Rosalind Franklin Tragische Entdeckerin

Ihre Forschung trug entscheidend dazu bei, die Struktur des Erbguts zu entschlüsseln. Doch den für die Entdeckung vergebenen Nobelpreis erhielt Rosalind Franklin nicht - weil sie viel zu früh starb.

Rosalind Franklin (Archivbild): Entscheidendes Indiz auf Foto 51
ddp images/ United Archives

Rosalind Franklin (Archivbild): Entscheidendes Indiz auf Foto 51


Die strenge Regel steht schon in Paragraf vier: Die Statuten der schwedischen Nobelstiftung verbieten, dass der weltberühmte Preis an bereits verstorbene Forscher verliehen wird - außer die betreffende Person scheidet erst kurz vor der geplanten Verleihung aus dem Leben. Und genau wegen dieser Bestimmung ist Rosalind Elsie Franklin der ultimative wissenschaftliche Ruhm verwehrt geblieben.

Die Biochemikerin, sie wäre am Donnerstag 93 Jahre alt geworden, worauf Google mit einem Doodle hinweist, hatte entscheidende Vorarbeiten für die Entdeckung der DNA-Struktur geleistet. Ausgezeichnet wurden dafür im Jahr 1962 aber nur James Watson, Francis Crick und Franklins Kollege Maurice Wilkins. Sie erwähnten die gut vier Jahre zuvor an Eierstockkrebs verstorbene Forscherkollegin in ihren Dankesreden mit keinem Wort.

Dabei hatten Crick und Watson in ihrem legendären Einseiter "Molecular Structure of Nucleic Acids" zumindest am Ende kurz auf die Rolle von Franklin hingewiesen. Sie war mit Hilfe des Verfahrens der Röntgenbeugung darauf gekommen, dass das Erbgut tatsächlich in Form einer Helix aufgebaut ist, bei der die Zucker- und Phosphatanteile außen und die Basen innen liegen. Entscheidendes Indiz war das sogenannte Foto 51. Das Bild - Wilkins hatte es ohne Franklins Zustimmung an Crick und Watson weitergegeben - war ein klarer Beweis für die zuvor postulierte Struktur.

Kampf gegen Vorurteile

Franklin entstammte einer wohlhabenden Familie - und musste sich schon im Studium am Newnham-College der Universität Cambridge mit den zu dieser Zeit noch massiv bestehenden Vorurteilen gegen Frauen in den Wissenschaften herumschlagen. Sie untersuchte an der British Coal Utilisation Research Association die Struktur von Kohle, im Krieg ein wichtiges Forschungsgebiet. Nach dem Krieg arbeitete sie dann am Laboratoire Central des Services Chimiques de L'Etat in Paris an Kohlenstoffen.

Anschließend kehrte Franklin in ihre britische Heimat zurück - und machte während ihrer Arbeit am King's College in London wieder frustrierende Erfahrungen mit ihren männlichen Kollegen. So behandelte Maurice Wilkins seine Kollegin zunächst wie eine Assistentin - bevor diese sich wehrte. Dadurch war jedoch das Verhältnis zwischen beiden vergiftet. Franklin wechselte später ans Birkbeck College in London, wo sie sich - frustriert vom Streit um die DNA-Entdeckung - mit dem Tabakmosaikvirus befasste.

Dass Franklin nie den Nobelpreis bekommen hat, war aber kein Ergebnis einer Männerverschwörung - sondern ihres frühen Todes: Die Entschlüsselung des DNA-Bauplans wurde ab 1960 von Wissenschaftlern für den Nobelpreis vorgeschlagen, zuerst vom britischen Mediziner Michael Stoker. Doch selbst diese Ehrung hätte Rosalind Franklin schon nicht mehr erhalten können. Nach der Diagnose ihrer Erkrankung im Herbst 1956 hatte sie nur noch gut anderthalb Jahre - bis sie im Alter von 37 Jahren starb.

