Schwermetall-Belastung Verbraucherschützer warnen vor Uran im Trinkwasser

Uran aus dem Wasserhahn: Die Verbraucherschützer von Foodwatch beklagen, dass sich in Teilen Deutschlands eine zu hohe Menge des Schwermetalls im Trinkwasser findet. Doch ungesetzlich ist das nicht - es gibt keinen verbindlichen Uran-Grenzwert.

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Trinkwasser: Uranspuren aus natürlichen Vorkommen
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Trinkwasser: Uranspuren aus natürlichen Vorkommen


München - Beim ersten Hinhören klingen sie dramatisch, die Messergebnisse, die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch in ganz Deutschland gesammelt haben: Bei den Landes-Umweltministerien hatten sie sich nach der Uran-Belastung im Trinkwasser erkundigt. Alle Länder außer Hessen lieferten ihre Werte ab. Die größte Zahl an Datensätzen, genau 3766, kam aus Baden-Württemberg.

Das ARD-Magazin "Report München" meldet, unter den bundesweit insgesamt 8000 Trinkwasserproben habe es 150 Fälle gegeben, bei denen die Uranmenge über dem Leitwert des Umweltbundesamtes gelegen habe, der bei zehn Mikrogramm Uran pro Liter Trinkwasser liegt.

Uran, das klingt nicht gut, keine Frage; das Wort weckt Erinnerungen an Atommülldeponien, Reaktorunfälle und Kernwaffentests. Ins Trinkwasser kommt das Schwermetall aber auf einem anderen Weg. Natürliche Uran-Vorkommen in der Erde, die vom Trinkwasser aus dem Gestein ausgewaschen werden, lassen in manchen Teilen Deutschlands die Werte ansteigen. Im Übrigen ist nicht die Gefahr durch Strahlung das Problem, weil die im konkreten Fall vernachlässigbar klein ausfällt. "Es geht nur um die chemische Toxizität", erklärt Irene Lukassowitz vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "In hohen Dosen kann Uran nierenschädlich sein."

Und genau diese Nierenschäden fürchtet man bei Foodwatch, wo man früher bereits Mineralwässer kritisch unter die Lupe genommen hatte. "Erwachsene, die dieses Wasser trinken, bewegen sich nicht mehr im gesundheitlich unbedenklichen Bereich, sagt Pressesprecher Andreas Eickelkamp im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Doch ganz so dramatisch ist die Lage wohl nicht. Insgesamt gibt es beim Uran im Trinkwasser vier wichtige Werte:

  • Mineral-, Quell- und Tafelwässer dürfen einen Wert von zwei Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten, wenn sie mit dem Aufdruck "Für Säuglingsnahrung geeignet" werben wollen. Die Marke hat das BfR festgelegt, wie Pressesprecherin Lukassowitz erklärt. Allerdings sei die Grenze "nicht gesundheitlich abgeleitet". Man habe aber einen Wert definieren wollen, mit dem sich die teuer beworbenen Mineralwässer vom Leitungswasser abheben müssten.

  • Das Umweltbundesamt empfiehlt für Trinkwasser einen Leitwert von zehn Mikrogramm pro Liter. "Das ist ein Ziel, wo man langfristig hin möchte", erklärt Martin Ittershagen, der Sprecher des Umweltbundesamtes (UBA) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Gesetzlich verbindlich ist dieser Wert aber nicht. Das bedeute andererseits aber auch nicht, dass die Marke überschritten werden dürfe, stellt UBA-Mitarbeiter Hermann Dieter klar. Die Trinkwasserverordnung sage ganz deutlich, dass Trinkwasser keinerlei Anlass zu gesundheitlicher Besorgnis geben dürfe.

  • Die Trinkwasserrichtlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt einen Wert von 15 Mikrogramm pro Liter als tolerierbare Aufnahmemenge (TDI). Dieser Wert bezieht sich auf eine unbedenkliche tägliche Einnahme, ein Leben lang.

  • Bei 20 Mikrogramm pro Liter liegt der sogenannte Maßnahmewert, der unter anderem in Bayern gilt. Ab diesem Wert, so die einhellige Meinung, herrscht auf jeden Fall Handlungsbedarf. Kommunen sollten ihre Wasserversorgung modifizieren.

Foodwatch rechnet vor, dass es neben den 150 Fällen mit der Überschreitung des 10-Mikrogramm-Wertes noch weitere 800 Fälle gegeben habe, in denen der Urangehalt zwischen zwei und zehn Mikrogramm gelegen habe. "Damit liegt insgesamt fast jeder achte Wert entweder über der Marke des BfR, oder sogar über dem Leitwert des UBA", sagt Foodwatch-Mitarbeiter Eickelkamp. "Das ist schon dramatisch."

Die Behörden, so beklagen die Verbraucherschützer, würden die Bürger zu wenig schützen. Und in der Tat gibt es keinen gesetzlichen Zwang, den Urananteil im Trinkwasser zu senken. "Das Gesundheitsministerium sollte einen gesetzlichen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung einführen", fordert Eickelkamp.

In manchen betroffenen Gemeinden werden die Werte durch Mischung mit unbelastetem Wasser korrigiert, andere setzen auf Filteranlagen, bei denen zum Beispiel bestimmte Harze zum Einsatz kommen, die das Uran entfernen, den Rest des trinkwassers aber nicht beeinflussen. Und in wieder anderen passiert gar nichts: "Report München" berichtet, die Ostsee-Gemeinde Palmzin der Kommune Semlow in Mecklenburg-Vorpommern habe etwa erst durch die Nachfrage der Journalisten von der hohen Uran-Belastung mit Werten über 23 Mikrogramm erfahren. Das zuständige Gesundheitsamt sei zwar schon seit 2006 über die Messung informiert worden, habe aber seither nicht reagiert.

Mit Material von AP und AFP



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