Sankt Petersburg Forscher entdecken hingerichtete Zarenfamilie

1917 endete die Herrschaft der Zaren in Russland. Jetzt haben Archäologen in einem Massengrab in St. Petersburg sterbliche Überreste von vier Großfürsten der Zarenfamilie Romanow gefunden - ihre Ermordung steht womöglich vor der Aufklärung.

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Sankt Petersburg - Über die Umstände des gewaltsamen Todes der russischen Zarenfamilie vor gut 90 Jahren wurde viel spekuliert. Nun haben Archäologen in Sankt Petersburg offenbar wichtige Indizien gefunden, die die Umstände der Hinrichtungen während der Sowjetherrschaft aufklären könnten.

In einem Massengrab seien vermutlich die sterblichen Überreste von vier Großfürsten der Romanows entdeckt worden, teilte der Chefarchäologe der Ausgrabungen, Wladimir Kildjuschewski, mit. Daneben fanden die Forscher in der Ausgrabungsstätte die Gebeine von etwa einhundert Menschen, die von den Bolschewiken hingerichtet worden waren.

"Nach sicheren Augenzeugenberichten wurden vier Großfürsten der Romanows 1919 in der Peter-und-Paul-Festung exekutiert", erklärt Kildjuschewski. "Die Gebeine von Georgi Michailowitsch, Nikolai Michailowitsch, Dmitri Konstantinowitsch und Pawel Alexandrowitsch befinden sich wahrscheinlich unter denen, die wir gefunden haben".

Großfürst Pawel Alexandrowitsch Romanow war der Onkel des letzten Zaren Nikolaus II., der selbst 1918 mit seiner Familie im Ural von den Bolschewiken exekutiert wurde. Die drei anderen Großfürsten waren seine Cousins und Enkel von Zar Nikolaus I. Die vier Großfürsten wurden 1919 in der Festung erschossen, mitten im Zentrum der ehemaligen Zarenhauptstadt, doch ihre genaue Grabstätte blieb unbekannt. Auch das Grab von Zar Nikolaus II., seiner Frau und seinen Kindern, die auf Anordnung der bolschewistischen Führung ermordet worden, war erst 1991 entdeckt worden.

Die jüngsten Todesopfer waren 16 Jahre alt

In der Festung am Ufer des Flusses Newa nahmen die Bolschewiken zahlreiche Exekutionen vor. In ihrem Zentrum ragt die Kathedrale Peter-und-Paul empor, wo sämtliche russischen Zaren seit Peter dem Großen bestattet sind. Als bei Erdarbeiten 2007 zufällig menschliche Knochen gefunden wurden, begannen die Ausgrabungen im großen Stil. Dabei entdeckten die Archäologen sechs Massengräber aus den Jahren 1917 bis 1919, die die Gebeine von rund einhundert Opfern enthalten - die Jüngsten der Todesopfer waren gerade 16 Jahre alt.

"Alle Opfer wurden durch einen Kopfschuss getötet und die Leichen wurden unverhüllt in die Gräber geworfen", erzählt Kildjuschewski. "Auf manchen Schädeln gibt es spezielle Spuren, als seien sie mit einem Gewehrkolben vollends erschlagen worden." Der Archäologe zeigt Gegenstände, die zwischen den Knochen gefunden wurden: Bügellose Brillen, ein großes Goldkreuz, Zigarettenetuis, Notizbücher, Kleidungsfetzen, ein Hut in gutem Zustand, ein Schuh.

"In bestimmten Gräbern liegen nur ältere Menschen, Zivilisten. In den anderen junge Leute zwischen 20 und 30, Kadetten der Militärschulen", erklärt der Archäologe. Sie alle fielen dem "Roten Terror" zum Opfer, mit dem die russische Staatssicherheit Tscheka und die Rote Armee im Bürgerkrieg zwischen 1918 und 1923 das Land überzogen. Zehntausende sogenannte Klassenfeinde, Adlige, Bürgerliche, Offiziere, Priester, streikende Arbeiter und protestierende Bauern wurden damals hingerichtet.

Einer der Führer der Tscheka, Martin Latsis, schrieb 1918: "Wir beenden die Bourgeoisie als Klasse. Suchen Sie keine Beweise in den Untersuchungen, ob ein Angeklagter mit Taten oder Worten gegen die sowjetische Herrschaft gehandelt hat. Die erste Frage, die sich stellt, ist: Welcher Klasse gehört er an? Diese Frage wird sein Schicksal bestimmen. Darin liegt der Sinn des roten Terrors." Es war Latsis, der das Todesurteil der vier in Sankt Petersburg erschossenen Romanows unterschrieb.

Kildjuschewski betont die Dringlichkeit weiterer Nachforschungen: "Heute versuchen wir zu bestimmen, wer genau hier exekutiert wurde, und wir müssen die Suche fortsetzen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir noch weitere Überreste finden werden." Zurzeit jedoch ruhen die vom Geschichtsmuseum der Stadt organisierten Ausgrabungen - aus Geldmangel.

