Zwölf Szenarien für den Weltuntergang Wir werden alle sterben

Wie lange wird es die Menschheit noch geben? Ein internationales Forscherteam hat globale Risiken analysiert, die uns bedrohen. Entstanden ist eine Liste mit zwölf Untergangsszenarien.

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Asteroideneinschlag (Zeichnung): Das Ende kommt bestimmt
Don Davis

Asteroideneinschlag (Zeichnung): Das Ende kommt bestimmt


Unsere Welt wird untergehen - das steht fest. Nur wann genau das geschieht und wie, darüber wird immer wieder debattiert. Den neuesten Beitrag dazu hat nun die Global Challenges Foundation abgeliefert, eine private Stiftung aus Schweden. Demnach ist die Menschheit von zwölf globalen Risiken bedroht.

Die Wissenschaftler der Stiftung haben gemeinsam mit Forschern des Future of Humanity Institute der Oxford University Gefahren analysiert, welche die Menschheit bedrohen. Die Forscher bewerteten dabei die Folgen von Ereignissen und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese tatsächlich eintreten.

Dabei stellten sie fest, dass es Risiken gibt, die sich derzeit mangels Wissen nur schwer bewerten lassen. Nicht zuletzt deshalb gibt es in der Katastrophenliste auch ein Risiko, dass die Forscher als "ungewisse Gefahr" bezeichnen. Die Risiken wurden in vier verschiedene Gruppen kategorisiert:

Wenig bis nichts kann die Menschheit tun gegen äußere Gefahren, wozu auch Ausbrüche von Supervulkanen zählen. In die Atmosphäre geschleuderte Asche könnte das Sonnenlicht verdunkeln und das Klima quasi kollabieren lassen - mit weitreichenden Folgen für Mensch und Tier. Auch Einschläge von Asteroiden fallen in diese Kategorie.

Unter den neu entstehenden Risiken listet die Stiftung auch die Künstliche Intelligenz. Dass Roboter eines Tages die Macht auf der Erde übernehmen, war ja bislang vor allem ein bei Science-Fiction-Autoren beliebter Plot. Doch inzwischen treibt auch Wissenschaftler die Angst vor immer schlaueren, kaum noch durchschaubaren Maschinen um. Der Philosoph Nick Bostrom erklärte jüngst sogar, die Machtübernahme der Maschinen stehe kurz bevor.

Das Ende in zwölf Varianten

Klimawandel: Bei einem Anstieg der Temperaturen um vier Grad oder mehr drohen Dürren, Hunger und soziale Unruhen in besonders stark betroffenen Regionen. Der Klimawandel "könnte globale Konflikte verursachen und womöglich die Menschheit kollabieren lassen", heißt es im Bericht der Global Challenges Foundation.

Atombombentest über dem Bikini Atoll (Archivbild): Auch wenn die Gefahr seit dem Zusammenbruch des Ostblocks gesunken ist, nach wie vor ist ein Atomkrieg nicht ausgeschlossen. Wie schnell sich die Sicherheitslage verändern kann, hat zuletzt auch der Ukraine-Konflikt gezeigt.

Ebola-Opfer in Sierra Leone (Dezember 2014): Eine Pandemie ist nach Einschätzung der Forscher eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Menschheit. Viren beispielsweise verändern sich sehr schnell und könnten sich zu einem globalen Killer entwickeln. Wegen der hohen Mobilität von Menschen in der heutigen Zeit würden sich gefährliche Erreger binnen kurzer Zeit über die gesamte Erde ausbreiten.

Ökologische Katastrophe: Das einst gefürchtete Waldsterben hat zum Glück so nicht stattgefunden. Doch der Mensch greift immer stärker in Ökosysteme ein - Artensterben und das Einschleppen fremder Arten sind die Folge. Wie gut die Menschheit leben könne, wenn das Gleichgewicht der Natur stark gestört sei, müsse man noch genauer untersuchen, schreiben die Forscher.

