Schreiende Kleinkinder Was Babys und Tiger verbindet

Wenn Babys ihren Unmut kundtun, dann passiert das mit großer Stimmkraft. Forscher haben nun festgestellt, dass das Geschrei der Kleinen dem Gebrüll von Tigern und Löwen ähnelt. Ein wichtiger Unterschied besteht jedoch zwischen Großkatzen und Kleinkindern.

Tiger und Baby: Angenehm klingt weder das Gebrüll noch das Geschrei
DPA

Tiger und Baby: Angenehm klingt weder das Gebrüll noch das Geschrei


Hamburg - Tiger und Löwen brüllen wie Babys schreien. Das schließen US-Forscher aus der Analyse der Geräusche und der Vorgänge im Kehlkopf. "In mancher Hinsicht sind Löwen eine große Kopie eines schreienden Babys, laut und lärmend, jedoch mit einer sehr tiefen Stimme", erklärt der Stimmforscher Ingo Titze von der University of Utah in Salt Lake City.

Die Wissenschaftler um Sarah Klemuk von der University of Iowa hatten analysiert, wie Gebrüll und Geschrei entstehen. Die sechs Kehlköpfe von Großkatzen, die sie untersuchten, stammten von Zootieren, die aus medizinischen Gründen eingeschläfert werden mussten.

Die Stimmfalten von Tigern und Löwen seien jeweils sehr beweglich und gelartig, vibrierten unregelmäßig und erzeugten so ein kratziges Schreien, berichten die Forscher im Fachmagazin "PLoS One". Nur die Frequenz unterscheide sich deutlich - und damit die Stimmlage.

Schön höre sich weder das Gebrüll noch das Geschrei an. Einen Unterschied gibt es allerdings beim Grund fürs Krakeelen: Während Babys mit lautem Weinen vor allem Aufmerksamkeit oder Hilfe einfordern, nutzen die Tiere ihre Stimmkraft, um Revieransprüche zu verdeutlichen.

Ihr tiefes und lautes Gebrüll verdankten die Raubkatzen vor allem der Form ihrer Stimmfalten - sie seien anders als bei den meisten Tieren nicht drei- sondern viereckig. Dadurch reagierten sie sensibler auf den durchziehenden Luftstrom aus der Lunge, so die Forscher. Zuvor hatten Wissenschaftler vermutet, in den Stimmfalten eingelagertes Fett verhelfe den Tieren zu ihrer majestätischen Ausdrucksweise.

Die Erforschung der Stimmfalten könnte Hinweise für die Medizin liefern. "Wenn wir verstehen, wie Stimmfalten aufgebaut sind und wie ihre Struktur die Lautentstehung beeinflusst, dann können Ärzte besser entscheiden, wie sie geschädigte Stimmfalten reparieren", sagt der an der Studie beteiligte Tobias Riede. Krebspatienten, aber auch Menschen mit Berufen, in denen die Stimme stark strapaziert wird - etwa Sänger oder Lehrer - können Probleme mit den Stimmfalten bekommen.

wbr/dpa

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