Reich von Akkad Dürre zerstörte den ersten Flächenstaat der Erde

Der erste Flächenstaat der Menschheit in Mesopotamien brach vor rund 4200 Jahren abrupt zusammen. Seit Längerem suchen Forscher nach der Ursache. Deutliche Hinweise fand ein Team nun in einer Höhle im Nordiran.

Narm-Sîn von Akkad: Der mesopotamische Herrscher ist auf der Stele an seinen Hörnern erkennbar
Rama / Louvre, CC BY-SA / DPA

Narm-Sîn von Akkad: Der mesopotamische Herrscher ist auf der Stele an seinen Hörnern erkennbar


Es war ein Staat, wie ihn die Welt noch nicht kannte. Im Zweistromland von Euphrat und Tigris erstreckte sich vor etwa 4300 Jahren das Reich von Akkad, vom Süden des heutigen Iraks durch Syrien bis in den Südosten der Türkei. Gegründet wurde es von Sargon von Akkad, der eine Reihe von Stadtstaaten unter seiner Herrschaft vereint hatte. (Hier erfahren Sie mehr über den Herrscher).

Doch vor etwa 4200 Jahren wurden Städte und Siedlungen im Norden des Reiches plötzlich verlassen. Dies schließen Archäologen daraus, dass dort bei Ausgrabungen keine Töpferwaren und andere Gegenstände aus späterer Zeit gefunden wurden. Seit Längerem diskutieren Forscher darüber, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Untergang des Staates und gleichzeitigen Klimaveränderungen gibt.

Unterstützung für diese - nicht unumstrittene - These liefert nun die Studie eines Teams um Stacy Carolin von der Universität Oxford. Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten die Wissenschaftler, dass zum Ende des Reiches von Akkad eine große Dürre geherrscht habe.

Magnesium-Signal im Tropfstein ausgewertet

Die Forscher hatten einen Tropfstein aus der Höhle Gol-e-Zard im Nordiran untersucht, die rund 50 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Teheran liegt. Früheren Untersuchungen zufolge liegt das iranische Hochland, wo auch die Höhle zu finden ist, in der Hauptwindrichtung der Staubstürme aus dem nördlichen Mesopotamien. Die Forscher untersuchten nun Abschnitte der vom Boden nach oben wachsenden Stalagmiten, die die Zeit vor 5200 bis vor 3700 Jahren abdecken.

In der Phase vor 4260 bis 3970 Jahren fanden sie Anzeichen für eine lange Dürre: Zum einen wuchs der Stalagmit erheblich langsamer - ein Hinweis auf weniger Niederschläge in der Region. Zum anderen war der Magnesiumanteil in dieser Phase deutlich höher. Die Böden im Nordirak und in Syrien enthalten mehr Magnesium als die Böden des iranischen Hochlands. Die Forscher folgern daraus, dass bei der Tropfsteinbildung vermehrt Bestandteile des Staubs aus dem trockener werdenden Norden des Reiches von Akkad im Wasser gelöst waren. Auch weitere Messwerte, etwa das Verhältnis verschiedener Sauerstoff-Isotope, sprechen für eine Trockenphase.

Hinweise auch in Sedimenten aus dem Meer

"Es scheint, dass das Imperium in zunehmendem Maße von der Produktivität der nördlichen Gebiete abhängig war und das Getreide aus dieser Region dazu verwendete, die Armee zu ernähren und die Nahrungsmittelvorräte an die wichtigsten Unterstützer zu verteilen", so Co-Autor Vasile Ersek von der britischen Northumbria University in Newcastle. Als die Ernteerträge wegen der Trockenheit zurückgingen, sei es zu Massenmigration und Konflikten gekommen. Dies habe anscheinend zum Untergang des Reiches beigetragen.

Die Forscher schreiben, dass Meeressedimente im Roten Meer und dem Golf von Oman aus demselben Zeitabschnitt deutliche Hinweise auf das Einsetzen einer Trockenheitsperiode in Nordmesopotamien zeigen. In Tropfsteinen aus anderen Höhlen im östlichen Mittelmeerraum gebe es ebenfalls entsprechende Hinweise.

Stefan Parsch, dpa/chs



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