chs



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io_gbg 25.07.2013
1.
Zitat von sysopddp images/ United ArchivesIhre Forschung trug entscheidend dazu bei, die Struktur des Erbguts zu entschlüsseln. Doch den für die Entdeckung vergebenen Nobelpreis erhielt Rosalind Franklin nicht - weil sie viel zu früh starb. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/rosalind-franklin-mit-entdeckerin-der-dna-bekam-keinen-nobelpreis-a-913066.html
Nicht ohne Ähnlichkeit zur Astronomin Henrietta Swan Leavitt, an deren Nomination zum Nobelpreis man 1926 dachte, die aber bereits 1921 verstorben war: Henrietta Swan Leavitt - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Henrietta_Swan_Leavitt#Awards_and_honors) (s. unter "Awards and honors")
zwonko 25.07.2013
2. Nicht Franklin, Erwin Chargaff entdeckte die Doppelhelix
Es mag in Zeiten aggressiver Frauenquotierung in Mode sein, das weibliche Geschlecht in den Himmel zu heben, indes, in diesem Ihrem Bericht irren Sie grundlegend. Erster und fundamentaler Entdecker der Doppelhelixstruktur der DNS war der Chemiker und international anerkannte Literaturkritiker Erwin Chargaff (1905 - 2002) an der Columbia University, N. Y. Ich könnte jetzt eine ganze Kette von Belegen aus den im Klett-Cotta-Verlag erschienenen großartigen(!) Büchern von Chargaff anführen, begnüge mich stattdessen mit einem Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Sa., d. 10. August 1991, Nummer 184, überschrieben mit: "Wie alles Entstandene stirbt auch die Welt. Von Czernowitz nach New York, vom Zellkern zur Literatur: Erwin Chargaff" von Matthias Rüb: "Um die Jahreswende 1948/49 macht Chargaff die wohl wichtigste wissenschaftliche Entdeckung seines Lebens: die der Komplementarität der Basen Adenin und Guanin sowie Cytosin und Thymin in der Erbsubstanz des Zellkerns. Ende Mai 1952 trifft er in Cambridge mit seinen Kollegen James Dewey Watson und Francis Crick zusammen. In einem langen Gespräch sagt er ihnen freimütig alles, was er in zahllosen Experimenten über die Basenkomplementarität in der DNS herausgefunden hatte. Ein Jahr später veröffentlichten Watson und Crick ihre erste Arbeit über die Doppelhelixstruktur der DNS, ein Meilenstein auf dem Wege zur Entdeckung der "Grammatik der Vererbung"; 1962 wird ihr berühmtes Watson-Crick-Modell der DNS mit dem Nobelpreis ausgezeichnet." Im übrigen waren die von Chargaff entdeckten Regeln schon lange vor dem Gespräch mit Watson/Crick in einer Schweizer Zeitschrift erschienen, wo sie keinerlei Aufsehen erregt hatten. Quelle: Joachim Riedl und Konrad R. Müller (Photos): "Der Meister spricht, der Himmel schweigt", Süddeutsche Zeitung Magazin S. 28ff, leider ohne Datumsangabe auf allen mir vorliegenden Originalseiten. Frau Franklin hingegen hatte die Doppelhelix bei ihrem ersten produzierten Röntgenbild im Jahr 1951 nicht einmal erkannt. Chargaff selbst hat Watsons und Cricks "Verrat" seiner Entdeckungen nie verwunden, schied vorzeitig aus dem Wissenschaftapparat auf und wurde zu einem der schärfsten Kritiker der modernen Naturwissenschaften. Nur ein Beispiel: "Ich habe den biologischen Brandstiftern das Zündholz gegeben." Chargaffs Gesamtwerk bei Klett-Cotta ist ein Feuerwerk der Rhetorik voll sprühenden Geistes und fundamentalen Wissens. Nicht umsonst wurde Chargaff einmal, ich glaube, im FAZ-Feuilleton, als "der letzte Kosmopolit der Erde" bezeichnet.
cassandros 25.07.2013
3. Der "Entdecker", der nichts entdeckte
