DNA-Analyse Kuckuckskinder im englischen Königshaus

Die DNA-Analyse der Knochen von Richard III. birgt einige Überraschungen: Im Königshaus hat es ein oder mehrere Kuckuckskinder gegeben - und das hatte womöglich weitreichende Folgen.

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Es ist der wahrscheinlich älteste forensische Fall, der jemals gelöst wurde: Im September 2012 hatten Archäologen unter einem Parkplatz in der mittelenglischen Stadt Leicester Skelettteile gefunden. Eine erste Analyse ergab: Die Gebeine stammen von dem im 15. Jahrhundert in einer Schlacht gefallenen König Richard III.

Nun zeigt eine neue Untersuchung, dass es sich bei den Knochen mit der Wahrscheinlichkeit von 99,9994 Prozent um den englischen König Richard III. handelt, wie Turi King von der Universität Leicester und ihre Kollegen im Fachmagazin "Nature Communications" berichten.

In ihrer DNA-Analyse konnten sie auch Details zum Aussehen des englischen Königs ausmachen. Blond und blauäugig soll er gewesen sein - zumindest in seiner Jugend. Aber noch interessanter ist ein anderes, delikates Detail: In der Abstammungslinie des englischen Königs konnten die Forscher Kuckuckskinder aufspüren. Ihre Identität kennen sie allerdings nicht. Dies bedeutet aber auf jeden Fall, das in mindestens einem Fall ein nicht legitimer Nachfahr den Thron bestiegen haben muss.

Falsche Vaterschaften

Für ihre Studie verglichen die Wissenschaftler DNA-Proben von Richard III. mit denen von noch lebenden Nachkommen aus der väterlichen Linie des Königs. Überraschenderweise fanden sie bei keinem der Nachkommen Übereinstimmungen mit Richards Y-Chromosom. Das bedeutet, dass im Laufe der Generationen mindestens ein oder auch mehrere Kinder den Königen untergeschoben worden waren.

Solche Fälle sind in der Geschichte nicht selten, erklären die Wissenschaftler, die geschätzte Rate solcher falscher Vaterschaften liegt heute bei ein paar Prozent. Im Falle von Richard III. ist die Sache deshalb spannend, weil damit möglicherweise gleich mehrere englische Könige kein rein königliches Blut hatten.

Legitime Nachkommen?

Diese genetischen Ausrutscher könnten sich bis in die Dynastie der Tudors ziehen, zu denen auch die berühmte englische Königin Elizabeth I. gehörte, so King und ihre Kollegen. Das Recht auf den Thron basiere jedoch auf mehr als nur auf dem königlichen Blut, so Kevin Schurer von der University Leicester. Wichtig seien daneben eben auch Erfolge auf dem Schlachtfeld und die Einheirat ins Königliche Haus. Für die Forscher steht sowieso vor allem ein Ergebnis im Vordergrund: Dass das unter dem Parkplatz von Leicester entdeckte Skelett tatsächlich Richard III. war - ob mit Blutsanspruch auf die Krone oder ohne.

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khü/AP



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