Schweinegrippe-Infektionen: Erste bestätigte Fälle in Dänemark, Frankreich und Hongkong

Die Schweinegrippe breitet sich aus: Dänemark, Frankreich und Hongkong haben die ersten Erkrankungen mit dem A/H1N1-Virus in ihren Ländern gemeldet. Der Erreger befindet sich bereits auf vier Kontinenten. Rückt eine Erhöhung der WHO-Pandemiestufe näher?

Jetzt auch Fernost: Die Regierung von Hongkong hat den ersten Fall von Schweinegrippe bestätigt. Bei dem Patienten handele es sich um einen Mexikaner, der am Donnerstag über Shanghai nach Hongkong gereist sei, erklärte der Verwaltungschef der chinesischen Sonderzone, Donald Tsang. Das Hotel, in dem er gewohnt hatte, sei unter Quarantäne gestellt worden. Die Hotelgäste dürften das Gebäude nicht verlassen. Tests der Hongkonger Gesundheitsbehörden und der Universität hätten bestätigt, dass es sich um das Virus handele. Der Erkrankte sei in einem stabilen Zustand.

Als erstes nordeuropäisches Land meldet Dänemark einen Fall von Schweinegrippe. Wie die Gesundheitsbehörden in Kopenhagen am Freitag mitteilten, ist die Ansteckung bei einer Person bestätigt.

In Frankreich ist die Schweinegrippe offiziell bei zwei Patienten diagnostiziert worden. Ein 49 Jahre alter Mann und eine 24-jährige Frau würden in Pariser Krankenhäusern mit Medikamenten behandelt, sagte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am Freitagabend im Fernsehsender TF1. Vermutlich werde sich auch ein dritter Verdachtsfall bestätigen. Den Patienten gehe es gut. Sie seien alle aus Mexiko gekommen und hätten sich somit nicht in Frankreich angesteckt.

Damit hat das Virus einen weiteren Sprung auf seiner Reise um die Welt geschafft: Nach den ersten Berichten aus Mexiko am 24. April war der A/H1N1-Erreger schon zwei Tage später in den USA und Kanada aufgetreten. Am 27. April erreichte das Virus Europa - Spanien bestätigte den ersten Infektionsfall. Deutschland, Österreich, die Schweiz, Holland und Großbritannien folgten, ebenso Israel, Neuseeland und Costa Rica.

Noch gilt die zweithöchste Warnstufe der WHO, die Pandemiestufe 5. Sie bedeutet, dass Übertragungen von Mensch zu Mensch noch örtlich begrenzt sind und die Staaten der Welt ihre Vorbereitungen auf den Ausbruch einer globalen Seuche abschließen sollen. Eine baldige Erhöhung auf Stufe 6 wird wahrscheinlicher. Sie bezeichnet die Pandemiephase, in der die Infektionen weiter zunehmen und die gesamte Bevölkerung betroffen ist. Mit Hongkong gibt es nun Fälle von Schweinegrippe in zwölf Ländern.

Am Freitag wurde zudem der erste Fall einer Mensch-zu-Mensch-Infektion in Deutschland bestätigt. Eine 42-jährige Krankenschwester aus Niederbayern hatte den ersten deutschen Schweinegrippe-Infizierten behandelt, einen 37-jährigen Heimkehrer einer Mexiko-Reise. Offenbar hatte sie sich bei ihm angesteckt - mittlerweile ist sie schon wieder gesund. Das Robert Koch-Institut in Berlin warnte, Deutschland müsse sich auf weitere Krankheitsfälle von Schweinegrippe gefasst machen. "Wir rechnen mit weiteren Fällen. Das liegt in der Natur der Sache", sagte der Präsident des RKI, Jörg Hacker. "Wir müssen uns sicherlich darauf einstellen, dass weiterhin mit Übertragungen auf Menschen gerechnet werden muss, die nicht in Mexiko waren."

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

hei/ore/AFPAP/dpa

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