Satellitenbild der Woche Wie der Mensch die Erde zersiedelt

Radarsatelliten haben zwei Jahre lang die gesamte Erdoberfläche erfasst. Das Ergebnis ist die bisher präziseste Karte von Siedlungsmustern. Sie zeigt: Der Anteil bebauter Flächen wird unterschätzt.

DLR

Wie Tuschezeichnungen mit mal filigranen, mal kräftigen Linien und Flecken sehen die Bilder aus, die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus den Daten der deutschen Radarsatelliten "TerraSAR-X" und "TanDEM-X" berechnet haben. Die schwarz-weißen Karten der "Global Urban Footprints" zeigen weltweit Städte, Dörfer und Häusergruppen, die sich an Flussläufen entlangwinden, Straßen und Eisenbahnlinien folgen oder sich in fruchtbaren Gebieten ausbreiten - mit einer Genauigkeit, wie sie bisher für globale Auswertungen nicht erreicht wurde.

Die ersten Ergebnisse der Radardaten-Auswertung zeigen, dass der Anteil der besiedelten Flächen offenbar größer ist als bisher angenommen. "Wir gehen davon aus, dass die besiedelte Fläche weltweit größer ist als bisher geschätzt", sagt Thomas Esch vom Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des DLR. "Das mögen zwar nur geringfügige prozentuale Unterschiede sein, die in der Tat aber erheblich sind, wenn man sich die enormen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von Siedlungen, vor allem der städtischen Ballungszentren, vor Augen führt."

Exakte Daten für die Wissenschaft

Bei einer Auflösung der zugrunde liegenden Radaraufnahmen von drei Metern pro Bildpunkt erkennen die Satelliten einzelne Gebäude, aber auch Schornsteine, Strommasten und Verkehrsschilder sowie einzelne gewaltige Bäume in der afrikanischen Landschaft. Diese Objekte filtern die Wissenschaftler heraus - übrig bleiben die Siedlungstrukturen, die aus dem Weltall gesehen erkennen lassen, wie Menschen die Landschaft verändern.

Insgesamt 180.000 Einzelaufnahmen und 308 Terabyte an Daten hat das Forscherteam für die "Global Urban Footprints" verarbeitet und ausgewertet. "Bisher gibt es keine andere globale Erfassung von Siedlungsstrukturen in dieser räumlichen Genauigkeit", sagt Esch. Kleinere Dörfer sind bislang bei weltumspannenden Auswertungen nie erfasst worden, denn die eingesetzten Satelliten boten eine Auflösung von maximal 300 Metern. Dabei sind kleinteilige Strukturen sehr wichtig, da die zunehmende Zersiedlung in ländlichen Räumen fruchtbare Ackerflächen und Naturräume zerstört.

Bereits ab Ende 2014 sollen die "Global Urban Footprints" Wissenschaftlern zur Verfügung stehen, beispielsweise als Basis für exaktere Modellierungen des Klimas, genauere Risikoanalysen in Erdbeben- oder Tsunamigebieten oder eine verbesserte Beobachtung des menschlichen Einflusses auf Ökosysteme. "Der neue Datensatz hilft somit, gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Verstädterung und Bevölkerungsexplosion besser zu verstehen", sagt Esch, "und angemessen auf diese Entwicklungen reagieren zu können."

khü



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insgesamt 39 Beiträge
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krautrockfreak 28.06.2014
1. Der Mensch zerstört seine Lebensgrundlage...
langsam aber sicher selbst, indem er sich weiter ungebremst vermehrt und alle wichtigen Ressourcen rücksichtslos ausbeutet. Das war mir vor 30 Jahren schon klar. Das Problem ist leider, dass viele Menschen Meister im Verdrängen sind und die Politik, die vielleicht noch was dagegen machen könnte, null Interesse hat, weil es ja vor allem um eines geht: Wachstum. Dies betet ja unsere eigene Regierung auch täglich vor. Das Problem ist nur, dass alles, was unbegrenzt wächst, immer (!) sich selbst dabei zerstört. Es gäbe nur eine Lösung: sofortige weltweite Familienplanung, max. 1-2 Kinder pro Paar, und selbst dann würde der Effekt viele Jahrzehnte auf sich warten lassen. Da aber in den Entwicklungsländern eher 5 Kinder die Regel sind (oder das Doppelte), wird sich dieser Trend weiter fortsetzen und solange der Papst der Meinung ist, wir Menschen sollen uns schön weiter vermehren, wird alles noch schneller im Chaos enden. Denn nur er hätte vielleicht noch Einfluss in diesen Ländern.
beatbox 28.06.2014
2. Unverhältnismäßig
Die optische Gewichtung verzerrt die Wahrnehmung . Auf der Darstellung erscheinen auch Gebiete im Verhältnis zur Großstadt stark besiedelt, wo in Wirklichkeit kaum Menschen wohnen. Auch mehrgeschossige Bebauung wird davon nicht erfasst. Die herkömmlichen Satelitenbilder spiegeln meines Empfindens nach die Wirklichkeit erheblich besser wieder..Aber für irgendwas müssen die Forschungsgelder ja raus....
papayu 28.06.2014
3. Manila ist wieder mal nicht dabei!!
Also googeln Sie mal. Da sollen ueber 20 Millionen leben!!
AnnaLena77 28.06.2014
4. Tja
Und was zeigt uns das? In Europa und der Welt gibt es zuviele Menschen. Lösung: weniger Kinder und weniger Zuwanderung in überfüllte Regionen.
lalito 28.06.2014
5.
Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine: "Wie siehst du denn aus?" Sagt der andere Planet: "Ich hab Mensch!" Meint der Erste "Oioioi, aber mach dir nix draus - geht schnell vorbei."
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