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Schweinegrippe: USA planen Massenimpfungen im Herbst

Die US-Regierung will die Ausbreitung der Schweinegrippe massiv bekämpfen. Im Oktober sollen Massenimpfungen beginnen, mehrere Milliarden Dollar sind für die Kampagne vorgesehen. Auch die deutsche Regierung erwägt, Bevölkerungsgruppen gegen das H1N1-Virus zu impfen.

Washington/Berlin - Barack Obama wählte deutliche Worte: Es bestehe die Gefahr eines "bedeutenden Ausbruchs" der Schweinegrippe im Herbst, sagte der US-Präsident, der vom G-8-Gipfel in Italien einem Treffen ranghoher Seuchenbekämpfer im Weißen Haus zugeschaltet war. Mit guter Planung "können wir diese Krise abwenden", erklärte Obama laut einem Bericht der "New York Times".

Grippeimpfung: USA wollen im Herbst Massenimpfungen starten
DPA

Grippeimpfung: USA wollen im Herbst Massenimpfungen starten

Diese Planung sieht nun vor, im Herbst mit Massenimpfungen zu beginnen. Die Gesundheitsbehörden wollen bis Mitte Oktober 100 Millionen Einheiten eines Impfstoffs zur Verfügung stellen. Die Impf-Aktion solle sich auf Schulkinder, Schwangere sowie chronisch Kranke und Krankenhaus-Beschäftigte konzentrieren, die durch das H1N1-Virus besonders gefährdet seien. Der US-Kongress hat bereits eine Milliarde Dollar (720 Millionen Euro) für die Impfstoff-Bestandteile sowie weitere 7,5 Milliarden für die Erprobung, den Kauf und die Verteilung der Impfdosen bewilligt.

Bislang sind Schätzungen zufolge eine Million Amerikaner an Schweinegrippe erkrankt, 170 seien gestorben, berichtete die "Washington Post" am Freitag. Bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bislang rund 35.000 Erkrankungen in den USA registriert, Mediziner gehen aber von einer sehr großen Dunkelziffer weltweit aus.

Vor einem Beginn der Massenimpfungen müsse aber zunächst garantiert werden, dass der Impfstoff sicher und effektiv sei. Entsprechende Tests seien für August geplant, berichtete die "New York Times". Da es vermutlich nicht genügend Impfstoff für die gesamte Bevölkerung gebe, müsse man sich zunächst auf Risikogruppen beschränken. Zugleich bekräftigten die Experten, es gebe bisher keine Hinweise, dass das Virus mutiert sei und für den Menschen gefährlicher werde.

Die deutsche Regierung erwägt ebenfalls Massenimpfungen. In der kommenden Woche soll festgelegt werden, welche Bevölkerungsgruppen zuerst an die Reihe kommen sollen. "Wir müssen entscheiden, wer zu den Risikogruppen gehört", sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Freitag dem Hörfunksender Hit-Radio Antenne Niedersachsen in Hannover. "Das sind sicher die Beschäftigten im Gesundheitswesen, das sind auch junge Menschen mit Grunderkrankungen", so die Ministerin. Für diese Gruppen solle eine Impf-Empfehlung ausgesprochen werden.

Die Bestell-Optionen für Grippemittel reichten aus, um jeden Deutschen zweimal zu impfen. Unklar sei noch, ob bei älteren Menschen eine Impfung sinnvoll sei, sagte Schmidt. In dieser Altersgruppe gebe es kaum Erkrankungen. Möglicherweise reiche hier der normale, saisonale Grippeimpfstoff aus.

Mit Blick auf vermehrt auftretende Schweinegrippe-Infektionen unter Mallorca-Urlaubern sagte die Ministerin: "Das wird uns jetzt öfter erreichen - wir müssen damit rechnen, dass der Ausbreitungsgrad der neuen Grippe zunehmen wird." Allein in Niedersachsen war etwa jeder sechste Schweinegrippe-Patient zuvor im Urlaub auf Mallorca.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

mbe/dpa/ddp

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