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Riechforschung: Gestank fördert Safer Sex

Fäkaliengeruch mahnt Menschen zur Vorsicht beim Sex. Gestank erinnere daran, Krankheitskeime zu vermeiden, erklären Wissenschaftler ihren neuen Befund - den sie auf ein ungewöhnliches Experiment zurückführen.

Aufforderung zur Vorsicht: Eine Aids-Aktivistin plädiert für Kondome Zur Großansicht
DPA

Aufforderung zur Vorsicht: Eine Aids-Aktivistin plädiert für Kondome

Ithaca - Wer einen üblen Geruch in die Nase bekommt, neigt eher zu Vorsicht beim Sex. Auf diesen Zusammenhang stieß ein Forscherteam, als es eine Gruppe von Freiwilligen einem fauligen Geruch aussetzte, der an Fäkalien oder mit Keimen verseuchtes Wasser erinnerte. Wurden die Teilnehmer dann nach ihren sexuellen Gewohnheiten gefragt, gaben sie sehr viel häufiger an, in Zukunft nur noch Geschlechtsverkehr mit Kondom praktizieren zu wollen, als ohne den Einfluss des Gestanks.

Das zeige, dass Menschen einen natürlichen Drang dazu hätten, krankheitserregende Bakterien zu vermeiden, sagen die Forscher. Ein entsprechender Geruch aktiviere offenbar ein Alarmsystem, das dann für vorbeugende Maßnahmen sorgt, schreiben die Wissenschaftler um Joshua Tybur von der University of New Mexiko im Fachjournal "Psychological Science".

Für ihre Studie rekrutierten die Wissenschaftler insgesamt 99 Psychologie-Studenten, 66 von ihnen waren Frauen. 74 Prozent aller Probanden gaben an, im letzten Jahr mit mindestens einem Partner Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Zu Beginn der Studie warnten die Forscher die Teilnehmer, dass es möglicherweise vorübergehend unangenehm riechen könnte, da im Gebäude Klempner mit Reparaturarbeiten beschäftigt seien.

Wände besprüht

Die Wissenschaftler forderten dann die Studenten dazu auf, den Raum zu verlassen, um etwas Wasser zu trinken, damit sie später eine Speichelprobe abgeben könnten. Dann füllten die Probanden einen Fragebogen aus: Sie sollten unter anderem darlegen, wie oft sie Kondome beim Sex benutzen und für wie sicher sie die Präservative halten. Anschließend gaben sie eine Speichelprobe ab und wurden erneut dazu aufgefordert, den Raum zu verlassen.

Für den nächsten Teil teilten die Forscher die Studenten in zwei Gruppen ein: Während sie die eine Gruppe in einen Raum schickten, dessen Wände zuvor mit einem Spray besprüht worden war, das nach Fäkalien roch, diente die zweite als Kontrollgruppe - sie wurde keinem speziellen Geruch ausgesetzt. Dann befragten die Forscher alle Teilnehmer zu ihren Absichten, in Zukunft Kondome zu kaufen, die Präservative zu benutzen und mit ihrem Partner über den Gebrauch dieses Verhütungsmittels zu sprechen. Ergebnis des Tests: Diejenigen, die dem üblen Geruch ausgesetzt waren, wollten künftig häufiger Kondome beim Sex verwenden als die Probanden der Kontrollgruppe.

Offenbar löste allein der übelriechende Gestank über den Geruchssinn bei den Probanden den Wunsch aus, Safer Sex zu praktizieren. Das Ergebnis dieser Studie bestätigte damit die Vermutung der Forscher, dass die Motivation, krankheitsverursachende Keime zu vermeiden, das Verhalten prägt. Schon frühere Studien hätten gezeigt, dass Anzeichen für potentielle Krankheitserreger in der Umwelt beim Menschen ein Verhalten auslösten, das darauf abziele, den Bakterien aus dem Weg zu gehen, schreiben die Forscher.

