Schönheitsmedizin Faltenfüller wirken länger als gedacht

Wer jünger aussehen will, legt sich unters Messer oder lässt sich seine Falten wegspritzen. Eine dabei verwendete Substanz wirkt wahrscheinlich langfristiger, als Mediziner bislang glaubten.


Brad Pitt soll es getan haben (sein Sprecher dementiert's), Camilla, die Angetraute von Prinz Charles, soll es demnächst tun: Sie wollen sich ihre Falten im Gesicht unterspritzen lassen. Es geht darum, jünger auszusehen, frischer. Wissenschaftler der University of Michigan haben nun eines der bekanntesten Antifaltenmittel in einer Studie mit elf freiwilligen Testpersonen im Alter von 64 bis 82 Jahren untersucht.

Faltenbehandlung: "Es bleibt viel länger da, als die meisten denken"
DPA

Faltenbehandlung: "Es bleibt viel länger da, als die meisten denken"

Restylane heißt das Medikament, hergestellt wird es von einem schwedischen Unternehmen. Damit lassen sich angeblich Zornesfalten behandeln und ebenso die Nasolabialfalte, in der sich mit zunehmendem Alter kleine Fältchen bilden. Wichtigster Bestandteil von Restylane ist Hyaluronsäure, eine körpereigene Kittsubstanz, die für die Elastizität des Bindegewebes verantwortlich ist.

Eine Behandlung mit Restylane wirkt nur über einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten, weil die injizierte Hyaluronsäure vom Körper nach und nach abgebaut wird. Eine Spritze kostet rund 350 Euro.

Doch womöglich ist der Effekt der Antifaltenspritze länger, als Wissenschaftler bislang angenommen haben. Denn wie John Voorhous und seine Kollegen herausgefunden haben, fördert das Medikament auch die Produktion körpereigenen Kollagens. Dies geschehe zusätzlich zum raumfüllenden Effekt von Restylane, sagte Voorhous, mit dem normalerweise die Wirkung des Medikaments erklärt wird.

"Die Halbwertszeit von Kollagen beträgt 15 Jahre", sagte der Forscher. "Es bleibt viel länger da, als die meisten denken." Regelmäßige Injektionen könnten also eine längerfristige Wirkung haben, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Archives of Dermatology".

Die Forscher untersuchten die Haut der Probanden genau, um den Mechanismus hinter diesem erstaunlichen Phänomen zu ergründen und wurden fündig: Bestimmte Zellen im Bindegewebe, die Fibroblasten, nahmen nach der Gabe von Restylane wieder jene gestreckte Form an, die sie in der Haut junger Menschen haben. Dadurch erhöht sich auch ihre Kollagenproduktion.

Weil es aber durchaus heikel ist, wenn Wissenschaftler einen kommerziell angebotenen Wirkstoff testen und dabei auch noch zu Ergebnissen kommen, über die sich der Hersteller freut, betonen die Wissenschaftler, dass sie für ihre Forschung weder von diesem bezahlt wurden noch dass dieser die Studie beeinflusst habe. Lediglich das Restylane sei gestellt worden.

Restylane ist mitnichten das einzige Antifaltenmittel auf dem Markt. Die Ergebnisse seien jedoch nicht auf andere, ähnliche Produkte übertragbar, betonen die Forscher, weil diese anderes zusammengesetzt seien.

hda/rtr



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