Resistenter Erreger Tödliches Bakterium breitet sich in den USA aus

In den USA breitet sich ein Bakterium aus, das gegen Antibiotika resistent ist und besonders für ältere Patienten eine potentiell tödliche Gefahr darstellt. Doch mittlerweile gefährdet der Erreger auch junge und gesunde Menschen.


Gleich drei medizinische Studien aus den USA und Kanada kommen zu alarmierenden Schlüssen: Ein potentiell tödliches Bakterium verbreitet sich nicht nur immer weiter, sondern ist mutiert und befällt auch Menschen, die bisher nicht als gefährdet galten.

Intensivstation: Antibiotika-resistente Keime werden immer gefährlicher
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Intensivstation: Antibiotika-resistente Keime werden immer gefährlicher

Das Bakterium namens Clostridium difficile - benannt nach seiner schwierigen Auffindbarkeit - ist bereits seit längerem als Gefahr in Krankenhäusern bekannt. Rund drei Prozent aller Gesunden und 20 bis 40 Prozent der Krankenhauspatienten tragen es in sich, wie das "Deutsche Ärzteblatt" berichtet. Meist ist das Darmbakterium ungefährlich - es sei denn, man wird wegen einer anderen Infektion mit Antibiotika behandelt. Während andere Bakterien im Darm absterben, kann es zu einer explosiven Vermehrung des resistenten Clostridium difficile kommen.

Das "New England Journal of Medicine" veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe gleich zwei Studien und einen Kommentar zu dem Thema. Eine der Studien besagt, dass allein im vergangenen Jahr in zwölf kanadischen Krankenhäusern 117 von 1703 Patienten mit Clostridium difficile an den Folgen der Ansteckung gestorben sind. Rund 22 von 1000 neu eingewiesenen Klinikpatienten hätten das Bakterium in sich getragen, was eine deutliche Steigerung gegenüber früheren Zahlen bedeute.

Laut der zweiten Untersuchung ist ein besonders ansteckender Stamm des Bakteriums in den USA aufgetaucht, der gegen bestimmte Antibiotika, sogenannte Fluorochinolone, resistent ist. Zu den Symptomen einer Infektion mit Clostridium difficile gehören schwerer Durchfall und Darmkrämpfe. Insbesondere bei älteren Menschen kann die Erkrankung zum Tod führen.

Für besonders besorgniserregend aber halten Mediziner die Tatsache, dass der Erreger mittlerweile auch außerhalb von Krankenhäusern aufgetaucht ist und Menschen befällt, die bisher nicht zu den gefährdeten Gruppen zählten. Forscher der Centers for Disease Control (CDC) in den USA haben 33 Patienten untersucht, von denen 22 vorher vollkommen gesund waren. 10 der 33 waren Mütter, die kurz zuvor in einem Krankenhaus ein Baby zur Welt gebracht hatten. Eine 31-Jährige, die Zwillinge bekommen hatte, starb an der Infektion.

Acht der 33 Patienten waren in den drei Monaten zuvor nicht mit Antibiotika behandelt worden, schreiben die Forscher um Esther Chernak im "Morbidity and Mortality Weekly Report" der CDC. Sieben hätten sich vermutlich bei anderen Menschen mit Durchfallerkrankungen angesteckt. Das zeige, dass das Bakterium durch Mutation ansteckender geworden sei.

Viele Mediziner sehen in der zunehmenden Resistenz sogenannter Krankenhauskeime gegen Antibiotika eine der größten Gesundheitsgefahren der Zukunft. "Ich will niemanden vor einer Antibiotika-Behandlung abschrecken", sagte Clifford McDonald, Hauptautor einer der Studien im "New England Journal of Medicine". Die neuen Erkenntnisse seien aber besorgniserregend. "Wir müssen darauf reagieren", betonte der Mediziner. "Uns sollte klar werden, dass das Risiko von Antibiotika-Behandlungen steigt."



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