Käpt'n Kidds Silber Experten zweifeln am Piratenschatz-Fund

Ein Silberbarren, den ein legendärer Pirat erbeutet hat - es ist ein Traumfund, der Tauchern vor Madagaskar gelungen ist. Aber ist er vielleicht zu schön, um wahr zu sein? Experten der Unesco erheben schwere Vorwürfe.

Als Held gefeiert: Barry Clifford zeigt den Silberbarren dem madagassischen Präsidenten
AP/dpa

Als Held gefeiert: Barry Clifford zeigt den Silberbarren dem madagassischen Präsidenten


Es ist der Stoff, aus dem Indiana-Jones-Filme gemacht sind: Tollkühne Unterwasserforscher tauchen zu einem Schiffswrack vor Madagaskar und heben einen Silberschatz, der seit 300 Jahren als verschollen galt. Mit großem Brimborium wird der 50 Kilo schwere Barren, den der berüchtigte Pirat William Kidd im 17. Jahrhundert erbeutet haben soll, dem Präsidenten präsentiert. Forscher Barry Clifford und sein Team werden als Helden gefeiert.

Doch Experten zweifeln, ob der Schatz wirklich echt ist. Mitarbeiter der Unesco erheben schwere Vorwürfe gegen Clifford und sein Team. Der Taucher sei bereits früher durch unwissenschaftliche Arbeitsweise aufgefallen. Handelt es sich einen geschickt eingefädelten Schwindel?

"Uns erstaunt, dass das in Sainte Marie gefundene Silber offenbar genau im richtigen Moment entdeckt wurde", sagt Ulrike Guerin von der Uno-Kulturorganisation Unesco. Schließlich wurden Cliffords Tauchgänge zum mutmaßlichen Wrack des Dreimasters "Adventure Galley", mit dem Kidd drei Jahre lang als Seeräuber unterwegs war, vom Sender History Channel finanziert. Eine Serie über das Abenteuer wird von der britischen Gesellschaft October Films produziert.

  Angebliches Fundstück: Der Silberbarren wiegt  50 Kilogramm
AFP

Angebliches Fundstück: Der Silberbarren wiegt 50 Kilogramm

Der schottische Pirat William Kidd lebte von 1645 bis 1701. Er ist unter anderem aus Werken des Schriftstellers Edgar Allan Poe bekannt und dank Comics und eines Videospiels auch Teil der Popkultur. Der von den britischen Behörden eigentlich als Piratenjäger engagierte Seefahrer wurde in London gehängt, nachdem er selbst zum Seeräuber geworden war.

"Kommt einer Verleumdung gleich"

Cliffords Team habe nicht alle nötigen Genehmigungen für die Expedition gehabt, sagt Guerin. Sie ist zudem überzeugt, dass Captain Kidd und seine Crew alle Schätze in Sicherheit gebracht hatten, bevor die arg mitgenommene "Adventure Galley" im Jahr 1698 in Brand gesteckt und versenkt wurde.

Ihr Kollege Alfredo Perez de Arminan, der stellvertretende Generaldirektor der Unesco für Kultur, äußert sich sehr besorgt über die Situation auf Madagaskar. Die Suche in derartigen Wracks müsse detailliert dokumentiert werden. Das sei hier nicht der Fall gewesen.

October Films spricht von möglicher Verleumdung. "Die gesamte Expedition wurde von Experten des madagassischen Kulturministeriums beobachtet, und alle Funde werden der Regierung ausgehändigt", betont ein Sprecher der Gesellschaft. Das Team habe langjährige Erfahrung bei der Identifizierung und Hebung historischer Artefakte und sei von einem international respektierten Unterwasserarchäologen überwacht worden. "Jede Andeutung, dass der Fund irgendwie inszeniert worden ist, ist nicht nur lächerlich, sondern kommt einer Verleumdung gleich."

Ähnlicher Streit über das Wrack der "Santa María"

Dennoch: Auch das Kultusministerium in Madagaskars Hauptstadt Antananarivo hat Zweifel - und Clifford steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Der 1945 auf der Halbinsel Cape Cod an der US-Ostküste geborene Taucher studierte Geschichte und Soziologie in Colorado und Massachusetts. Seit den Siebzigerjahren begibt er sich regelmäßig und häufig mit Unterstützung von Fernsehsendern auf lange und aufwendige Unterwasser-Expeditionen. Schon oft haben seine Entdeckungen Schlagzeilen gemacht - fast immer waren diese Funde allerdings genauso spektakulär wie umstritten.

So verkündete Clifford im vergangenen Jahr, das Wrack der "Santa María" vor Haiti gefunden zu haben - das legendäre und mehr als 500 Jahre verschollene Flaggschiff des Seefahrers Christoph Kolumbus, mit dem dieser an Weihnachten 1492 kenterte. Mit großer Energie verteidigte er seinen Fund. Trotzdem bezweifeln zahlreiche Experten, dass es sich bei dem Wrack um die "Santa María" handelt und auch ein Unesco-Bericht widerlegte Cliffords Version.

"Die Situation war nahezu identisch", sagt Unesco-Expertin Guerin. "Er findet mit großem Klamauk etwas Spektakuläres (die falsche 'Santa María') und setzt das Kultusministerium unter Druck, ihm unwissenschaftlich geführte Grabungen zu erlauben." Nachdem die Unesco ihm in kürzester Zeit nachgewiesen habe, dass seine "Santa María" in Wahrheit ein relativ modernes Boot ist, habe er sich nun nach Madagaskar gewandt.

Die Unesco will in den nächsten Wochen eine Mission auf die ostafrikanische Insel schicken, um sich den Silberbarren genauer anzuschauen. "Alles ist im Moment nur eine Hypothese und bedarf der Überprüfung", sagt Guerin.

wbr/dpa

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