Schnellere Genesung Musik hilft Schlaganfall-Patienten

Schlaganfallpatienten erholen sich besser, wenn sie direkt nach einem Hirninfarkt täglich Musik hören. Wie eine kleine Studie finnischer Forscher ergab, verbesserte sich dadurch das Sprachgedächtnis, die Konzentration und die Laune - übrigens unabhängig von der Art der Musik.


Musik ist Balsam für die Seele - und offenbar auch für den Kopf: Finnische Forscher haben untersucht, wie sich Musik auf Patienten auswirkt, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Dabei fanden sie heraus, dass tägliches Musikhören das Gedächtnis, die Konzentrationsfähigkeit und auch die Stimmung der Probanden verbesserte - anders sah das in den anderen Patientengruppen aus, die keine Musik hörten.

Musikhören: Schlaganfallpatienten erholten sich schneller.
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Musikhören: Schlaganfallpatienten erholten sich schneller.

Vor allem in der ersten Zeit nach einem Schlaganfall, in der das Gehirn sensibel auf Reize von außen reagiert, könnte das regelmäßige Musikhören demnach eine wertvolle zusätzliche Maßnahme sein, die leicht in den Therapieplan integriert werden könne, schreiben Teppo Särkämö von der Universität Helsinki und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Brain" (Online-Vorabveröffentlichung).

Aufgenommen in die Studiengruppe wurden insgesamt 60 Patienten, die wegen eines akuten Schlaganfalls im Bereich der mittleren Hirnschlagader stationär behandelt wurden. Ein Drittel der Teilnehmer bildete die Kontrollgruppe und bekam die herkömmlichen Therapiemaßnahmen. Ein weiteres Drittel wählte eine bevorzugte Musikrichtung aus und sollte während der folgenden Monate jeden Tag mindestens eine Stunde dieser Musik lauschen. Unter den Musikgenres war Pop, Klassik, Jazz und Folk vertreten. Den restlichen Probanden wurden Hörbücher zur Verfügung gestellt, die sie ebenfalls mindestens eine Stunde täglich anhören sollten. 54 Patienten vollendeten die Studie.

Hörbücher halfen nicht

Drei Monate nach dem Schlaganfall hatte sich das Sprachgedächtnis in der Musikgruppe bereits um durchschnittlich 60 Prozent verbessert, während die Verbesserung in der Hörbuchgruppe lediglich 18 Prozent und in der Kontrollgruppe 29 Prozent betrug. Die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, verbesserte sich sogar ausschließlich in der Musikgruppe, schreiben die Forscher. Zudem traten bei den Musikhörern weniger häufig depressive Verstimmungen oder Verwirrungszustände auf. Särkämö vermutet, dass die Kombination von Sprache und Musik eine wichtige Rolle bei der verbesserten Rehabilitation der Patienten spielte, da der überwiegende Teil der eingesetzten Musik auch Gesang enthielt.

Wie genau dieser Effekt zustandekommt, können die Forscher noch nicht sagen. Musik aktiviert jedoch in beiden Hirnhälften ein weitverzweigtes Netzwerk an Arealen, die unter anderem für die Steuerung der Aufmerksamkeit, die Sprache, das Gedächtnis, die Kontrolle von Bewegungen und die Verarbeitung von Gefühlen zuständig sind, erklären sie.

Kostengünstige Ergänzung der herkömmlichen Therapie

Diese Aktivität könnte direkt die Wiederherstellung der geschädigten Hirnregionen stimulieren oder aber ein generelles Reparaturprogramm starten, das dann diese Aufgabe übernimmt. Alternativ könnte auch das Belohnungszentrum eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten spielen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse solle man jedoch nicht vergessen, dass es sich hier um eine kleine Einzelstudie handele und die Resultate in anderen Untersuchungen noch bestätigt werden müssten, betont Särkämö. Das Musikhören solle auch nicht als Alternative, sondern als Ergänzung der herkömmlichen Therapie verstanden werden, die kostengünstig und mit wenig Aufwand angewendet werden kann.

lub/ddp



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