Arachnophobie Schon Babys regen sich über Spinnen auf

Die Angst vor Spinnen ist weit verbreitet - ist sie vielleicht sogar angeboren? Ein Experiment mit sechs Monate alten Babys zeigt: Schon sie reagieren speziell auf Fotos von Spinnen oder Schlangen.

Spinne im Netz
DPA

Spinne im Netz


Was passiert, wenn man Babys Fotos von Spinnen, Schlangen, Fischen und Blumen zeigt, die sich in der Farbgebung nur wenig unterscheiden?

Beim Anblick von Spinne oder Schlange haben sechs Monate alte Kinder eine erhöhte Stressreaktion - die Pupillen erweitern sich deutlich, berichten Forscher im Fachblatt "Frontiers in Psychology". Auf Fische und Blumen reagieren die Babys gelassener.

Das Team um Stefanie Hoehl vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig untersuchte die Reaktionen von insgesamt 32 Babys in zwei Studien.

Weil Kinder in diesem Alter noch sehr unbeweglich sind und kaum Gelegenheiten zum Lernen haben, gehen die Forscher von einem angeborenen Verhalten aus. Angst vor Spinnen und Schlangen habe offenbar einen evolutionären Ursprung, schreiben sie.

Sinnvolle Stressreaktion

Ähnlich wie bei anderen Primaten seien im Gehirn von Menschen wohl von Geburt an Mechanismen verankert, mit denen Objekte schnell als Spinne und Schlange identifiziert werden könnten. Dies ermögliche eine schnelle Reaktion.

Diese Stressreaktion könnte nach Einschätzung der Experten auch eine Rolle bei der Entstehung entsprechender Phobien spielen. Schätzungen zufolge haben etwa ein bis fünf Prozent der Bevölkerung eine starke Phobie gegenüber Spinnen oder Schlangen.

Angst oder Ekel empfinden Befragungen zufolge jedoch deutlich mehr - rund 30 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer haben demnach ein Problem mit Spinnen. Eine Untersuchung unter Insektenkundlern zeigte: Sogar unter Menschen, die sich beruflich mit kleinen Krabbeltieren beschäftigen, finden sich welche mit Spinnenphobie.

wbr/AFP

Mehr zum Thema


insgesamt 36 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mum_23 19.10.2017
1.
Kinder im Alter von 6 Monaten sind unbeweglich und haben keine Gelegenheit zum Lernen!? Da muss ich aber laut lachen. Die Wissenschaftler sollten sich Kinder anschaffen, learning by doing sozusagen. ;) Und geweitete Pupillen beim Anblick von Spinnen? Den Kids gehts wie mir: ich liebe Spinnen!
Mach999 19.10.2017
2.
Zitat von mum_23Kinder im Alter von 6 Monaten sind unbeweglich und haben keine Gelegenheit zum Lernen!? Da muss ich aber laut lachen. Die Wissenschaftler sollten sich Kinder anschaffen, learning by doing sozusagen. ;) Und geweitete Pupillen beim Anblick von Spinnen? Den Kids gehts wie mir: ich liebe Spinnen!
Ihre Kritik an den Wissenschaftlern entbehrt jeglicher Grundlage. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Kind in der modernen Zivilisation im Alter von 6 Monaten schon so intensive Erfahrungen mit Spinnen und Schlangen gemacht hat, dass daraus ein Lerneffekt entsteht. Insofern ist der Ansatz der Wissenschaftler völlig korrekt. Ob man das jetzt so ausdrücken muss wie in diesem Artikel ist eine andere Frage. Außerdem sprechen die Wissenschaftler nicht von Phobien, sondern von "increased arrousal", also höherer Erregung. Das ist weder positiv, noch negativ, deutet aber tatsächlich genau darauf hin, dass eben diese Aufmerksamkeit im Menschen schon angelegt und nicht erlernt ist. Ob sich daraus eine Phobie oder eine Liebe zu dem Tier entwickelt wie bei Ihnen, steht auf einem anderen Blatt.
schattenlinde 19.10.2017
3. Gewöhnungssache
ist beim Umgang mit Kleintieren entscheident. Unsere Tochter hatte die ersten Lebensjahre auf einem Bauernhof engen Kontakt zu unterschiedlichen Tieren. Spinnen waren für sie interessant. Auf einer späteren Familienfeier schrieen plötzlich einige Mädchen lauthals auf, weil eine Spinne an der Wand war. Seit diesem Erlebnis ist sie angeblich allergisch gegen Spinnen und hat dies an ihre Tochter weiter gegeben. Wer im Einklang mit der Natur leben will, muß auch weniger attraktive Geschöpfe akzeptieren.
palef 19.10.2017
4. ...da war ich gestern mit einer 4jährigen zusammen...
...die von Spinnen ziemlich fasziniert ist. Von Angst/Phobie keine Spur. Am Enge des Tages habe ich zwei Kreuzspinnen malen sollen. Hab ich gemacht! Ihr habt ein Problem! Nicht die Kinder!
t_mcmillan 19.10.2017
5. Naja, wenn man bedenkt, wo die Menschheit herstammt...
... dann wundert es mich nicht. In Afrika ist "erhöhte Aufmerksamkeit" gegenüber Spinnen und Schlangen sicher vielerorts recht nützlich. Panik hingegen dürfte auch dort eher kontraproduktiv sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.