Satellitenkartierung Die Neuvermessung der Republik

Von der Nordseeküste bis zu den Hochalpen, vom Ruhrgebiet bis in die Lausitz sind die hochtechnisierten Vermessungstrupps unterwegs. Ihre Mission: Die Neubestimmung von 250 Grundnetzpunkten. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine vollständige Neuvermessung Deutschlands.


Mit ihren obligatorischen dreibeinigen Stativen stehen die Vermessungstechniker auf Anhöhen quer durch die Republik, neben ihnen sind hochmoderne Messwagen geparkt. Bundesweit sind derzeit 34 Teams im Einsatz. Sie wollen die Landkarte Deutschlands neu zeichnen.

Zwischen Nordsee und Alpen pilgern sie zu sogenannten geodätischen Punkten und besetzen sie mit Messgeräten, die Lage und Höhe millimetergenau aufzeichnen. Auf dem Stativ ist eine Hochpräzisionsantenne montiert, mit der Satellitensignale empfangen werden. Zwei unterschiedliche Systeme, das US-amerikanische GPS und das russische Glonass, sollen darüber Auskunft geben, wie hoch die Berge, wie ausgedehnt die Ebenen sind.

Deutschland aus dem All: Die letzte vollständige Vermessung des Landes liegt zwei Jahrzehnte zurück
Google Earth / Terra Metrics

Deutschland aus dem All: Die letzte vollständige Vermessung des Landes liegt zwei Jahrzehnte zurück

Um ein perfektes Abbild von der Oberfläche Deutschlands zu erhalten, messen die Satelliten je 24 Stunden lang an einem Punkt. Eine letzte mögliche Fehlerquelle beseitigt ein zweites Team, das die Messungen wenige Tage später wiederholt.

"Die letzte Vermessung liegt 20 Jahre zurück", erklärt Mirko Hölzel vom Schweriner Landesamt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen, die aufwendige Prozedur. Er leitet die Arbeit der Vermessungstrupps in Mecklenburg-Vorpommern. "Manche Daten sind aufgrund alter Messsysteme von früher nicht ganz korrekt." Außerdem könnten sich zum Beispiel durch Bergbauarbeiten neue Senkungen ergeben haben.

Die ersten grundlegenden Vermessungen deutscher Kleinstaaten fanden bereits im 19. Jahrhundert statt. Was damals jahrzehntelange Arbeit bedeutete, realisieren Satelliten heute binnen weniger Wochen.

Die gewonnenen Daten sollen dem Hochwasserschutz, dem Straßenbau und auch der Forschung als neue Arbeitsgrundlage dienen. Interessant sind die Angaben vor allem für die Langzeitbeobachtung von Klima-Auswirkungen.

Noch bis Anfang Juli sind die 34 Teams im Einsatz. Die einzelnen Bundesländer erheben zeitgleich die topografischen Daten weiterer Messpunkte, um auch ihre Karten zu korrigieren. Nach der Verarbeitung der riesigen Datenmengen entsteht dann ein neues Oberflächenbild von Deutschland, das möglicherweise einige Überraschungen enthält.

dme/ddp



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