boj/dapd

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Hochwissenschaftliche Studie!
Alf.Edel 25.02.2011
Was für eine hochwissenschaftliche Studie! Langsam kommen mir Zweifel, wie einige Leute ihren Doktortitel erworben haben... ;)
2. ...
hepra 25.02.2011
Zitat von Alf.EdelWas für eine hochwissenschaftliche Studie! Langsam kommen mir Zweifel, wie einige Leute ihren Doktortitel erworben haben... ;)
Mir auch. Wer bitteschön praktiziert den Bunga-Bunga bei Fäkaliengestank? Vielleicht die Untersuchenden im Selbstversuch? Es soll ja absonderliche Vorlieben geben ... Aber Sie sollten besser vom Doktorgrad als vom Doktor"titel" sprechen.
3. Theorie
sfb 25.02.2011
Zitat von Alf.EdelWas für eine hochwissenschaftliche Studie! Langsam kommen mir Zweifel, wie einige Leute ihren Doktortitel erworben haben... ;)
Naja, immerhin widerlegen diese Erkenntnisse die nach 68' verbreitete Theorie, dass körperliche Hygiene unnatürlich und die schädliche Folge einer repressiven Erziehung sei.
4. Interessant
MDen 25.02.2011
Ich finde solche Erkenntnisse über die Auswirkungen von Gerüchen auf unser Verhalten sehr interessant, gerad im Zusammenhang mit Sex. Offensichtlich hat die Natur es ja nicht vorgesehen, dass uns Blütenduft oder Pfefferminz geil macht, dann würden unsere Körper ja entsprechend riechen. Dass uns Körpergerüche, die wir im Alltag eher störend, also stinkend empfinden, uns andererseits bei dem richtigen Partner anziehen sollen, ist schon bemerkenswert. Die Erklärung dafür, würde mich sehr interessieren. Sie hat ja möglicherweise etwas mit unserem asexuellen Alltag zu tun, in dem sexuelle Stimulanzen als unpassend empfunden werden.
5. Sigmund Freud...
salbader 25.02.2011
wäre wahrscheinlich sein bester Patient gewesen. "Argumentiert" in einem wissenschaftlichen Sinne, das heißt: stringent begründet und bewiesen bzw. belegt, hat der gute Mann ohnehin wenig. Bezeichnenderweise spricht er in seiner "Psychopathologie des Alltags" auch nicht von der "Entdeckung", sondern von der "Erfindung" des Unterbewussten.
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Internationale Stinkbombe
Das US-Militär versuchte einst, eine "Stinkbombe" zu entwickeln, die auf alle Menschen und speziell auf verschiedene ethnische Gruppen abstoßend wirkt – doch ohne Erfolg. Das berichtete 2005 die Psychologin Rachel Herz von der Brown University in Providence (US-Bundesstaat Rhode Island). Welcher Geruch uns angewidert die Nase rümpfen lässt, ist kulturell offenbar sehr verschieden.

Süß oder abstoßend – auch eine Frage der Gene

Manche Frauen rümpfen beim Geruch von Androstenon die Nase – andere wiederum mögen’s: Es handelt sich um das Abbauprodukt des Sexualhormons Testosteron, das Männerschweiß eine markante Note verleiht. Andreas Keller von der Rockefeller University in New York und Hanyi Zhuang von der Duke University in Durham identifizierten unter den mehr als 300 menschlichen Geruchsrezeptoren denjenigen, der am stärksten auf Androstenon anspricht. Ob Mann oder Frau: Wer eine verbreitete Variante dieses Rezeptors in der Riechschleimhaut trug, empfand den Männerschweiß eher als unangenehm, während die übrigen das Aroma überdurchschnittlich oft als süß und vanillig beschrieben. Allerdings entschied die genetisch bedingte Rezeptorvariante nicht allein über Vorliebe oder Abneigung, denn auch andere Geruchsrezeptoren sowie die Erfahrung spielten dabei hinein.

(Keller, A. et al.: Genetic Variation in a Human Odorant Receptor Alters Odour Perception. In: Nature 449, S. 468 – 472, 2007)

Auf einen Blick

Dufte Sache

1. Welche Gefühle ein Geruch auslöst, ist (weitgehend) Erfahrungssache. Besonders tiefe Spuren im Gehirn hinterlässt stets der erste Riecheindruck.

2. Ohne dass wir uns dessen bewusst sind, beeinflusst der Körpergeruch unserer Mitmenschen unsere Stimmung und unser Verhalten.

3. Riechen wir etwa bei anderen Angstschweiß, so verhalten wir uns wachsamer und vorsichtiger.



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