Schadstoffbelastung Pestizide begünstigen Parkinson

Wer im Beruf oder bei Gartenarbeit mit Pestiziden in Berührung kommt, hat ein höheres Risiko an Parkinson zu erkranken. In der ersten groß angelegten Untersuchung zu diesem Zusammenhang fanden US-Mediziner heraus: Das Gift erhöht die Wahrscheinlichkeit um 70 Prozent.


Den Verdacht, dass Pestizide Parkinson begünstigen können, gab es schon länger. Nur belegen ließ sich ein solcher Zusammenhang über lange Zeit kaum. Nun zeigt die Studie: Farmer, Rancher und Fischer erkranken öfter an Parkinson, Männer eher als Frauen. Und: Menschen, im Blaumann sind eher Pestiziden ausgesetzt - und damit höher als andere von Parkinson bedroht.

Sprühflugzeug: Pestizide steigern das Parkinson-Risiko
DPA

Sprühflugzeug: Pestizide steigern das Parkinson-Risiko

Der Mediziner Alberto Ascherio von der Harvard University schaute sich daher besonders lange Zeitreihen an: Bei Teilnehmern einer Krebsstudie wurde er fündig. 1982 fing diese an, im Jahr 2001 wurde zum letzten Mal per Fragebogen nachgefasst, da waren immerhin noch 143.000 Teilnehmer dabei.

Ascherio und sein Team sortierten jene Patienten aus dem riesigen Datensatz heraus, bei denen nach dem Jahr 1992 Parkinson diagnostiziert worden war, immerhin 413 waren das. Die Wissenschaftler überprüften, ob diese zu Beginn der Studie von Pestizidbelastung - etwa im Arbeitsumfeld - berichtet hatten.

Keine Veränderung bei Asbest, Staub, Lösungsmitteln

Nach einer Bereinigung von Alter, Geschlecht und anderen Parkinson-Risikofaktoren, ergab ein statistischer Vergleich ein um 70 Prozent erhöhtes Parkinsonrisiko gegenüber Menschen ohne Pestizidbelastung. Das schreiben Ascherio und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Annals of Neurology".

Bei anderen Belastungen am Arbeitsplatz wie Asbest, Kohle- oder Steinstaub, Säuren oder Lösungsmitteln fanden die Forscher kein erhöhtes Parkinson-Risiko.

"Diese Ergebnisse stützen die Hypothese, dass Pestizidbelastung ein Risikofaktor ist", sagte Ascherio. Dauer, Häufigkeit und Stärke der Belastung konnte er aus dem Datensatz allerdings nicht entnehmen.

Tierversuche hatten vorher gezeigt, dass chemische Bestandteile, wie sie in Pestiziden enthalten sind, den Dopaminhaushalt schädigen und den Bewegungsapparat beeinträchtigen können. Beides gehört auch zum Krankheitsbild von Parkinson beim Menschen.

stx



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