Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schutz vor Krebs: Mediziner werfen Impfkritikern Unseriosität vor

Der Streit um die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs geht weiter - und eskaliert. Mediziner haben die jüngste Kritik an der Impfung scharf zurückgewiesen und werfen ihren Gegnern unseriöses Verhalten vor.

Frankfurt am Main - Die Schutzimpfung gegen Gebärmutterhalskrebs wurde als einer der großen medizinischen Durchbrüche der vergangenen Jahre bejubelt. Von nahezu hundertprozentigem Schutz war die Rede. Dem deutschen Wissenschaftler Harald zur Hausen hat der Nachweis, dass Humane Papillomaviren (HPV) Gebärmutterhalskrebs auslösen können, in diesem Jahr gar den Medizin-Nobelpreis eingebracht.

Impfung: Streit um Schutz vor Gebärmutterhalskrebs geht weiter
DPA

Impfung: Streit um Schutz vor Gebärmutterhalskrebs geht weiter

Im November aber sorgten 13 Mediziner für Aufsehen: In einem Manifest kritisierten sie, dass die Impfung übereilt eingeführt worden sei, ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegt und die Nebenwirkungen unklar seien. Jetzt keilt die Gegenseite zurück: "Man muss sich schon fragen, ob sich diese selbsternannten Experten mit dem Thema tatsächlich auseinander gesetzt haben, oder ob es ihnen nur darum geht, populistisch gegen die Impfung zu wettern", sagte Peter Wutzler, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV). Die 13 Kritiker hätten den kausalen Zusammenhang zwischen einer HPV-Infektion und Gebärmutterhalskrebs angezweifelt. "Mit seriöser Wissenschaft hat das nichts zu tun", so Wutzler.

Dank der Impfung sei eine gefährliche Infektionskette unterbrochen, betonten die DVV, die Gesellschaft für Virologie, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Berufsverband der Frauenärzte in einer gemeinsamen Stellungnahme. Zuvor hatte bereits Friedrich Hofmann, Chef der Impfkommission der Bundesregierung, die Impfstrategie im Interview mit SPIEGEL ONLINE verteidigt.

Impfung noch vor erstem Geschlechtsverkehr

Die 13 Kritiker hatten in ihrem Manifest unter anderem kritisiert, dass die Impfung für 12- bis 17-jährige Mädchen empfohlen wird, Studiendaten aber nur für 15- bis 17-Jährige vorlägen. Die vier Fachverbände erklärten nun, Daten in der Altersgruppe von 12 bis 14 Jahren lägen nur deshalb nicht vor, weil dies die Altersstufe vor dem ersten Geschlechtsverkehr sei. Die Impfstoffe seien jedoch bei Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren getestet worden. Die Zahl der Antikörper sei nach der Impfung höher gewesen als in der Gruppe der älteren Mädchen.

Von der HPV-Impfung erhoffen sich auch Institutionen wie das Deutsche Krebsforschungszentrum und die Deutsche Krebsgesellschaft langfristig einen deutlichen Rückgang der sogenannten Zervixkarzinome. Derzeit erkranken weltweit jährlich rund 500.000 Frauen daran, etwa 300.000 von ihnen sterben an den Folgen. In Deutschland werden jedes Jahr rund 6500 Neuerkrankungen und knapp 1700 Todesfälle registriert.

Den Impfstoff gibt es in Deutschland seit zwei Jahren. Er wirkt bisher aber nur, wenn die Immunisierung vor der Infektion erfolgt. Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung empfiehlt die Schutzmaßnahme daher besonders Mädchen und jungen Frauen. Bei 12- bis 17-Jährigen übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

Der Heidelberger Forscher zur Hausen hat den Zusammenhang zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs in den achtziger Jahren erstmals nachgewiesen. Dafür erhielt er den Nobelpreis für Medizin, den er sich mit Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi aus Frankreich teilt. Sie hatten bei der Entdeckung des Aids-Erregers HIV eine wichtige Rolle gespielt.

mbe/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: