Roboter Fliegende Spielzeug-Spione

Studenten und junge Wissenschaftler sind wertvolle Ideenquellen für Industrie und Militärs - weil sie sich leicht mit Preisgeld anspornen lassen. In den USA messen sich seit 16 Jahren Bastler mit ihren Flugrobotern.


Einige der zierlichen Flugzeuge erinnerten an die einmotorigen Modelflieger von Amateuren, doch sie steckten voller Computerspielzeug von Videokameras bis hin zu Satelliten-Ortungssystemen. Auch Minihelikopter waren vertreten. Das Fluggerät wiederum, das Studenten des College of Engineering in Neu-Delhi mitgebracht hatten, sah aus wie ein gelbes Luftkissenboot.

Sie alle waren so programmiert, dass sie eine Aufgabe ohne fremde Hilfe oder Fernsteuerung erfüllen konnten. Bereits serienreife militärische Drohnen wie "Predator" und "Global Hawk" müssen dagegen von Soldaten am Boden ferngesteuert werden.

Jedes Jahr messen sich Studenten aus aller Welt bei der " International Aerial Robotics Competition", die derzeit auf dem Stützpunkt Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia ausgetragen wird. Es ist eine wertvolle Ideenbörse für die Militärs. Ein ähnlicher Gedanke liegt auch der Darpa Challenge zugrunde, bei der die Forschungsabteilung des US-Verteidigungsministeriums Roboterautos ziviler Tüftler durch die Wüste donnern lässt. Auch der kürzlich ausgetragene Elrob-Wettbewerb der Bundeswehr versucht, den Erfindergeist von Amateuren, Studenten und kleinen Firmen nutzbar zu machen.

Die Veranstalter sprechen davon, dass künftige autonome Flugroboter auch Waldbrände aufspüren, Umweltmessungen durchführen oder Opfer von Naturkatastrophen aufspüren könnten. Aber Polizei- und Militäranwendungen gelten dennoch als plausibelste Szenarien für eine Technologietransfer.

Eines Tages könnten die Flugroboter klein genug sein, um sie in einem Streifenwagen zu transportieren. So könnten Polizeibeamte etwa bei Geiselnahmen Gebäude auskundschaften, sagte Robert Michelson. Der Pensionär war Professor für Ingenieurwissenschaften am Georgia Institute of Technology und organisiert nun das studentische Roboterwettfliegen. Insgesamt rund 400.000 US-Dollar gewannen unterschiedliche Teams während der letzten 16 Jahre an Preisgeldern. Allein dieses Jahr waren 60.000 Dollar ausgelobt. "Wenn wir solche Geräte industriell entwickeln ließen, würde das Millionen kosten", sagte Michelson.

Als Aufgabe wartete eine Aufklärungsmission auf die autonomen Flieger: Sie mussten ein zwei Kilometer entferntes Dorf finden, dort ein bestimmtes Haus identifizieren, von dessen Innerem Fotos schießen und zurück zum Startpunkt fliegen. "Eine komplexe Mission", sagte Michelson, "die Studenten versuchen die Maschinen daher so zu programmieren, dass sie wie Menschen entscheiden können."

Allerdings erlitten etliche Bastler-Teams Rückschläge: Die Teilnehmer aus Indien konnten ihr beim Transport beschädigtes Fluggerät einfach nicht flott kriegen. Ein Roboterhelikopter der South Dakota School of Mines and Technology stürzte ab. Dem futuristisch aussehenden, viermotorigen Roboterflieger der University of Florida in Orlando setzte die Vibration der eigenen Rotoren stark zu. Die Studenten mussten das glänzende Aluminiumgehäuse mit schwarzem Isolierband verstärken. So bekämen die jungen Drohnen-Ingenieure wenigstens eine Dosis "Tüftelei aus der echten Welt" mit, kommentierte Michelson.

stx/AP



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