Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sanofi-Aventis: Insulinpräparat steht im Verdacht, Krebs zu fördern

Von und

Studien an Menschen zeigen erstmals, dass von der Pharmaindustrie angepriesene Analoginsuline im Verdacht stehen, das Wachstum von Krebszellen zu fördern. Betroffen ist nach SPIEGEL-Informationen vor allem das Präparat Lantus von Sanofi-Aventis, das in Deutschland rund 500.000 Diabetiker nehmen.

Erstmals zeigen gleich mehrere Studien an Menschen, dass das Diabetesmittel Lantus das Risiko, an Krebs zu erkranken, deutlich erhöhen könnte.

Lantus: Zweitumsatzstärkstes Präparat des Herstellers
AP

Lantus: Zweitumsatzstärkstes Präparat des Herstellers

Eine der Studien, die demnächst in der angesehenen Fachzeitschrift Diabetologia veröffentlicht werden soll, stammt vom Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Für diese Studie wurden erstmals die Krankendaten von mehr als 18 Millionen AOK-Versicherten in Deutschland ausgewertet.

Unter ihnen fanden sich auch 127.000 Diabetiker, die entweder mit Humaninsulin, mit Lantus oder mit zwei anderen Insulinanaloga behandelt wurden. Das Ergebnis: Bei gleicher Behandlungsdosis ist das Krebsrisiko für Patienten, die Lantus nehmen, deutlich höher als für Humaninsulin-Patienten. Dabei wird der Unterschied mit steigender Dosis immer größer. Bei einer Tagesdosis von 30 Einheiten Insulin ist das Krebsrisiko bereits um knapp 20 Prozent höher. Knapp 3500 neue Krebsfälle pro Jahr könnten auf Lantus zurückzuführen sein.

Lantus spritzen sich in Deutschland schätzungsweise 500.000 Patienten. Die Pharmahersteller warben für die Analoginsuline immer damit, dass sie die Insulinbehandlung angenehmer und besser machen, weil man sich weder an genau portionierte Mahlzeiten noch an einen festen zeitlichen Abstand zwischen Insulinspritze und Essen halten müsse.

Unabhängige Mediziner hatten häufig darauf hingewiesen, dass es für diese angeblichen Vorteile keine wissenschaftlichen Belege gebe. Zudem sind die Analoginsuline in Deutschland im Schnitt 30 bis 60 Prozent teurer als das herkömmliche Humaninsulin. Dank Pharmawerbung und verschreibungswilligen Ärzten feierten die Analoginsuline in den vergangenen Jahren dennoch einen enormen Siegeszug: Nach Angaben des Arzneiverordnungsreports ist ihr Anteil an den Insulinverordnungen inzwischen auf ein Drittel gestiegen.

Jean-Pierre Lehner, bei Sanofi für Fragen der Medikamentensicherheit zuständig, erklärte, die Ergebnisse der jüngsten Studien seien nach Ansicht von Sanofi nicht aussagekräftig. "Gestützt auf umfangreiche klinische Studien mit insgesamt mehr als 70.000 Patienten und auf 24 Millionen Patientenjahre Behandlungserfahrung, hält Sanofi-Aventis Chart zeigen Lantus weiterhin für sicher."

Lantus ist das zweitumsatzstärkste Präparat des Arzneimittelherstellers, allein in diesem Jahr sollte es Sanofi mehr als drei Milliarden Euro einbringen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unverantwortliche Haltung
Bayerr, 27.06.2009
von Sanofis ! Wenn ein solcher Verdacht besteht, kann die einzige Konsequenz nur sein, das Präparat bis zum Beweis der Unschädlichkeit vom Markt zu nehmen. Dies insbesondere, da Alternativen existieren die für die Gemeinschaft der Versicherten auch noch günstiger sind. Die Pharma-Industrie beweißt wieder einmal, dass es bei ihr nicht um Ethik geht, sondern nur um Monetik !
2. .
sinta, 27.06.2009
Dieser Verdacht ist aber nicht neu. Den gab es schon vor 9 Jahren. Aus diesem Grund habe ich darauf bestanden, dass mein Sohn, dass Langzeitinsulin wechselt. Ich fragte nämlich den Arzt, was dieses Insulin bei einem 11 jährigen Kind über die Jahre anrichten könnte - darauf erhält ich eine sehr schwammige Antwort ...
3. Alternativen für Lantus
pennfan 27.06.2009
Gut, dass Hersteller von Produkten erstmal alles Negative abstreiten oder von sich weisen, das gehört wohl zur Überlebensstrategie und von 10 Firmen würden sicher 9 so handeln. Fatal kann sowas natürlich werden, wenn dies auch Firmen mit einer außerordentlichen Verantwortung tun. Wir kennen das ja schon von Grünenthal mit dem Produkt Contergan. Das Wenigste oder Mindeste wäre es seitens des Herstellers zu sagen "Ok, wir prüfen neue Studien". Aber es gelten wie gesagt andere Gesetze, jene der Selbsterhaltung. Welche Alternativen gibt es denn zu Lantus? Ich nehme es seit etwa zwei Jahren, allerdings in einer eher kleineren Größenordnung von 10 Einheiten / Tag. Grüße Michael
4. Insulin
alleskleber 27.06.2009
Bevor jetzt das Geschimpfe auf Insulinanaloga losgeht muss man sich ein Faktum vor Augen führen: Insulin ist auch ein WACHSTUMSFAKTOR im menschlichen Körper. Zellkulturen werden z.B. Insuline zugesetzt damit die Zellen überhaupt wachsen. http://de.wikipedia.org/wiki/Insulin#F.C3.B6rderung_des_Zellwachstums Insofern kann jedes Insulin zu mehr oder unkontrollierten Zellwachstum führen (zumindest theoretisch). Da es aber beim Diabetiker keine Alternative gibt, muss man es so sicher wie möglich machen/verwenden. mfg
5. Vorsicht
lichtschalter 27.06.2009
In der Homöopathie wird ein gewisser Zusammenhang zwischen Diabetis des Patienten oder seiner Verwandten und der Krebsdisposition des Patienten gesehen. Von daher ist es zweifelhaft, ob die Erhöhung des Risikos in diesem Fall dem Medikament zuzuschreiben ist. Man müsste zwei Gruppen von Diabetikern bilden, eine mit diesem und eine andere mit einem anderen Präparat, und dann testen . Jedenfalls kann man nicht Diabetiker gegen Gesunde testen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: