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Grab aus 17. Jahrhundert: Mein Herz ist dein, über den Tod hinaus

Fund in der Bretagne: Ein Herz und eine Seele Fotos
Rozenn Colleter, Ph.D./ INRAP

Ihr Herz fehlte, dafür ruhte neben der Adligen das ihres Mannes: Forscher haben die Funde in einem französischen Grab aus dem 17. Jahhundert genauer untersucht und dabei ein altbekanntes Leiden diagnostiziert.

Als die Dame von Brefeillac begraben wurde, war das Herz ihres Mannes bei ihr - und zwar nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Das Organ lag einbalsamiert in einer Urne in ihrer Nähe. Bei einer Grabung im französischen Rennes haben Archäologen rund 800 Gräber auf dem Gelände eines ehemaligen Jakobiner-Klosters entdeckt, darunter den Bleisarg von Louise de Quengo, der Dame von Brefeillac. Sie starb im Jahr 1656 im Alter von etwa 60 Jahren, ihr Mann war sieben Jahren zuvor verschieden.

Fünf herzförmige Urnen fanden die Wissenschaftler insgesamt. In jeder von ihnen befand sich ein einbalsamiertes Herz, vier der Bleigefäße waren zudem beschriftet.

"Zu dieser Zeit war es nicht unüblich, mit dem Herz des Ehemanns oder der Ehefrau bestattet zu werden", sagt die Radiologin Fatima-Zohra Mokrane vom Universitätsklinikum Toulouse, die auf einem Kongress in Chicago über die Untersuchung der entdeckten Herzen berichtet. Ärzte wollten nämlich herausfinden, ob die Herzen Spuren von Krankheiten zeigten oder nicht.

Anzeichen von Arterienverkalkung

"Die Einbalsamierung erschwerte es, Genaueres über den Zustand der Herzen herauszufinden", sagt Mokrane. Die Wissenschaftler entfernten vorsichtig die zur Einbalsamierung verwendeten Substanzen. Vor und nach diesem Schritt fertigten sie Kernspin- und Computertomografie-Aufnahmen an. Zusätzlich untersuchten sie die Herzen mit klassischen pathologischen Methoden.

Ein Herz war demnach frei von Krankheitsanzeichen. Bei drei Organen waren dagegen die Herzkranzgefäße verkalkt. Die Betroffenen hatten also Arteriosklerose, ein heute weit verbreitetes Problem. Das fünfte Herz war schlecht erhalten, sodass die Forscher nichts Weiteres über seinen Zustand herausfinden konnten.

Die sterblichen Überreste von Louise de Quengo, der Dame von Brefeillac, waren erstaunlich gut erhalten, ebenso wie die Kleidung, in der die bretonische Adlige bestattet wurde. Sie trug ein Ordensgewand und hielt ein Kruzifix in den Händen. Es sei üblich gewesen, dass die Oberschicht bei wichtigen Zeremonien religiöse Gewänder getragen habe, berichtet der französische Archäologiedienst Inrap, der die Grabung durchführte. Es sei aber auch möglich, dass Louise de Quengo in ein Kloster ging, nachdem sie Witwe geworden war.

Das Herz der Dame wurde indes entfernt, vermutlich liegt es im Grab ihres Ehemannes. Das Herausschneiden des Organs, schreibt Inrap, offenbare großes chirurgisches Können.

Die Grabung in Rennes lief von 2011 bis 2013 und fand statt, weil auf dem Gelände ein Kongresszentrum gebaut werden sollte. Die sterblichen Überreste, die die Archäologen ausgegraben haben, werden nach Abschluss der wissenschaftlichen Analysen erneut beigesetzt.

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wbr

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