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Schiffswrack "San José" vor Kolumbien: Milliardenschatz, Milliardenstreit

REUTERS/ Colombian Ministry of Culture

An Bord sollen sich elf Millionen Goldmünzen und fast 200 Tonnen Smaragde befinden: Bei der Bergung des Schatzschiffes "San José" geht es um Milliarden. Jetzt erhebt das private Archäologie-Unternehmen SSA Anspruch auf einen Teil der Ladung.

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Die Entdeckung des Wracks im Karibischen Meer könnte Kolumbien viel Geld bringen. Wohl auch deshalb hat sich Juan Manuel Santos, der Staatspräsident der lateinamerikanischen Nation, am Sonntag höchstpersönlich in der Hafenstadt Cartagena zu Wort gemeldet und verkündet: "307 Jahre nach ihrem Untergang haben wir die Galeone 'San José' gefunden."

An Bord des am 8. Juni 1708 vor den Islas del Rosario gesunkenen Schiffes vermuten Archäologen elf Millionen Goldmünzen und fast 200 Tonnen Smaragde. Die Schätzungen über den Wert des gesunkenen Schatzes reichen von einer halben Milliarde bis zu 17 Milliarden US-Dollar - das entspricht 460 Millionen bis 16 Milliarden Euro.

Von diesem Geld beansprucht das private Archäologieunternehmen Sea Search Armada (SSA) nun einen Anteil - es droht ein neuer Streit mit der Firma, die den Fundort bereits in den Achtzigerjahren als Erste geortet haben will und sich nun erstmals seit 2012 wieder öffentlich äußert.

SSA verlange die Hälfte des Gewinns, sagte deren Anwalt Danilo Denis dem kolumbianischen Sender RCN. Er berief sich auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes Kolumbiens aus dem Jahre 2007, wonach der Teil des Schatzes, der nicht zum kolumbianischen Kulturerbe zähle, mit dem US-Unternehmen zu teilen sei. Es sei unvermeidlich, dass die Regierung des südamerikanischen Landes sich mit SSA arrangiere, ergänzte der Jurist. Er räumte aber auch ein: "Wenn sich herausstellt, dass dies nicht die Stelle ist, an der wir das Wrack entdeckt haben, werden wir von allen Forderungen abrücken."

Um den Schatz streiten sich das US-Unternehmen und Kolumbien schon länger. Es ist bereits zu Gesetzesänderungen gekommen, zudem wurden eine ganze Reihe von Urteilen gefällt. Im Oktober 2011 wies ein US-Gericht schließlich alle Ansprüche von Sea Search Armada als unbegründet zurück. Dennoch ist nun ein weiteres juristisches Tauziehen zu befürchten.

Schon häufiger hatte es Rechtsstreits zwischen Schatzsucherunternehmen und Staaten gegeben: 2011 unterlag das US-Unternehmen Odyssey Marine Exploration vor einem US-Gericht im Streit um einen Goldschatz, der Spanien zugesprochen wurde.

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Goldschatz von Schiffswrack: Zoff unter Wasser
Staatsbesitz von Spanien?

Nach Ansicht von Experten ist es aber fraglich, ob der Schatz der "San José" Kolumbien allein zusteht. Es gebe noch viele offene Fragen, sagte der Historiker und Experte für Seerecht, Daniel de Narváez, der Zeitung "El Tiempo": "Verklagen Spanien und Peru den kolumbianischen Staat? Verlangt die spanische Regierung das Schiff als Staatsbesitz zurück?" Die "San José", die unter spanischer Flagge fuhr, sollte Goldmünzen und Edelsteine aus den amerikanischen Kolonien nach Spanien bringen - ein Teil des Goldes stammt vermutlich aus Peru.

