Schottland Ältestes Poster des Periodensystems entdeckt

In den Lagerräumen der Chemie-Fakultät von St. Andrews stießen Forscher beim Entrümpeln auf ein uraltes Schaubild des Periodensystems der Elemente - offenbar das älteste seiner Art.

Fund in Universität Saint Andrews
St Andrews University

Fund in Universität Saint Andrews


Es ist ein wichtiges Dokument aus der Zeit, als die Chemie noch in den Kinderschuhen stecke: In der schottischen Universität St. Andrews haben Forscher ein uraltes Poster mit einer Darstellung des Periodensystems gefunden. Nach Angaben der Institution handelt es sich bei dem Druck um das älteste erhaltene Poster dieser Art.

Das mit dem deutschen Titel "Periodische Gesetzmässigkeit der Elemente nach Mendelejeff" betitelte Dokument stammt aus dem Jahr 1885, heißt es in einer Mitteilung. Es wäre somit 16 Jahre nach der Erstveröffentlichung des Periodensystems durch den russischen Chemiker Dmitri Mendelejew gedruckt worden. Auch die Herkunft des Posters konnten die Forscher leicht ermitteln. Es stammt aus Wien und wurde dort vom "Verlag v. Lenoir & Forster" hergestellt - so ist es auf dem Plakat abgedruckt.

Bereits vor etwa vier Jahren entdeckten St. Andrews-Mitarbeiter das Papier zufällig. Es lag zusammengerollt zwischen altem Laborequipment in den Lagerräumen der Chemie-Fakultät.

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Dokumente berühmter Forscher: Skizzen, Tagebücher, Karten

Mendelejew veröffentlichte sein berühmtes Periodensystem 1869 - heute hängt es in nahezu jedem Schulchemieraum. Nur drei Jahre später gab er eine zweite Fassung heraus. Die in Schottland gefundene Version ähnelt eindeutig der ersten.

Schon der schlechte Zustand der Papierrolle gab Hinweise darauf, dass es sich um einen sehr alten Druck handeln musste. Das Papier war auf einer Basis aus Leinen aufgebracht worden, es war brüchig und spröde. Deshalb ließen die Chemiker es zunächst aufwendig restaurieren. Nun lagert es in den klimatisierten Räumen für besondere Dokumente in St. Andrews, der ältesten Universität Schottlands.

Da die Jahreszahl auf dem Druck nicht zwingend auch das Jahr seiner Herstellung gewesen sein muss, machten sich zudem Experten daran, den Ursprung zu ergründen. Laut Eric Scerri, einem Fachmann für die Geschichte des Periodensystems, ist das Plakat auf jeden Fall zwischen 1879 und 1886 hergestellt worden. Dafür sprechen die dargestellten Elemente: Sowohl Gallium als auch Scandium sind abgebildet, sie wurden 1875 und 1879 entdeckt. Das erst 1886 entdeckte Germanium fehlt hingegen. Insgesamt sind 71 Elemente aufgeführt - das heutige Periodensystem kommt auf 118.

Ganz sicher konnten sich die Forscher dann nach einem Blick in die Archive der Fakultät sein. Dort fanden sie einen Beleg für den Ankauf. Im Jahr 1888 hatte der schottische Chemieprofessor Thomas Purdie das gedrucktes Schaubild für drei deutsche Goldmark gekauft. Auch das Jahr der Herstellung war vermerkt: 1885 - die Zahl auf dem Druck stimmte also.

Chemiestudenten, die sich das Werk anschauen wollen, brauchen übrigens nicht im klimatisierten Archiv anfragen. Ein Faksimile ist inzwischen auch in der Fakultät ausgestellt.

joe

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insgesamt 2 Beiträge
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migstein 20.01.2019
1. Interessant: Eine „deutsche Schautafel“ an einer schottischen Uni
Ich frage mich, warum eine schottische Universität damals auf die Idee gekommen ist, eine deutsch beschriftete Schautafel für den Fachbereich Chemie zu kaufen. Meines Wissens war die chemische Forschung und Industrie in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg im deutschsprachigen Raum weltweit führend. Könnte es vor diesem Hintergrund sein, daß auch die Lingua Franca auf diesem Gebiet damals deutsch war - und es deswegen so wenig verwunderlich war, daß eine schottische Universität deutschsprachige Lehrmittel erworben hat, wie es heute niemanden wundert, wenn deutsche Universitäten englischsprachige Lehrbücher anschaffen?
erich_trident 25.01.2019
2. Ja, war es ...
Das haben Sie vollkommen richtig erkannt. Die Lingua Franca war bis, ich glaube Ende des ersten Weltkrieges die deutsche Sprache. Alles was wir uns heute in englisch vorgesetzt bekommen, war einstmals in deutsch. Deutschland war, wie Sie bereits angemerkt haben, damals in sehr vielen wenn nicht sogar allen Bereichen Wissenschaft und Industrie eine Weltmacht. Genau das war bestimmten Gruppierungen außerhalb Deutschlands ein Dorn im Auge, weshalb die beiden Weltkriege eingefädelt wurden. Das der Plan von damals aufgegangen ist, sieht man ja in der Gegenwart. Deutschland ist bei weitem nicht mehr das, was es einstmals war. Vom Land der Dichter und Denker ist nicht mehr als ein Häufchen Elend übrig. Traurig aber wahr. Im Moment wird unsere letzte industrielle Führungsrolle, die Autoindustrei mithilfe des "Dieselskandals" bekämpft. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, dann suchen Sie mal mit der Suchmaschine ihrer Wahl nach deutscher Geschichte die Wahrheit. Sie werden erstaunt sein, was da zum Vorschein kommt ;)
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