Sahara Der Mensch folgte dem Regen

In der Ostsahara zog der Steinzeitmensch dem Monsum hinterher, der eine Savanne sprießen ließ. Forscher haben nun die Siedlungsbewegungen rekonstruiert. Nach einem weiteren Klimawandel zogen die Menschen demnach ins Niltal - just zum Aufblühen der Pharaonen-Kultur.


Die Schatten an der Wand scheinen in der Luft zu schweben - oder zu plantschen. Atmosphärisch schimmert Wasser in der "Höhle der Schwimmer" mitten in der südwestägyptischen Sahara. So haben es Millionen Kinobesucher im Film "Der Englische Patient" gesehen. Für Forscher sind die Felsmalereien bei Gilf Kebir ein Zeugnis davon, dass dort, wo sich heute endlose Wüste erstreckt, in der Steinzeit drastisch andere Klimabedingungen geherrscht haben.

Nun haben deutsche Wissenschaftler anhand archäologischer Funde die Wanderungen der Vorzeitmenschen in diesem Gebiet nachgezeichnet. Stefan Kröpelin und Rudolph Kuper von der Universität Köln kombinierten die Datierungen von fast 500 Fundstücken von rund 150 Grabungsorten und konnten damit zeigen, wie die Siedler in der Zeit vor rund 10.500 bis 5500 Jahren den Niederschlägen folgten.

Vor rund 8500 Jahren vor unserer Zeitrechnung brachte ein Klimaumschwung plötzlich Monsunregen in das Gebiet der heutigen Ostsahara. Auch damals war es von Wüste bedeckt. Doch die Zone der tropischen Regenfälle verlagerte sich um 800 Kilometer nach Norden, und das Land verwandelte sich in eine fruchtbare Savanne. Menschen aus dem Süden folgten als Jäger und Sammler den Wildherden, die das Grasland bevölkerten. Aus dem heute so fruchtbaren Niltal machte der Regen hingegen eine unbewohnbare Sumpflandschaft.

Dürre trieb Menschen ins Niltal der Pharaonen

Die Rekonstruktion in der Online-Vorabveröffentlichung des Wissenschaftsmagazins "Science" illustriert, wie menschliche Siedlungen mit der Veränderung der Regenmenge aufgeblüht sind oder wegen Dürre aufgegeben wurden. Die Genauigkeit, mit der die deutschen Forscher die Besiedlungsdichte darstellen können, ist einzigartig.

In der Zeit von 7000 bis etwa 5300 vor Christus gab es einen weiteren, grundlegenden Wandel in der Region, schließen die Kölner Forscher aus ihren Daten: Schafe und Ziegen wurden aus Asien eingeführt. Die einstigen Jäger und Sammler lebten fortan als Hirten.

Als in den folgenden Jahrtausenden der Regen aber immer häufiger ausblieb, wurden große Teile des Landes von Norden her wieder zur unbewohnbaren Wüste. Vor diesem sich ausbreitenden Ödland zogen sich viele Menschen ins fruchtbare - und wieder weniger sumpfige - Niltal zurück. Der Klimawandel sei daher eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung der Kultur der Pharaonen gewesen, schreiben die Wissenschaftler.

stx/ddp/dpa



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