Antikes Lager: Erstmals Römer-Spuren in Mitteldeutschland entdeckt

Archäologie: Römer in Thüringen Fotos
DPA

Am Kyffhäuser in Thüringen haben Archäologen die Spuren eines Römerlagers gefunden. Es soll aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert stammen. Damit wäre es der erste Nachweis für römische Truppen in der Region.

Immer wieder stoßen Archäologen in Deutschland auf Spuren römischer Präsenz vor rund 2000 Jahren - allerdings vor allem im Süden und Westen des Landes. Jetzt aber sind Wissenschaftler an ungewöhnlicher Stelle fündig geworden: In Thüringen wollen sie den ersten archäologischen Nachweis für den Aufenthalt römischer Truppen in Mitteldeutschland gefunden haben. Er zeugt von einer Dienstreise ins finstere Germanien.

Bei dem Dorf Hachelbich im Kyffhäuserkreis habe man ein römisches Marschlager aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt, teilte das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit. Die Anlage weise alle Merkmale auf, die im antiken Schrifttum und in bisherigen Beschreibungen von Archäologen vorkommen. Funde wie Buntmetallgegenstände und eiserne Schuhnägel wiesen ebenfalls auf römische Soldaten hin.

Neben für die Römerlager typischen Spitzgräben im Süden und Osten der Anlage konnten die Archäologen auch acht Backöfen mit Arbeitsgruben freilegen. Im Nordosten befindet sich den Angaben zufolge eine Eingangskonstruktion. Sollte sich die Anlage im Norden und Westen in ähnlicher Weise fortsetzen, liege ein unregelmäßiges Viereck mit einem umschlossenen Raum von etwa 18 Hektar vor.

Nach der Varusschlacht nur noch einzelne Feldzüge

Feldlager dieser Art seien innerhalb weniger Stunden errichtet worden und hätten den Truppen auf Feldzügen zur Unterbringung gedient, bisweilen seien sie nur für eine Nacht angelegt worden.

Roms Herrschaft in Teilen des heutigen Deutschland begann unter Julius Cäsar. In der Zeit zwischen 58 bis 51 vor Christus eroberten seine Legionen Gallien einschließlich der Gebiete westlich des Rheins, wo die Römer befreundete germanische Stämme ansiedelten. Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich.

Das bisher älteste Römerlager auf deutschem Boden wurde 2012 bei Hermeskeil in Rheinland-Pfalz gefunden. Es soll am Ende des Gallischen Krieges - 53 oder 51 vor Christus - von den Truppen Julius Cäsars errichtet worden sein. Die 26 bis 30 Hektar große Anlage mit Befestigungswall soll damals Platz für 5000 bis 10.000 Soldaten geboten haben. Experten gehen davon aus, dass die Militärs gegen Kelten am nahe gelegenen Hunnenring vorgehen sollten.

Unter Kaiser Augustus (63 vor Christus - 14 nach Christus) unterwarfen die Römer in mehreren Feldzügen die Germanenstämme bis zur Elbe. Die Gebiete ließen sich jedoch nicht lange halten. In der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus lockten germanische Kämpfer drei römische Legionen mit 25.000 Soldaten wahrscheinlich bei Kalkriese nahe Osnabrück in einen Hinterhalt.

Rom begnügte sich fortan mit den linksrheinischen Gebieten und dem heutigen Süddeutschland - und drang nur noch für einzelne Feldzüge in die Stammesgebiete ein, ohne sie dauerhaft zu besetzen. Aus dieser Zeit dürften auch die nun präsentierten Spuren in Thüringen stammen. Da der genaue Zeitraum der Errichtung des Lagers bei Hachelbich noch nicht klar sei, so die Archäologen, könne das Lager bisher noch keinem bekannten Feldzug zugeordnet werden.

