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Säbelrasseln: Russland testet Interkontinental-Rakete

Verschärfung im Gerangel um die geplante US-Raketenabwehr. Am Dienstag hat die russische Marine eine Atomrakete neuen Typs abgefeuert. Das Hightech-Modell soll in der Lage sein, den geplanten Schutzschild der Amerikaner zu unterfliegen.

Moskau - Es war bereits der zweite Test einer russischen Interkontinentalrakete innerhalb einer Woche. Der Flugkörper sei heute in der Barentssee von dem Atom-U-Boot "Tula" abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Wenige Minuten später sei der Sprengkopf wie vorgesehen im Zielgebiet, dem Tura-Testgelände auf der Halbinsel Kamtschatka eingeschlagen.

Atomraketenabschuss von einem getauchten U-Boot: Russland will den geplanten Raketenabwehrschild der USA mit neuen Hightech-Geschossen unterfliegen
AP

Atomraketenabschuss von einem getauchten U-Boot: Russland will den geplanten Raketenabwehrschild der USA mit neuen Hightech-Geschossen unterfliegen

Bei dem Geschoss handelte es sich den Angaben zufolge um eine Rakete vom Typ RSM-54, die auch unter dem Namen "Sinewa" bekannt ist. Die Rakete verwandelt sich in der Schlussphase ihres Fluges in einen tief fliegenden Marschflugkörper und soll von gegnerischen Abwehrsystemen nicht erfasst werden können. Mithilfe dieser neuen Technik könne sein Land auf absehbare Zeit alle Raketenabwehrsysteme umgehen, hatte ein russischer General nach dem erfolgreichen Abschluss des Tests gesagt.

Mit den Raketentests macht Russland Front gegen Pläne der USA in Polen und Tschechien Teile eines Raketenabwehrsystems zu stationieren. Die USA wollen damit nach eigenem Bekunden Angriffe aus sogenannten Schurkenstaaten abwehren. Russland hingegen sieht in dem Abwehrsystem eine Bedrohung seiner Sicherheit, fürchtet um das Abschreckungspotential seiner Atomraketen.

Der Aufbau der geplanten Radaranlagen sei "eine Aktion, die das russische atomare Abschreckungspotenzial eindämmen soll", sagte Außenamtssprecher Michail Kamynin am Montag in Moskau. Russland bliebe nichts anderes übrig, als "Antwortmaßnahmen zu ergreifen, die eine verstärkte US-Raketenabwehr ausgleichen sollen." Der Kommandeur der Strategischen Streitkräfte, General Nikolai Solowzow, hatte vor einer Woche nicht ausgeschlossen, dass das geplante Abwehrsystem als Ziel für russische Interkontinentalraketen ausgewählt werden könne.

Insgesamt kann ein Atom-U-Boot wie die "Tula" 16 "Sinewa"-Raketen an Bord nehmen. Jede davon trägt bis zu zehn Gefechtsköpfe mit einer Sprengkraft von je 200 Kilotonnen. Zudem sei die in Krasnojarsk gefertigte RSM-54 besonders gut gegen elektromagnetische Impulse geschützt. Solche Impulse werden von Atomexplosionen erzeugt und können elektronische Geräte stark beschädigen oder gar ganz lahmlegen.

mak/Reuters/AP

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