Noch ist aber völlig unklar, welche Ladung sich bei dem Wrack befindet. Auf den wenigen veröffentlichten Unterwasseraufnahme des kolumbianischen Präsidialamts sind nur Kanonen und Amphoren zu sehen. Egal, ob sich Goldmünzen und Edelsteine bei dem Wrack befinden: Ob und wie die möglicherweise kostbare Ladung sowie das Schiff selbst gehoben werden können, ist unklar. Fest steht, dass solche Unterwasserarchäologie-Projekte Jahre dauern. Denn bei Grabungen wird der Fundzusammenhang stets aufwendig dokumentiert, um später mit den Daten archäologische Interpretationen nachvollziehen zu können.

Zudem ist die Bergung von Artefakten in der Unterwasserarchäologie besonders aufwendig. Eine augenblickliche Hebung des Wracks würde es zerstören - sobald das Holz mit Sauerstoff in Kontakt kommt, beginnt es zu zerfallen. Nach der Hebung wird deshalb das Milieu, in dem Schiff und Ladung jahrelang lagen, erhalten - die Holzplanken lagern in großen Becken. Für die Konservierung wird dann in einem langwierigen Verfahren das Wasser nach und nach durch einen Kunststoff ersetzt.

Dass vor allem Privatfirmen, die Profit aus der Archäologie ziehen wollen, in der Unterwasserarchäologie aktiv sind, ist kein Wunder. Nur sie verfügen über das teure Tauch- und Computerequipment, das Bergung und Ortung von alten Schiffswracks auf dem Meeresboden ermöglicht. Staatlichen Institutionen fehlt oft das Geld für teure Grabungen.

Immerhin: Sollen die Schätze der "San José" eines Tages gehoben werden, hat Präsident Santos für diesen Fall einen Plan. "Wir werden ein großes Museum in Cartagena bauen im Stil der Museen in skandinavischen Ländern, die dort weit unbedeutendere Funde als unseren ausstellen", kündigte er an.

Zusammengefasst: Nach der Entdeckung des Wracks der "San José" vor der Küste von Kolumbien ist der Streit zwischen der Regierung des Landes und dem privaten Archäologieunternehmen Sea Search Armada (SSA) neu entbrannt. Die Firma hat nun einen Anteil an dem Milliardenschatz gefordert, dessen Lage sie bereits viele Jahre zuvor entdeckt haben will. Vermutlich steht ein neuer Rechtsstreit bevor.

