Reumütiger Dieb Neandertaler-Zähne lagen im Briefkasten

Die beiden Neandertaler-Zähne, die Ende März aus einem Museum gestohlen wurden, hatten einen reumütigen Dieb: Die prähistorischen Beißwerkzeuge lagen heute Morgen im Briefkasten des Museums.


Gestohlener Neandertaler-Zahn (Archivbild): Reumütiger Dieb brachte Beute zurück
DPA

Gestohlener Neandertaler-Zahn (Archivbild): Reumütiger Dieb brachte Beute zurück

Der Coup sorgte für Schlagzeilen: Mit Spezialwerkzeug hatte ein Langfinger zwei Wandvitrinen im Neanderthal-Museum bei Mettmann geknackt und die wertvollen Backenzähne eines erwachsenen Neandertalers und eines etwa zwölfjährigen Kindes mitgehen lassen. Doch offenbar bereiteten die beiden 40.000 Jahre alten Beißer ihrem neuen Besitzer keine Freude: Am heutigen Donnerstag wurden die Zähne von einer Sekretärin im Briefkasten des Museums entdeckt, säuberlich eingewickelt in Tempotücher.

Bei den Stücken handele es sich "ganz zweifelsfrei" um die beiden Originale, betonte die stellvertretende Museumschefin Bärbel Auffermann. Ab sofort seien sie wieder in einer großen Museums-Vitrine hinter Panzerglas zu betrachten. Das "Verpackungsmaterial" der Zähne werde von der Kripo derzeit eingehend untersucht.

Auch der Archäologe Ralf Schmitz von der Universität Tübingen, der zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Thissen vor knapp vier Jahren die Zähne am historischen Fundplatz im Neandertal entdeckt hat, zeigte sich "überglücklich, weil jetzt die Stücke weiter wissenschaftlich untersucht werden können". Er hatte ebenso wie das Museum öffentlich um die anonyme Rückgabe der Urmenschen-Relikte ("Das ist Weltkulturerbe!") gebeten, die nach seiner Meinung über keinerlei Marktwert verfügen. Seit diesem Aufruf "habe ich im Geheimen immer gehofft, dass sie mal im Briefkasten liegen", meinte die Zahn-Finderin Christa Binder: "Wir sind so froh, dass der Täter sie zurückgegeben hat."

Laut Schmitz ist ein neues Projekt in Vorbereitung, die Funde erneut mit hochmodernem technischen Gerät zu analysieren. So seien etwa anhand der Kaufläche des Backenzahnes Rückschlüsse auf die bevorzugte Nahrung der Neandertaler möglich, die vor 300.000 bis 30.000 Jahren in Europa und Vorderasien lebten. Zudem gebe eine eingehende Analyse Hinweise auf den gesamten Kiefer des Neandertalers.



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