Schwul, lesbisch oder hetero: Zeigt her Eure Hände...

Laut einer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie kann die Fingerlänge Auskunft über die sexuelle Orientierung eines Menschen geben.

London - Bei Frauen sind Zeige- und Ringfinger im allgemeinen ungefähr gleich lang, während bei Männern der Zeigefinger meistens etwas kürzer ist. Forscher von der University of California in Berkeley, fanden nun heraus, dass die zwei Finger bei lesbischen Frauen häufiger als bei heterosexuellen Frauen eine unterschiedliche Länge aufweisen.

Eine andere Form der Wahrsagerei

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Bei homosexuellen Männern stellten die Wissenschaftler einen stärker ausgeprägten Längenunterschied zwischen Ring- und Zeigefinger fest als bei heterosexuellen Männern - aber nur wenn diese mehrere ältere Brüder hatten.

In der Untersuchung wurden 720 Männer und Frauen in San Francisco auf der Straße angesprochen, ihre Fingerlängen vermessen, nach ihrer sexuellen Orientierung und der Anzahl von älteren Brüdern und Schwestern befragt.

Die Forscher wollten eine Theorie überprüfen, laut der ein höherer Pegel von männlichen Geschlechtshormonen - Androgenen - in der Gebärmutter sowohl die Fingerlänge als auch die sexuelle Orientierung beeinflussen kann.

In früheren Studien war bereits festgestellt worden, dass eine große Anzahl von älteren Brüdern wahrscheinlich ein Faktor bei der homosexuellen Ausrichtung von Männern ist und wie die Fingerlänge Auskunft über pränatale Androgen-Spiegel gibt.

Die Tatsache, dass bezüglich der Fingerlänge zwischen hetero- und homosexuellen Männern keine Unterschiede festgestellt werden konnten, wenn letztere keine älteren Brüder hatten, deutet darauf hin, dass neben Sexualhormonen auch genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten.

"Die Ergebnisse bei den Männern sind komplexer, aber auch interessanter", sagte Marc Breedlove, einer der beteiligten Forscher, in einem BBC-Interview. Sie würden darauf hinweisen, dass jüngere Brüder in der Gebärmutter höheren Androgen-Dosen ausgesetzt waren als ihre älteren männlichen Geschwister.

"Wir glauben, dass der Körper der Frau sich irgendwie an die Zahl der vorher ausgetragenen Jungen 'erinnert' und dann die Zufuhr von Androgenen erhöht. Die faszinierenden Fragen lauten also: Wo wird diese "Erinnerung" gespeichert und wie genau wird die Zufuhr des Sexualhormons reguliert."

Wissenschaftler haben indes mit Zurückhaltung und dem Hinweis auf die Studie reagiert, dass breiter angelegte Untersuchungen erforderlich seien, um die Resultate zu stützen.

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