region bewirtschaftet werden." Man wolle nun "eine Brücke bauen zwischen Mayas und Urlaubern, zwischen Wald und Hotels".

Thomas Meller von den "Freunden von Sian Ka'an" möchte die Hotels vor allem von innen heraus verändern. "Unsere Gespräche mit Hotelbetreibern laufen meist extrem positiv, wenn wir ihnen ausrechnen, wie sie durch Umweltschutz neue Gäste gewinnen, ihre Mitarbeiter motivieren und Betriebskosten sparen können." Hundert Hotels mit insgesamt 60.000 Betten hätten sich schon beraten lassen, wie sie umweltfreundlicher werden können.

Um dies auch den Gästen zu vermitteln, sind nun sieben Kurzvideos entstanden, die Hotels in die Willkommensbotschaften integrieren können. Wenn die Fernseher anspringen, sobald ein neuer Gast sein Zimmer betritt, gibt es Hinweise zum sparsamen Umgang mit Wasser und Strom. "Grüner Urlaub machen" heißen die Videos. Man lernt auch, warum biologisch abbaubare Sonnencremes wichtig sind.

Bei Neubauprojekten verzeichnet die Initiative bereits erste Erfolge. Ein Hotel hat 400 Meter vom Strand entfernt gebaut, um Mangroven zu erhalten, andere sind dabei, in erneuerbare Energien, natürliche Klimatisierung und bessere Kläranlagen zu investieren. Entscheidend, sagt Meller, ist, ob die Anbieter davon ausgehen, dass sie umweltbewusste Gäste haben. Dann verändere sich auch das Angebot. Heute würden noch immer so viele ressourcenintesnive Golfplätze in die Natur gebaut, weil jeder denke, das dies das wichtigste Urlaubsvergnügen älterer Amerikaner sei. Eine neue Studie habe nun aber ergeben, dass nur 14 Prozent von ihnen unbedingt Golf spielen wollen, aber 15 Prozent an Naturaktivitäten wie der Vogelbeobachtung interessiert seien.

So betrachtet, sei das Biosphärenreservat Sian Ka'an keine Bremse für den Tourismus, wie es oft heißt, sondern seine Schatzkammer. "Der Tourismus muss sich schnell neu erfinden", sagt Meller, "wir können nicht Korallen, Strände und Wälder als unsere Schätze anpreisen und sie gleichzeitig aufs Spiel setzen."

Ob das gelingt, hängt maßgeblich von den Touristen selbst ab. Sie nehmen nun nicht nur die Betten der Uno-Klimaschützer ein.

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Forum - Klimagipfel - was bringt das Treffen in Cancún?
insgesamt 1663 Beiträge
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1. Er bringt mindestens...
ratxi 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
...den Teilnehmern das Gefühl, unbeschreiblich wichtig zu sein. Und egal, was hinterher passiert, hätte man nur auf ihn (wen auch immer) gehört, wäre alles gut geworden...
2. Heiße Luft.
Wolf_68, 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Nichts. Ebenfalls nichts.
3.
oink_oink_weee 09.12.2010
"Rien ne va plus" solange werden es die Industrie-Staaten bzw die Macher, Tycoons, Cashsäue... treiben bis sich alles von selbst erledigt, Klimagipfel ist da überflüssig.
4. Klimalüge
Calex 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Und wenn die Klimalüge auch noch 10 Mio mal im Spiegel abgedruckt wird. Die Menschen glauben euch nicht mehr!!! Mit dem CO2 Wahn wird nur von der ECHTEN Umweltverschmutzung durch Großkonzerne (Anholzung des Tropenwaldes, Verunreinigung von ganzen Landstricken durch RAubbau an der NAtur etc.) abgelenkt und die Schuld dem Verbraucher in die Schuhe geschoben! Frei nach dem Motto: "Wer konsumiert trägt die Schuld". Nicht etwa die Konzerne, die nur Ihre Profite sehen und die Regierungen, die mit immer neuen Steuern die Zinsen der bereits auf 1000 Jahre verpfändeten Steuergelder abdecken wollen.
5. Der Gipfel bringt nix !
querulant_99 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Da bei dieser Konferenz nichts Substantielles herauskommen wird, plädiere ich für einen pragmatischen Weg, der die Folgen mildert, wie man es auch bei Erdbeben macht: Gar nicht erst versuchen, ein Erdbeben zu verhindern, sondern erdbebensicher bauen!
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.

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Klimagipfel: Kampf um die grüne Lunge
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Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein bindendes politisches Abkommen einigen. Erstmals sind nicht nur die Umweltminister, sondern auch die Staats- und Regierungschefs direkt an den Verhandlungen beteiligt. Doch anstatt die ungeheuren Erwartungen zu erfüllen, endet der Gipfel in einem Desaster: Am Ende des zweiwöchigen Ringens steht ein Mini-Kompromiss, der kaum Konkretes enthält und für den globalen Klimaschutz einen herben Rückschlag bedeutet.
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