Satellitenbild der Woche Grenzstreit

Der Grenzfluss zwischen Argentinien und Uruguay bietet Rückzugsmöglichkeiten für bedrohte Tierarten. Doch am Rio Uruguay, den unser Satellitenbild zeigt, hat sich in der Vergangenheit auch schon Streit entzündet.

Der Rio Uruguay aus dem All
ESA

Der Rio Uruguay aus dem All


Senegal, Jordanien, Moldawien, Niger und so weiter - rund ein Dutzend Staaten der Erde verdanken ihren Namen einem Fluss. In manchen Fällen ist das namensgebende Gewässer wiederum ein Grenzfluss - so wie in diesem Fall. Das Bild des europäischen Satelliten "Sentinel-2B" zeigt den Unterlauf des Rio Uruguay in Südamerika. Er ist Namensgeber der gleichnamigen Republik, des zweitkleinsten Staates Südamerikas, der aber immer noch halb so groß wie Deutschland ist.

Offiziell heißt das Land übrigens "Republica Oriental del Uruguay", also "Republik Östlich des Uruguay". Dementsprechend ist es rechts im Bild zu sehen, links liegt das Nachbarland Argentinien. Woher der Fluss selbst seinen Namen hat, ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt mehrere Interpretationsansätze, vor allem unter Verweis auf die indigenen Sprachen der Region. So könnte die Bezeichnung von "Fluss der bunten Vögel" oder aber von "Schneckenfluss" abgeleitet sein.

Wichtiges Schutzgebiet für Vögel und Amphibien

Das Satellitenbild des Rio Uruguay stammt vom 17. August vergangenen Jahres, wurde aber erst vor wenigen Tagen veröffentlicht. Auffällig ist die starke Braunfärbung des Wassers. Sie geht auf die großen Mengen an Sedimenten zurück, die der Fluss mit sich führt.

Der mehr als 1800 Kilometer lange Strom kommt aus dem brasilianischen Bergland. In der im Bild gezeigten Region spaltet er sich in zahlreiche Arme auf. Hier liegt der Nationalpark Esteros de Farapos e islas de Uruguay mit seinen 24 Inseln, mit Lagunen, Sumpf- und Waldgebieten. Wichtig ist das Schutzgebiet vor allem für Vögel - mehr als hundert Arten von ihnen sollen im Park leben - und Amphibien. Aber auch 30 Säugetierspezies sind dort zu Hause, zum Beispiel der Mähnenwolf.

Die umliegende Region ist stark vom Menschen geprägt, vor allem durch die Landwirtschaft mit ihren hellgrün im Bild erscheinenden Flächen. Als grauer Bereich links unten im Satellitenfoto ist die argentinische Stadt Gualeguaychú zu erkennen, die unter anderem für ihren Karneval bekannt ist.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Auf der anderen Flussseite, am unteren Rand der Aufnahme, liegt die Hafenstadt Fray Bentos in Uruguay. Dort wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts in einer großen Fabrik Fleischextrakt nach einem Verfahren des deutschen Chemikers Justus von Liebig hergestellt und weltweit exportiert. Heute gehören die historischen Anlagen des Betriebs zum Weltkulturerbe der Unesco.

In der Nähe von Fray Bentos liegt auch ein Zellstoffwerk. Sein Holz bezieht es aus den dunkelgrün im Bild erscheinenden Waldgebieten Uruguays. Um das Werk gab es Anfang des Jahrtausends übrigens Streit zwischen Argentinien und Uruguay, mit dem sich sogar der Internationale Gerichtshof in Den Haag befassen musste.

Die Argentinier sahen durch die Aktivitäten des kleineren Nachbarlandes einen Vertrag verletzt, wonach man sich gemeinsam über die Nutzung des Flusses einigen müsse. Sie bezichtigten die Nachbarn, die Fabrik verschmutze den Rio Uruguay unerlaubt.

Die internationalen Richter erkannten in dem Verfahren zwar in der Tat Fehler auf Seiten Uruguays - aber keinen grundsätzlichen Rechtsbruch. Die Fabrik durfte bleiben. Seitdem gibt es allerdings eine gemeinsame Kommission der beiden Länder, die sich um die Belange des Flusses kümmern soll - um weiteren Streit in Zukunft zu verhindern.

chs

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