Rom Kaiser Neros rotierender Speisesaal entdeckt

Nero war für seine rauschenden Partys berühmt. Jetzt glauben Archäologen, den Raum gefunden zu haben, in dem der Kaiser seine Feste feierte. Die Konstruktion legt nahe, dass fließendes Wasser ihn einst rotieren ließ.

Entdeckung in Rom: Forscher stehen vor der mächtigen Säule, die sich unter Neros Speisesaal befindet
dpa

Entdeckung in Rom: Forscher stehen vor der mächtigen Säule, die sich unter Neros Speisesaal befindet


Rom - Ein Archäologenteam in Rom hat wahrscheinlich Kaiser Neros Speisesaal wiederentdeckt. Die Experten fanden auf dem Palatin-Hügel bei Ausgrabungen in der Domus Aurea, dem Goldenen Haus, wie der Palast des römischen Kaisers genannt wurde, einen kreisrunden Saal.

Wie die Archäologie-Beauftragten der Stadt berichteten, könnte es sich bei der Entdeckung um den sagenhaften Speisesaal des berühmt-berüchtigten Kaisers handeln, der sich - die Erdbewegung nachahmend - Tag und Nacht um sich selbst drehte. Das Spektakel sollte laut Berichten des zeitgenössischen Geschichtsschreibers Sueton die Gäste des Kaisers beeindrucken. Demnach soll es dort auch Elfenbeinplatten in der Decke gegeben haben, die sich öffneten, um Blumen und Parfum auf die Gäste regnen zu lassen.

"Der Raum ist einmalig in der gesamten römischen Architektur", erklärte Grabungsleiterin Françoise Villedieu am Dienstag bei der Präsentation der Entdeckung. Der städtische Sonderbeauftragte für die Ausgrabungsstätten in Rom und Ostia Antica, Roberto Cecchi, kündigte unterdessen die Zuwendung von weiteren 200.000 Euro an, um das kunstvolle Speisezimmer so schnell wie möglich freizulegen.

Der Saal hat einen Durchmesser von 16 Metern und ruht auf einer vier Meter großen Säule. Er soll mit fließendem Wasser über vier Dreheinrichtungen in Rotation versetzt worden sein. Auf den Raum waren die Archäologen bei Instandhaltungsarbeiten der fragilen Gemäuer auf dem Palatin-Hügel gestoßen.

Nero hatte seine Kaiservilla Domus Aurea nach einem Brand auf der Asche Roms in den Jahren 64 bis 68 errichten lassen. Er lebte allerdings nur etwa fünf Monate in der mit Gold, Edelsteinen und Elfenbein überzogenen Prachtanlage, ehe er mit 31 Jahren Selbstmord beging. Der Palast war erst im Januar 2007 wiedereröffnet worden. Seitdem können Touristen in Sonderführungen nicht nur die freigelegten Teile des Goldenen Hauses besichtigen, sondern auch bei den ständig weitergehenden Ausgrabungen zuschauen.

hda/dpa/AP



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