40 Stunden wach: Schlafmangel beeinflusst Hunderte Gene

Wer zu wenig schläft, ist nicht nur gereizt und unkonzentriert - chronischer Schlafmangel wird mit einigen Krankheiten wie Diabetes in Verbindung gebracht. Forscher haben jetzt ermittelt, wie sich die Genaktivität verändert, wenn Menschen kaum zur Ruhe kommen.

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dapd

Müdigkeit: Ständiger Schlafmangel kann krank machen

Berlin - Eine Woche Schlafmangel verändert die Aktivität Hunderter Gene. Das könnte erklären, warum zu wenig Schlaf mit verschiedenen Gesundheitsproblemen verknüpft ist, berichten Wissenschaftler jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". So zeigten verschiedene Studien, dass Menschen, die sehr wenig schlafen, eher an Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes leiden.

Auch das Immunsystem wird wohl durch Schlafmangel in Mitleidenschaft gezogen. Die biologischen Prozesse, die diesen Beobachtungen zugrunde liegen, seien jedoch noch nicht konkret identifiziert, schreibt das Team um Carla Möller-Levet von der University of Surrey in Guildford, Großbritannien.

Die Wissenschaftler untersuchten die Genaktivität bei 26 Freiwilligen - 14 Männern und 12 Frauen. Die Studienteilnehmer begaben sich zweimal je sieben Nächte lang ins Schlaflabor. In einer Woche durften sie ausschlafen - und ruhten pro Nacht etwa achteinhalb Stunden. In der anderen Woche wurden sie nach weniger als sechs Stunden Schlaf morgens geweckt. Nach beiden Wochen mussten die Probanden jeweils rund 40 Stunden durchgehend wach bleiben.

Rund drei Prozent aller Gene beeinflusst

Die Forscher analysierten, wie sich die Genaktivität in weißen Blutzellen veränderte. Diese Zellen sind recht problemlos zu entnehmen und daher leicht zu untersuchen. Dem Bericht zufolge waren insgesamt 711 Gene nach Schlafmangel entweder deutlich aktiver oder inaktiver - 444 Gene waren herunterreguliert und 267 wurden hochreguliert. Das macht rund drei Prozent der etwa 23.000 Gene aus, die Menschen besitzen.

Betroffen waren vor allem Gene, die für Entzündungen, Immunantworten und Stressreaktionen verantwortlich sind. Der Schlafmangel beeinflusste auch die Aktivität von Genen, die normalerweise einem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegen. Dazu zählen unter anderem Gene, die den Stoffwechsel steuern.

Erstmals sei untersucht worden, wie viele Gene insgesamt beim Menschen von chronischem Schlafmangel beeinflusst werden, resümieren die Forscher. Frühere Studien hätten sich nur auf einzelne Gene konzentriert.

wbr/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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1. optional Und was kann man gegen Schlafmangel tun?
Altesocke 26.02.2013
Und was kann man gegen Schlafmangel tun? Ich meine, nicht jeder will zu wenig schlafen, viele koennen nicht genug schlafen. Gibt es dazu Untersuchungen?
2.
Frau Mau 26.02.2013
Zitat von sysopdapdWer zu wenig schläft, ist nicht nur gereizt und unkonzentriert - chronischer Schlafmangel wird mit einigen Krankheiten wie Diabetes in Verbindung gebracht. Forscher haben jetzt ermittelt, wie sich die Genaktivität verändert, wenn Menschen kaum zur Ruhe kommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/schlafmangel-veraendert-aktivitaet-hunderter-gene-a-885351.html
Die Studie empfehle ich meinem Arzt wenn er versuchen sollte mir meine Schaftabletten auszureden
3. Depression
dwbrook 26.02.2013
so was aber auch ... und was ist mit den Therapieansätzen, die gezielten Schlafmangel als Mittel gegen Depressionen einsetzen wollen? gibt es dann als Nebenwirkung Diabetes?
4. Fraport und hess. Landesregierung gehen über Leichen
frankfurterlandebahnopfer 26.02.2013
Was für Regierung und Fraport nicht zählt, ist die Gesundheit hunderttausender Menschen. Da braucht es keine NORAH-Studie um zu wissen wie krank Lärm und Schlafmangel machen. Das Arbeitsplatzargument ( gefälschte Zahlen ) zieht schon lange nicht mehr. Schließt endlich die krankmachende Landebahn Nordwest des Frankfurter Flughafens !
5. Schlaftabletten vs Schlafmangel
subrandt 26.02.2013
Die deutschen Ärzte und ihre gerade religiöse Ablehnung von Schlaftabletten sind echt ein Problem... Schlaftabletten machen süchtig, aber nach spätestens 1 1/2 Wochen Entzug ist das vorbei... ich habe selbst fast 6 Jahre Schlaftabletten genommen, und bin vollkommen problemlos wieder davon losgekommen, mit vielleicht 1-2 Nächten schlecht schlafen. Wenn ich dagegen sechs Jahre kaum geschlafen hätte, wär ich wahrscheinlich aus dem Fenster gesprungen...
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene sogenannte Nukleinsäuren: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.