chs/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nicht überraschend
Benutzernameoptional 09.05.2014
Dass die Römer ins finstere Germanien Truppen-Ausflüge gemacht haben, ist bekannt und wahrscheinlich. Die Frage ist, ob sie es aus dem dunklen Wald wieder nach Hause geschafft haben...
2. Südwestdeutschland
Layer_8 09.05.2014
Zitat von sysopDPAAm Kyffhäuser in Thüringen haben Archäologen die Spuren eines Römerlagers gefunden. Es soll aus der Zeit zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert stammen. Damit wäre es der erste Nachweis für römische Truppen in der Region. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/roemerlager-in-thueringen-archaeologen-finden-spuren-am-kyffhaeuser-a-968565.html
"Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich." 500 Jahre. Ein halbes Jahrtausend. Und da ist auch heute noch irgendwie eine kulturelle Grenze gezogen. Leider wird Deutschland noch heute oft mit dem alten Preußen assoziiert, obwohl diese Gegenden eher dem romanischen (!) Kulturkreis zuzurechnen sind. Ob es den Norddeutschen gefällt oder nicht, genau das ist unsere Abgrenzung. Früher oft belächelt, heute (wieder) oft beneidet. Wir können alles, außer hochdeutsch. Gruß aus Baden :-)
3. Gedankenspiel
rdiess 09.05.2014
Ich ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, was Europa erspart geblieben wäre, hätte Varus sich nicht dermaßen vom Verräter Arminius übertölpeln lassen. Der Fund in Thüringen wird nicht der letzte seiner Art sein. Auch die Akteure der Schlacht am Harzhorn, die noch ausgegraben wird, müssen Dutzende Marschlager angelegt haben.
4. Auf dem Weg zum Harzhorn?
ali.wie.brecht 09.05.2014
Da die Datierung des Lagerd noch sehr ungenau ist (1. -3. Jahrhundert) waren es vielleicht die Truppen, die später am Harzhorn (3. Jahrhundert) gekämpft haben. Sie sollen von Südwesten kommend, um den Harz bis an die Elbe gezogen sein.
5.
joachim_m. 10.05.2014
Zitat von Layer_8"Der Südwesten des heutigen Deutschlands gehörte daraufhin fast 500 Jahre lang zum römischen Reich." 500 Jahre. Ein halbes Jahrtausend. Und da ist auch heute noch irgendwie eine kulturelle Grenze gezogen. Leider wird Deutschland noch heute oft mit dem alten Preußen assoziiert, obwohl diese Gegenden eher dem romanischen (!) Kulturkreis zuzurechnen sind. Ob es den Norddeutschen gefällt oder nicht, genau das ist unsere Abgrenzung. Früher oft belächelt, heute (wieder) oft beneidet. Wir können alles, außer hochdeutsch. Gruß aus Baden :-)
Das ist richtig, aber die Mutter der wichtigsten aller Weltsprachen heißt trotzdem Plattdüütsch, schließlich ist Englisch nichts anderes als einer der Dialekte des Niedersächsischen, der sich wie Küstenplatt und Westfälisch aus dem Altniederdeutsch, wie die ältere Sprachform ganz wissenschaftlich in Hochdeutsch (Plattdüütsch: Oldnedderdütsch) heißt, entwickelt hat, nur im Gegensatz zu den anderen gespickt mit vielen französischen Fremdworten; das kommt davon, wenn man sich nachhaltig durch Normannen, Wikinger, erobern lässt, die inzwischen auch kein Altnordisch mehr konnten und deshalb französisch sprachen. Was Norddeutschland insgesamt mit Preußen zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz, teilweise waren die Norddeutschen zwar Beutepreußen, aber nicht alle, sondern, wie gesagt, nur teilweise. Aber eines steht auf jeden Fall fest: Wir haben damals im Gegensatz zu denen im romanischen Kulturkreis, wie Sie es so nett nennen, nicht einen Krieg verloren und sind deshalb Beuterömer geworden; und die Menschen im Südwesten sind auch nicht nur teilweise Beuterömer geworden, sondern alle! Und noch einen drauf: Befreit vom Römerjoch haben euch Kelten die Germanen, die nicht erobert worden sind! Und ja, ihr seit ursprünglich Kelten, so wie die Franzosen und Iren, keine Germanen; die kamen erst später und ihre Anzahl war zu gering, um romanisierten Kelten genetisch zu echte Germanen zu machen oder auch nur dafür zu sorgen, dass sie alle richtig Deutsch lernt, deshalb die Sprachprobleme, die - nach dem eigenen Bekenntnis - bis heute andauern ;) Übrigens, wären nicht die germanischen Befreier aus Norddeutschland gekommen, wärt ihr im Südwesten und Süden noch heute Italiener und euer Ministerpräsident hieße Berlusconi ... also etwas mehr Dankbarkeit an Norddeutschland ;), auch wenn die Befreiung nicht ganz dazu geführt hat, dass die alte romanische Tradition der Steuerhinterziehung geendet hat; Fälle wie Berlusconi gibt es ja auch in Bayern und die Schweizer, ein Teilstamm der Alemannen, welcher auch Baden-Württemberg besiedelt, haben ja aus der Beihilfe zur Steuerhinterziehung sogar einen Beruf gemacht, den sie Bänker nennen. Mit veelen Grötens vun de Waterkant, wo dat Engelsch un dat richtige Düütsch, Plattdüütsch, to Hus is un nich dat Baverdüütsch in de Form vun de Hoogdüütsch, datt hier ok keener kann, datt könen blot Professers. Översetten: Mit vielen Grüßen von der Küste, wo das Englisch und das richtige Deutsch, Plattdeutsch, zu Hause ist und nicht das Oberdeutsch in der Form des Hochdeutschen, das hier auch keiner kann, das können nur Professoren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Archäologie
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 16 Kommentare
Fotostrecke
Germanen gegen Römer: Aufstand gegen das mächtige Reich