Satellitenfotos aus Syrien Geschichte in Trümmern

Zerstörte Paläste, eingestürzte Minarette: Der Bürgerkrieg in Syrien hat katastrophale Folgen für das Kulturerbe. Satellitenfotos dokumentieren massive Schäden an historischen Bauwerken.

AP/ Digital Globe/ Amnesty International

Der Bürgerkrieg in Syrien hat wahrscheinlich mehr als 200.000 Menschen das Leben gekostet. In umkämpften Städten wie Aleppo ist kaum ein Haus heil geblieben, viele Menschen sind auf der Flucht. Doch der Krieg zerstört nicht nur das Heute, sondern auch das wertvolle Erbe der Vergangenheit.

Das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Uno (Unitar) hat Satellitenfotos des Landes ausgewertet und dabei festgestellt, dass bis zu 290 Kulturstätten bei den Kämpfen beschädigt oder gar zerstört wurden. Syrien besaß vor Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 ein reiches kulturelles Erbe.

Zu den sechs Unesco-Weltkulturerbestätten in Syrien gehören die Altstadt von Bosra, die Saladin-Festung sowie die alten Dörfer im Norden des Landes. In 6500 Jahren hinterließen 33 Zivilisationen ihre Spuren in Syrien: Sumerer, Babylonier, Ägypter, außerdem Griechen, Römer und Kreuzritter sowie die Osmanen. Der Krieg drohe, ihre Spuren zu tilgen, warnte die Unesco schon im Sommer 2013.

Zerstörte Moschee in Rakka

Sunnitische Rebellen haben die schiitische Ammar-ibn-Yasir-Moschee in Rakka entweiht und Schreine zerstört.

Vor allem die Altstadt von Aleppo habe unter "einer der schwersten Zerstörungen des Konflikts" gelitten, hieß es. Dort toben noch immer heftige Kämpfe. Ende April stürzte das Minarett der Omajjaden-Moschee aus dem 11. Jahrhundert ein. Rebellen und Militär machten sich gegenseitig verantwortlich. Im Jahr 2012 wurden Hunderte Läden zerstört, weite Bereiche des weltberühmten Basars verwüstet. Ein Feuer brannte in dem historischen Kleinod der Stadt. Anwohner versuchten verzweifelt, die Flammen zu löschen.

Aleppo

In der umkämpften Stadt Aleppo blieb kaum ein Haus unversehrt. Das Satellitenbild zeigt die Altstadt, links ist die Zitadelle zu erkennen.

Die Auswertung aktueller Satellitenaufnahmen zeige, dass mittlerweile 24 Kulturstätten in Syrien zerstört seien, berichten die Uno-Experten. 189 gelten als schwer beschädigt und weitere 77 als wahrscheinlich beschädigt. Das ist "ein alarmierendes Zeugnis der fortlaufenden Beschädigung des reichen kulturellen Erbes Syriens", teilte Unitar mit.

"Was sich in Syrien abspielt, ist traurig für Syrien und die Welt", sagte der Direktor des Uno-Satellitenprogramms, Einar Bjorgo. "Die Menschheit ist dabei, tausende Jahre ihres Erbes zu verlieren." Vielleicht könne einiges wiederaufgebaut werden, doch was geplündert worden sei, sei auf Dauer verloren. Vor dem Hintergrund der Zerstörungen in Syrien und dem Irak hatte das Auswärtige Amt Mitte Dezember eine internationale Tagung ausgerichtet, um über Maßnahmen gegen Raubgrabungen und den illegalen Handel mit Kulturgütern zu diskutieren.

Dura Europos

Dura Europos gilt als Pompeji des Ostens: Die Fundamente der mehr als 2000 Jahre alten griechischen Stadt wurden im Bürgerkrieg geplündert und schwer beschädigt.

Die Zerstörungen und Plünderungen gehen auf alle Konfliktparteien zurück. Die Armee des Diktators Assad beispielsweise hatte Scharfschützen auf Aleppos Zitadelle postiert, eine der ältesten und größten derartigen Anlagen auf der Welt. Aufständische stürmten die 900 Jahre alte Burg Krak des Chevaliers im Alawitengebirge, die seit 2006 zum Unesco-Welterbe gehört. Nach monatelanger Bombardierung eroberte Assads Armee die Burg im März wieder zurück.

Hinzu kommen gezielte Zerstörungen von als ketzerisch angesehenen Kulturerbestätten durch radikale Sunniten.

Palmyra

Die antike Oasenstadt Palmyra hat eine mindestens 4000 Jahre alte Geschichte. Im Bürgerkrieg wurde eine Straße durch die Nekropole gezogen, die antike Grabanlagen beherbergt.

hda/Reuters/AFP

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