Von Marina Koreneva, AFP



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
n.holgerson 08.06.2011
1. Komisch???
Kann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals so ein kritischen Bericht z.B. über die französische Revolution gelesen habe... Geht es nur mir so oder haben auch andere den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.... Nur zur Klarstellung, man kann zu einer Revolution und ihren Folgen stehen wie man möchte.... aber sollten nicht zwei vergleichbare Fälle auch "ähnlich" gewertet werden?
Hompster 08.06.2011
2. Hauptsache rumgemosert...
Zitat von n.holgersonKann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals so ein kritischen Bericht z.B. über die französische Revolution gelesen habe... Geht es nur mir so oder haben auch andere den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.... Nur zur Klarstellung, man kann zu einer Revolution und ihren Folgen stehen wie man möchte.... aber sollten nicht zwei vergleichbare Fälle auch "ähnlich" gewertet werden?
Könnte daran liegen, dass die besagte Revolution schon ein wenig länger her ist und mir ist auch nicht bekannt, dass man in letzter Zeit irgendwelche Massengräber von Adligen gefunden hätte, die der Revolution zum Opfer gefallen sind. Und wo der Bericht besonders kritisch sein soll verstehe ich auch nicht ganz, denn den Roten Terror bezeichnet der zitierte Herr doch selber als solchen. Vergleichen kann man das ganze sehr gut mit dem Vorgehen der Roten Khmer und dazu gab es aus aktuellen Anlässen gleich mehrere Artikel auf SPON. Das ganze hier ist eine Nachrichtenseite und kein Geschichtsportal.
Sique 08.06.2011
3. Seltsame Frage...
Zitat von n.holgersonKann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals so ein kritischen Bericht z.B. über die französische Revolution gelesen habe... Geht es nur mir so oder haben auch andere den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.... Nur zur Klarstellung, man kann zu einer Revolution und ihren Folgen stehen wie man möchte.... aber sollten nicht zwei vergleichbare Fälle auch "ähnlich" gewertet werden?
An welcher Stelle wurde hier kritisch(er) berichtet? Es wurden 100 Leichen gefunden. Das ist eine Tatsache. Die Leichen werden auf die Hinrichtungen im Zuge der Revolution zurückgeführt, und es wird erwähnt, dass diese 100 Hinrichtungen keine Ausnahmeerscheinungen waren, sondern zum Prinzip gehörten. Auch das sind bekannte Fakten. Genau das Gleiche finden Sie in jedem Bericht über die französische Revolution und speziell die Jakobinerdiktatur. Die Guillotine ist geradezu Sinnbild der französischen Revolution, und der Terreur Blanc ist sowohl vom Namen als auch vom Prinzip her Vorbild für den Krasnij Terror (Roten Terror) der Russischen Revolution.
urlaubsabgeltung, 08.06.2011
4. Kritisch ?
Zitat von n.holgersonKann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals so ein kritischen Bericht z.B. über die französische Revolution gelesen habe... Geht es nur mir so oder haben auch andere den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.... Nur zur Klarstellung, man kann zu einer Revolution und ihren Folgen stehen wie man möchte.... aber sollten nicht zwei vergleichbare Fälle auch "ähnlich" gewertet werden?
was ist denn hier kritisch ? Die geschichtlichen Tatsachen dieser Revolution sind wohl hinlänglich bekannt .
mactor, 08.06.2011
5. Nicht Ähnlich - nicht gleich...
Zitat von n.holgersonKann mich gar nicht erinnern, dass ich jemals so ein kritischen Bericht z.B. über die französische Revolution gelesen habe... Geht es nur mir so oder haben auch andere den Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.... Nur zur Klarstellung, man kann zu einer Revolution und ihren Folgen stehen wie man möchte.... aber sollten nicht zwei vergleichbare Fälle auch "ähnlich" gewertet werden?
Für mich als "normalen" Geschichtskenner sind diese Fälle aber objektiv betrachtet nicht "ähnlich" und überhaupt nicht gleich. Die französische Revolution war ein Aufstand ausgelöst durch Hungersnöte, Krieg und ausschließlich durch das arme Volk ohne das Politik dabei eine Rolle gespielt hat. Der Satz "Alle Menschen sind gleich" spielt dabei ja eine große Rolle. Die russische Revolution war von Anfang an eine Politische Revolution der paar Tausend "Verirrten" und "Verbannten" um Lenin die niemals von Gleichheit ausgingen sondern immer nur von "Wir oder Die" und der Beseitigung der Andersdenkenden egal ob Arm oder Reich... Auch hatte das "normale" Volk in Russland nie mit den "roten" sympatisiert und wurde eben nur durch massiven Druck zum mitmachen gezwungen. Ich glaube das reicht mal so als schwacher Umriss. Den Rest sollen mal die Fachleute erklären...
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