Zitat von zwonkoEs mag in Zeiten aggressiver Frauenquotierung in Mode sein, das weibliche Geschlecht in den Himmel zu heben, indes, in diesem Ihrem Bericht irren Sie grundlegend. Erster und fundamentaler Entdecker der Doppelhelixstruktur der DNS war der Chemiker und international anerkannte Literaturkritiker Erwin Chargaff (1905 - 2002) an der Columbia University, N. Y. Ich könnte jetzt eine ganze Kette von Belegen aus den im Klett-Cotta-Verlag erschienenen großartigen(!) Büchern von Chargaff anführen, begnüge mich stattdessen mit einem Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Sa., d. 10. August 1991, Nummer 184, überschrieben mit: "Wie alles Entstandene stirbt auch die Welt. Von Czernowitz nach New York, vom Zellkern zur Literatur: Erwin Chargaff" von Matthias Rüb: "Um die Jahreswende 1948/49 macht Chargaff die wohl wichtigste wissenschaftliche Entdeckung seines Lebens: die der Komplementarität der Basen Adenin und Guanin sowie Cytosin und Thymin in der Erbsubstanz des Zellkerns. Ende Mai 1952 trifft er in Cambridge mit seinen Kollegen James Dewey Watson und Francis Crick zusammen. In einem langen Gespräch sagt er ihnen freimütig alles, was er in zahllosen Experimenten über die Basenkomplementarität in der DNS herausgefunden hatte. Ein Jahr später veröffentlichten Watson und Crick ihre erste Arbeit über die Doppelhelixstruktur der DNS, ein Meilenstein auf dem Wege zur Entdeckung der "Grammatik der Vererbung"; 1962 wird ihr berühmtes Watson-Crick-Modell der DNS mit dem Nobelpreis ausgezeichnet." Im übrigen waren die von Chargaff entdeckten Regeln schon lange vor dem Gespräch mit Watson/Crick in einer Schweizer Zeitschrift erschienen, wo sie keinerlei Aufsehen erregt hatten. Quelle: Joachim Riedl und Konrad R. Müller (Photos): "Der Meister spricht, der Himmel schweigt", Süddeutsche Zeitung Magazin S. 28ff, leider ohne Datumsangabe auf allen mir vorliegenden Originalseiten. Frau Franklin hingegen hatte die Doppelhelix bei ihrem ersten produzierten Röntgenbild im Jahr 1951 nicht einmal erkannt. Chargaff selbst hat Watsons und Cricks "Verrat" seiner Entdeckungen nie verwunden, schied vorzeitig aus dem Wissenschaftapparat auf und wurde zu einem der schärfsten Kritiker der modernen Naturwissenschaften. Nur ein Beispiel: "Ich habe den biologischen Brandstiftern das Zündholz gegeben." Chargaffs Gesamtwerk bei Klett-Cotta ist ein Feuerwerk der Rhetorik voll sprühenden Geistes und fundamentalen Wissens. Nicht umsonst wurde Chargaff einmal, ich glaube, im FAZ-Feuilleton, als "der letzte Kosmopolit der Erde" bezeichnet.
Nein, tat er nicht. Chargaff hat mit der Doppelhelixstruktur nichts zu tun gehabt. Er hätte gern, hatte aber nicht. Chargaff hat die stöchiometrische Äquimolarität der Purin- und der Pyrimidinnucleotide ermittelt. Auf die Komplementarität antiparalleler Nucleotidstränge ist er nicht gekommen! Es sind bloß peinliche Giftspritzereien eines vergrätzten alten Mannes.
nilaterne 25.07.2013
4. Was hat das mit aggressiver Frauenquotierung zu tun?
Lieber Zwonko Ich finde es langsam entsetzlich langweilig, dass Männer glauben mit solchen Tiefschägen sich nach vorne zu drücken. Ich sehe sehr wohl, dass Männer sich neu in ihrer Rolle finden müssen, jedoch Emanzipation steht Männern ebenso gut wie uns und das müssen diese schon selbst zu wege bringen, wir Frauen mußten das auch selbst und das seit ca 200 Jahren! bewerkstelligen. Wenn Sie das als aggresiv empfinden, bitte, aber wir können für ihr Gefühl nichts! Und das hier klipp und klar eine Frau dabei war, wie bei etlichen bahnbrechenden Entdeckungen und Erfindungen, das ist eben so. Kann Mann auch mal aushalten, gelle?
Newspeak 25.07.2013
5. ...
Rosalind Franklin hat die DNA-Struktur aber nicht entdeckt. Sie war nah dran, aber sie hatte nicht die Kreativität und den Mut von ihren sehr guten Daten zu abstrahieren und ein naheliegendes Modell vorzuschlagen und öffentlich zu vertreten. Das schmälert nicht ihre ansonsten hervorragende wissenschaftliche Arbeit. Aber Watson und Crick hatten eben den Mut, die Struktur zu postulieren...und wären übrigens in der wissenschaftlichen Versenkung verschwunden, wenn der Strukturvorschlag sich als falsch erwiesen hätte.
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