Schweden: Neue Sicherheitsmängel im Kernkraftwerk Forsmark

Der Reaktor konnte vergangenes Jahr nur mit Not angehalten werden. Dann sorgte ein Brand für Aufsehen. Nun wird bekannt: Aus dem schwedischen Kernkraftwerk Forsmark sei jahrelang mehr Radioaktivität entwichen, als angegeben.

Bereits am vergangenen Samstag hatte die schwedische Regierung mitgeteilt: Das Kernkraftwerk Forsmark solle von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) überprüft werden - ein außergewöhnlicher Vorgang. Denn seit 1991 hat es eine solche Inspektion in Schweden nicht mehr gegeben.

Kernkraftwerk Forsmark: Neue Sicherheitsmängel
Vattenfall / Hans Blomberg

Kernkraftwerk Forsmark: Neue Sicherheitsmängel

Doch über ein halbes Jahr ziehen sich die schwerwiegenden Zweifel an der Sicherheit des Reaktors Forsmark 1, der knapp 200 Kilometer nördlich von Stockholm liegt, schon hin. Zuletzt hatten Mitarbeiter offen einen "Verfall der Sicherheitskultur" beklagt.

Nun werden erneut Sicherheitsmängel bekannt. Aus Forsmark soll wesentlich mehr Radioaktivität entwichen sein, als bisher vom Betreiber angegeben. Die Stockholmer Zeitschrift "Ny Teknik" berichtet, dass seit 2004 drei- bis viermal so hohe Mengen an radioaktiven Substanzen wie Strontium 90 und Cäsium 137 ausgetreten seien als zunächst ermittelt. Die vom Betreiber Vattenfall genannten niedrigeren Werte beruhten auf Messungen durch defekte Kontrollinstrumente. Allerdings hätten sich auch die nun ermittelten, höheren Werte noch im erlaubten Bereich bewegt.

Ein Sprecher der Aufsichtsbehörde Statens Kärnkraftinspektion (SKI) in Stockholm nannte es im Rundfunk beunruhigend, dass "dies über eine derart lange Zeit passieren konnte". Erst letzte Woche hatte der Vattenfall-Konzern mitgeteilt, dass der Reaktor mehr als ein halbes Jahr mit einer defekten Gummidichtung an der äußeren Reaktorwand gelaufen sei. Als Grund für diese Sicherheitslücke wurde genannt, dass die vorgesehene Laboranalyse liegen geblieben sei. Sofort nach Bekanntwerden der Ergebnisse wurde der Reaktor gestoppt.

Bei dem 26 Jahre alten Siedewasserreaktor waren im Juli 2006 nach einem Kurzschluss mit Reaktorstopp Sicherheitssysteme ausgefallen. SKI hatte diesen Störfall im Nachhinein als den schwersten der schwedischen Geschichte eingestuft.

stx/dpa

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