Globaler Systemzusammenbruch: Wie instabil Finanzmärkte sind, wissen wir nicht erst seit dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Das Foto zeigt hektisches Treiben an der Aktienbörse in Frankfurt am 20.10.1987. Dieser Tag war als als "Schwarzer Montag" in die Finanzgeschichte eingegangen. Weil Unternehmen, Banken, Staaten immer enger miteinander verflochten sind, ist das Risiko eines weltweiten Kollapses nach Einschätzung der Wissenschaftler immer größer geworden.

Asteroideneinschlag (Künstlerische Darstellung): Ein Gesteinsbrocken aus dem All gilt als Klassiker des Weltuntergangs. Er fehlt auch nicht im Bericht der Global Challenges Foundation. Die gefürchtete Bombe aus dem All hat es vor 65 Millionen Jahren schon einmal gegeben. Sie löschte damals zwei Drittel allen Lebens auf der Erde aus und beendete die Ära der Dinosaurier.

Supervulkan (Zeichnung): Wenn ein Berg mehr als tausend Kubikkilometer Material ausstößt, sprechen Geoforscher von einem Supervulkan. Die Asche eines solchen Ausbruchs würde die Atmosphäre verdunkeln und die Temperaturen weltweit drastisch sinken lassen. Den Ausbruch des Toba auf Sumatra vor 70.000 Jahren überlebten nur wenige Tausend unserer Vorfahren. Eine ähnlichen Eruption heute könnte Millionen oder gar Milliarden Menschen bedrohen.

Hochsicherheitslabor in Marburg (Archivbild): Der Killer aus dem Labor ängstigt Wissenschaftler schon länger. Deshalb gilt die Synthetische Biologie auch als große Gefahr für die Erde. Genetisch veränderte Bakterien oder Viren, die durch einen Unfall oder absichtlich freigesetzt werden, wären nicht nur ein Risiko für den Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen.

Nanoröhrchen (Archivbild): Mit Nanotechnologie sei vieles möglich, warnen die Wissenschaftler. Ein Szenario sind sogenannte Nanobots, kleine Maschinen, die Jagd auf alles machen, was lebt. Denkbar sei auch, dass Nanotechnologie die Produktion konventioneller oder neuartiger Waffen erleichtert und dafür benutzt werde, heißt es.

Roboterhund auf der International Tokyo Toy Show 2014: Computer und Roboter dringen immer weiter in den Alltag unserer Gesellschaft ein. "Extreme Intelligenz ist nicht leicht unter Kontrolle zu halten", schreiben die Forscher der Global Challenges Foundation. Daher gelte Künstliche Intelligenz als großes Risiko.

Unbekannte Gefahren: Die Zukunft kann man nicht vorhersagen - und daher ist es auch schwierig, Prognosen über das Ende der Menschheit zu wagen. Denn wer weiß schon, welche neuen, potenziell gefährlichen Technologien künftig noch erfunden werden? Dem sind sich die Autoren des Berichts bewusst und nennen eine der zwölf Gefahren folgerichtig "Unbekannte Folgen".

Von Kämpfen zerstörtes Damaskus im Januar 2015: Man kann es derzeit in Syrien beobachten - aber auch in mehreren Ländern Afrikas. Wo früher eine Staatsmacht agierte, herrschen heute Separatisten, Warlords, religiöse Extremisten. Die öffentliche Ordnung bricht zusammen, das Überleben der Menschen ist nicht mehr gesichtert. Ausdrücklich warnt der Katastrophenbericht auch vor den Gefahren eines globalen Totalitarismus.

Immerhin ist die Menschheit mindestens neun der zwölf Apokalypse-Szenarien nicht hilflos ausgeliefert. Der Klimawandel etwa ließe sich theoretisch ebenso verhindern wie ein Atomkrieg oder die Fabrikation tödlicher Erreger in einem Biolabor.

Abwenden lässt sich der Weltuntergang langfristig natürlich nicht. Das liegt an unserem Zentralgestirn, der Sonne. Sie wird in den kommenden Milliarden Jahren immer heller strahlen und sich langsam zu einem Roten Riesen aufblähen. Durch die Hitze verdampft sämtliches Wasser auf der Erde - spätestens in drei Milliarden Jahren wird wohl kein Leben mehr möglich sein.



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