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20. März 2012, 09:19 Uhr

Archäologie

Satellitenbilder enthüllen uralte Siedlungen

Seit Jahrtausenden siedeln Menschen in der Region Mesopotamien. Jetzt haben Forscher mit Hilfe von Satellitenaufnahmen zahlreiche Spuren uralter Orte entdeckt. Ein spezieller Bodentyp verriet ihnen, wo einst Dörfer und Städte gestanden haben könnten.

Das Zweistromland gilt als Wiege der Zivilisation: Schon vor rund 10.000 Jahren entstanden dort die ersten Städte. Jetzt haben Forscher im Nordosten Syriens anhand von Satellitenbildern zahlreiche alte Siedlungen aufgespürt. Sie nutzten eine Software, um auf den Bildern bestimmte Bodenmerkmale zu erkennen, die auf eine Besiedlung hinweisen. So entdeckten sie mehr als 14.000 Orte, die in den vergangenen acht Jahrtausenden von Menschen bewohnt waren - oder es bis heute sind.

Die rund 23.000 Quadratkilometer große Region Mesopotamien ist Teil des sogenannten Fruchtbaren Halbmondes, einer Region in Vorderasien, die als Ursprungsgebiet der Landwirtschaft und als Wiege früher Hochkulturen gilt. Ob ein Ort langfristig attraktiv ist, hänge in erster Linie davon ab, ob dort Wasser verfügbar sei, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". Ebenso wichtig sei die Einbindung in ein Netzwerk von umgebenden Orten.

Bjoern Menze und Jason Ur von der Harvard University in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) hatten auf den Satellitenbildern nach sogenannten Anthrosolen gesucht. Dieser Bodentyp entsteht unter dem Einfluss des Menschen. Er setzt sich unter anderem aus organischen Abfällen zusammen, wie sie in Siedlungen anfallen, sowie aus den Überresten von Häusern und anderen Gebäuden. Anthrosole unterscheiden sich meist deutlich vom umgebenden Boden und lassen sich daher auf Satellitenbildern aufspüren.

In die Höhe gewachsen

Siedlungen wachsen über die Jahrhunderte immer weiter in die Höhe, weil neue Häuser oft auf den Überresten alter, eingestürzter Gebäude errichtet werden. Deshalb suchten die Forscher auch nach Erhebungen und bestimmten deren Volumen. So konnten sie etwas über die Besiedlungsgeschichte eines Ortes erfahren.

An insgesamt 14.312 Stellen fanden die Forscher die typischen Anthrosole. Mehr als 9500 dieser Orte erhoben sich deutlich über die Umgebung. Im Schnitt hatten die Besiedlungen eine Größe von 17.000 Quadratmetern. 2,5 Prozent aller gefundenen Erhebungen waren mehr als 100.000 Quadratmeter groß. Der größte Siedlungshügel kennzeichnete die bekannte antike Siedlung Tell Brak aus dem dritten und zweiten Jahrtausend vor Christus. Weitere bekannte Siedlungen waren auf den Bildern zu sehen - sowie zahlreiche, bisher unbekannte mögliche alte Stätten.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass der vorhandene Bodentyp die Attraktivität einer Region wohl nur wenig beeinflusste. Vielmehr entschied die Verfügbarkeit von Wasser - entweder die Nähe zu einem Fluss oder eine stabile Niederschlagsmenge - darüber, ob eine Siedlung dauerhaft bewohnt blieb oder wieder aufgegeben wurde.

Theoretisch seien entsprechende Untersuchungen natürlich auch am Boden möglich, erklärte Jason Ur. "Aber es würde mich vermutlich den Rest meines Lebens kosten, eine Gegend von dieser Größe zu begutachten. Mit Hilfe der Computertechnik bekommen wir schnell eine umfassende Karte." Jeder, der in Zukunft in dieser Gegend weitere Untersuchungen machen wolle, wisse nun , wo er hingehen müsse.

wbr/dpa

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