joe/dpa

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Spanien gehört das Raubgold ja nun wirklich nicht!
ackergold 07.12.2015
Für mich ist völlig klar, dass die Finder und die Bergungsfirma bezahlt werden. Der Schatz an sich gehört zweifellos denjenigen, von denen er durch die Spanier blutig geraubt wurde, also den Bewohnern von Peru. Da kann es ja wohl keinerlei zwei Meinungen geben. Raubmord verjährt genauso wenig wie der Anspruch des Beraubten auf Rückgabe und Entschädigung. Wenn man es ganz genau machen wollen würde, dann müsste die spanische Regierung die Bergungskosten bezahlen und dann den gesamten geraubten Fundus plus Zinsen an Peru zurückbezahlen. Alles andere steht weder auf rechtlichen und schon gar nicht auf moralischen Beinen.
2. Ehrlichkeit
darthmax 07.12.2015
Ohne die Unternehmen, die Schätze finden, gäbe es diese Schätze garnicht, oder machen die Spanier oder Kolumbianer Anstrengungen Ihre untergegangenen Schätze zu finden ? Was an alten Goldmünzen nun ach so historisch sein soll ( oder Smaragden ) erschliesst sich mir nicht, bei Kunstschätzen ist dies schon anders. Da werden aber erfolgreich auch Bemühungen abgeblockt , die Ihren früheren Eigentümern zurückzugeben , was im Falle Syriens und Irak nicht schlecht ist, im Falle Griechenlands diskussionswürdig. Die Staaten sollten froh sein von den Funden überhaupt etwas abzubekommen, denn ob es Ihnen gehört ist immer zweifelhaft. Eventuell ja einem altem Adeligen ?
3. Präsident Pausenclown hat gesprochen
Bueckstueck 07.12.2015
"Wir werden ein großes Museum in Cartagena bauen im Stil der Museen in skandinavischen Ländern, die dort weit unbedeutendere Funde als unseren ausstellen", kündigte er an. Ein Pausenclown kann sicherlich nicht über Bedeutung von irgendwelchen Funden urteilen. Sein Urteilsvermögen scheint nämlich auf den Wert in Pesos beschränkt zu sein.
4.
ackergold 07.12.2015
Zitat von darthmaxOhne die Unternehmen, die Schätze finden, gäbe es diese Schätze garnicht, oder machen die Spanier oder Kolumbianer Anstrengungen Ihre untergegangenen Schätze zu finden ? Was an alten Goldmünzen nun ach so historisch sein soll ( oder Smaragden ) erschliesst sich mir nicht, bei Kunstschätzen ist dies schon anders. Da werden aber erfolgreich auch Bemühungen abgeblockt , die Ihren früheren Eigentümern zurückzugeben , was im Falle Syriens und Irak nicht schlecht ist, im Falle Griechenlands diskussionswürdig. Die Staaten sollten froh sein von den Funden überhaupt etwas abzubekommen, denn ob es Ihnen gehört ist immer zweifelhaft. Eventuell ja einem altem Adeligen ?
Finden Sie diese Meinung nicht selbst etwas merkwürdig? Wieso soll etwas einem "alten Adeligen" gehören, der es selbst seinem Volk abgepresst, oder gar geraubt hat? Was an alten Goldmünzen historisch sein soll? Vielleicht, dass es alte Goldmünzen sind. Was sonst? Selbstverständlich gehört das ganze geraubte Gold weder den ehemaligen Räubern, noch den Findern, sondern den Beraubten. Genauso selbstverständlich ist, dass die Finder für die Bergung einen Lohn erhalten, denn der betriebene Aufwand muss angemessen entschädigt werden. Nach heutigem Maßstab wäre für die Entschädigung der Finder und für die Kosten der Bergung im Übrigen der Dieb zuständig und zu belangen - also die spanische Regierung als Rechtsnachfolger der Conquistadores.
5. Geschichtsklitterung
nixus_minimax 07.12.2015
Zitat von ackergoldFür mich ist völlig klar, dass die Finder und die Bergungsfirma bezahlt werden. Der Schatz an sich gehört zweifellos denjenigen, von denen er durch die Spanier blutig geraubt wurde, also den Bewohnern von Peru. Da kann es ja wohl keinerlei zwei Meinungen geben. Raubmord verjährt genauso wenig wie der Anspruch des Beraubten auf Rückgabe und Entschädigung. Wenn man es ganz genau machen wollen würde, dann müsste die spanische Regierung die Bergungskosten bezahlen und dann den gesamten geraubten Fundus plus Zinsen an Peru zurückbezahlen. Alles andere steht weder auf rechtlichen und schon gar nicht auf moralischen Beinen.
Was ist denn das für ein ausgemachter Schwachsinn? Als das geschah war das alles Spanien und nicht Peru noch sonstwas. Der "Raubmord" von dem Sie da sprechen war ganz normale Praxis unter den Ländern. Komischerweise wird gerne die angelsächsische Version der Geschichte hier propagiert dier gerne wegläßt was man selber so getan hat. Schauen Sie mal aufs Datum von der Geschichte von Deutsch-Ostafrika und dann mal auf das Datum der Kolonialisierung Südamerikas. Hätten das die Engländer geschafft wäre das superclevere Strategen die mit ein paar hundet Mann und ein paar Pferden einen ganzen Kontinent erobert haben. Diese lächerliche Empörung die da immer mitwabert wenn es um Funde aus Lateinamerika geht, ist verkorkste Geschichtsklitterung. Warum forden Sie nicht die Restauration der Olmeken oder der Tolteken? Dessen Gold haben sich auch andere unter den Nagel gerissen.
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