Schutz für Ölplattformen: Forscher entwickeln Wellen-Tarnkappe

Was eines Tages Menschen unsichtbar machen soll, könnte auch Ölbohrplattformen und kleine Inseln vor der Gewalt des Wassers schützen: ein ringförmiges Gebilde, das Wellen um Objekte herumleitet - als wären sie gar nicht vorhanden.

College Park - Ölbohrplattformen sind gewaltige Gebilde, denen kaum etwas gefährlich werden kann. Dennoch gibt es Naturgewalten, die selbst die größten Offshore-Anlagen bedrohen - wie etwa Tsunamis oder sogenannte Freak Waves, die jüngsten Forschungsergebnissen zufolge weit häufiger auftreten als früher vermutet.

Jetzt haben britische und französische Wissenschaftler eine Schutzvorrichtung entwickelt, die frappierend dem ähnelt, was Physiker als theoretische Grundlage für Tarnkappen erdacht haben: Ein schützender Ring leitet die Wellen um Offshore-Anlagen oder gar um kleine Inseln herum. Im Labor funktionierte eine solche Tarnkappe anfangs nur mit Mikrowellen. Inzwischen haben Wissenschaftler eine Tarnkappe gebaut, die im Bereich sichtbaren Lichts arbeitet - allerdings nur bei einer definierten Wellenlänge im grünen Spektralbereich. Sogenannte Metamaterialien führen das Licht um ein Objekt herum und machen es so für den Betrachter unsichtbar.

In Laborversuchen mit Miniaturmodellen haben Forscher um Natasha Movchan von der University of Liverpool nach eigenen Angaben gezeigt, dass das Tarnkappenprinzip bei Wasserwellen funktioniert. Diese branden zwar auf den Hindernisring um die Anlage, die Wucht der Wellen wird aber durch speziell geformte und angeordnete Pfeiler um die zu schützende Anlage im Zentrum herumgeleitet.

Die Forscher haben zunächst per Computer das Verhalten der Wasserwellen beim Aufprall auf solche Pfeilerringe simuliert. Anschließend haben sie den Aufbau mit Miniaturmodellen untersucht, am Beispiel von sechs konzentrischen Ringen mit jeweils rund 60 Pfeilern. Dabei habe sich herausgestellt, dass der Schutzring tatsächlich funktioniert: Während die Wellen auf den äußeren Pfeilerring mit voller Kraft aufliefen, war im innersten Ring nur geringer Wellengang zu beobachten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Physical Review E".

Ob ihre Methode auch reale Ölplattformen oder gar ganze Küstenlinien zu schützen vermag und dazu auch noch wirtschaftlich ist, wollen die Forscher in weiteren Experimenten untersuchen. Denn die Überprüfung in großem Maßstab steht noch aus.

mbe/ddp

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