Schweinegrippe: H1N1-Virus erstmals aus den USA eingeschleppt

Ein USA-Reisender ist mit Schweinegrippe nach Deutschland zurückgekehrt. Bei dem Mann aus Bayern wurde die Infektion mit dem H1N1-Virus durch die Behörden bestätigt, die Familie kam vorerst in Quarantäne - die Seuche breitet sich nun auch nach Argentinien und Brasilien aus.

München/Brasilia/Washington - In den USA breitet sich die Schweinegrippe weiterhin rasant aus. 896 Infektionen und zwei Todesfälle wurden dort nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde (WHO) bisher offiziell bestätigt. Nun hat erstmals ein Reisender das Virus von den USA nach Deutschland eingeschleppt. Bei dem Patienten aus dem Landkreis Ebersberg in Oberbayern habe sich der Verdacht auf das neue H1N1-Virus bestätigt, teilte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Freitag mit.

Es ist der elfte bestätigte Schweinegrippe-Fall in Deutschland. Dem Patienten gehe es gut, die Symptome seien im Abklingen. Alle Familienmitglieder seien bekannt und vorsorglich in Quarantäne. Weitere mögliche Kontaktpersonen würden derzeit noch ermittelt. Der Patient hatte nach seiner Rückkehr aus den USA über Grippesymptome geklagt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind acht der deutschen Fälle aus Mexiko eingeschleppt worden. Zwei Deutsche hatten sich in Bayern bei einem Mexiko-Rückkehrer angesteckt. Damit gibt es in Bayern sechs, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt jeweils zwei sowie in Hamburg einen bestätigten Fall. Die ersten drei Fälle waren am 29. April bestätigt worden.

Seuche breitet sich weiter aus

Die "Neue Grippe" breitet sich auch weltweit weiter aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete am Donnerstagabend 24 Länder mit Schweinegrippe-Fällen. Seitdem sind Brasilien und Argentinien hinzugekommen: Die beiden südamerikanischen Länder meldeten am Freitag die ersten H1N1-Infektionen.

In Brasilien sind nach Angaben von Gesundheitsminister José Gomes Temporão vier erwachsene Menschen erkrankt. Ihnen gehe es derzeit gut.

"Alle Fälle wurden von außen nach Brasilien getragen, und es gibt keinen Hinweis darauf, dass andere Personen angesteckt worden sind, das heißt: das Virus zirkuliert nicht in Brasilien", sagte der Minister in Brasília.

In Argentinien wurde das neue H1N1-Virus nach Worten von Gesundheitsministerin Graciela Ocaña bei einem Mann festgestellt, der schon am 25. April von einem Mexiko-Urlaub zurückgekehrt war. Der Betroffene sei den Umständen entsprechend bei guter Gesundheit und inzwischen nach Hause entlassen worden. Bei keiner der Personen aus seinem näheren Umfeld seien Anzeichen der Krankheit festgestellt worden, fügte die Ministerin hinzu.

Die Zahl der Infektionen stieg weltweit auf rund 2500. Mexiko steht mit rund der Hälfte der Fälle weiter an der Spitze der globalen Statistik, wie das EU-Zentrum für Seuchenbekämpfung (ECDC) in Stockholm am Donnerstag mitteilte. 42 Menschen sind dort an dem Virus gestorben. Europaweit gibt es laut WHO in Spanien mit 81 Fällen die meisten mit dem H1N1-Virus Infizierten. Die WHO hatte am 29. April wegen der sich ausbreitenden Neuen Influenza die Warnstufe für eine Grippepandemie von 4 auf 5 heraufgesetzt. Die Warnskala geht bis Stufe sechs.

WHO warnt vor zwei Milliarden Infizierten

Erst am Donnerstag hatte Keiji Fukuda, stellvertretender Generaldirektor WHO, vor einer zwei Jahre andauernden Schweinegrippepandemie mit weltweit mehr als zwei Milliarden Infizierten gewarnt. Bei den bisherigen globalen Grippewellen sei jeweils rund ein Drittel der Menschheit angesteckt worden, so Fukuda. Andere Experten bestätigten, dass dies möglich sei, betonten aber, dass nicht alle Infizierten auch Symptome entwickeln müssten.

"Ich glaube nicht, dass sich die Menschen vor der Zwei-Milliarden-Zahl fürchten müssen", sagte John Oxford, Virologe am Royal London Hospital. "Das heißt nicht, dass zwei Milliarden sterben werden. Die Hälfte von ihnen wird gar keine oder nur milde Symptome haben, dass sie kaum bemerken wird." Dies aber gelte in erster Linie für die reichen Länder, betonte Fukuda. Was dort als milder Ausbruch wahrgenommen werde, könnte in Entwicklungsländern "ziemlich heftig" werden, so der Grippeexperte.

Die Gesundheitsbehörden in den USA haben unterdessen vor gezielten Ansteckungen mit der Schweinegrippe im Stil sogenannter Masernpartys gewarnt. Zu versuchen, sich auf diese Art gegen eine zweite, möglicherweise heftigere Welle der Schweinegrippe zu immunisieren, sei ein "großer Fehler", sagte Richard Besser, Leiter der Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Es handele sich um eine neue Krankheit, über die es jeden Tag neue Erkenntnisse gebe. Wie sich die Krankheit auf einen einzelnen Menschen auswirke, sei aber noch nicht einzuschätzen. Es sei daher nicht ratsam, Kinder und Erwachsene bewusst dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

mbe/dpa/ddp/AFP

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Forum - Schweinegrippe – Müssen wir Angst vor dem Virus haben?
insgesamt 6209 Beiträge
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1.
IsArenas, 02.05.2009
Nein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
2.
Crackerjack 02.05.2009
Zitat von IsArenasNein, niemand *muss* Angst haben, unabhängig von allem, was geschieht. Angst ist sowieso ein schlechter Ratgeber, zuweilen zwar wichtig als Selbstschutz, wird aber schnell selbst krankmachend und/oder eine Krankheit. Ich schließe nicht aus, gewaltsam (Flugzeugabsturz, Verkehrsunfall, Terrorakt), durch Krebs oder noch früher durch Herzinfarkt oder Schlaganfall oder was weiß ich oder eben durch eine Virus- odere Bakterieninfektion ums Leben zu kommen, bevor ich mich der durchschnittlichen Lebenserwartung nähere. Zur angeblichen Hauptrisikogruppe zähle ich auch noch, na wunderbar. Nein, die Grippe macht mir definitiv keine Angst, wenn ich den nächsten Monaten daran sterben soll, dann war's das halt. Ich glaube aber nicht daran, meine Schulden werde ich wohl zahlen müssen -- sprich, ich habe andere Sorgen und erfreue mich ansonsten des Lebens in der Gegenwart ;-)
Hierzu ein von Herzen kommender Applaus.
3.
descartes101, 02.05.2009
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Lächerlich. Das Grippevirus rekombiniert sich jede Saison neu, weshalb die Impfungen auch dann nicht mehr wirksam sind. Mal ist es virulenter, mal weniger. Jedenfalls sterben immer auch Menschen daran. Das ganze ist eine haltlose Hysterie, wahrscheinlich damit unsere tüchtigen Regierungen mal behaupten können, sie hätten eine Situation im Griff. Das ist natürlich besonders leicht bei einer Situation, die so oder so nicht eskaliert. Wenn ein hemorrhagisches Fieber wie Ebola durch die Ballungszentren zieht, dann lohnt es sich zuhause zu bleiben. Aber eine dämliche Papiermaske schützt niemanden vor Ansteckung. Das gleiche Prinzip wurde von den USA im kalten Krieg angewendet, wo man den Leuten erzählte, dass es helfe, sich im Falle eines Nuklearangriffs unter den Tisch zu hocken mit einer Zeitung über dem Kopf. Aua, aua. Seit damals hat sich wirklich nichts verändert.
4.
Hans58 02.05.2009
Zitat von sysopDie Schweinegrippe hat auch Europa erreicht, die EU rechnet mit Todesopfern. Wie berechtigt ist die Angst vor dem Virus?
Nein, wir müssen keine Angst haben, selbst wenn hier zum x-ten Male eine Diskussion über das Thema eröffnet wird.
5.
firefly 02.05.2009
Sie können sich ja gleich mal mit dem Papst zusammentun. Für den ist HIV auch kein Problem und alles nur Panik mache. Und Medikamente im Falle einer HIV-Infektion würde ich ihnen auch nicht empfehlen. Die wirken nämlich garnicht und dienen nur zum Geldschäffeln der Pharmaindustrie. /Ironie
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