Polen Taucher bergen 200 Jahre alte Selters vom Ostseegrund

Sie ist noch verkorkt und stammt aus Hessen: Aus der Ostsee vor Danzig haben Archäologen eine 200 Jahre alte Flasche Selters vom Meeresboden geborgen.

200 Jahre alte Flasche: Prägung des Unternehmens aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg
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200 Jahre alte Flasche: Prägung des Unternehmens aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg


Rund 200 Jahre lang hat eine Flasche Selterswasser offenbar am Boden der Ostsee in einem Wrack überdauert. Nun haben polnische Forscher bei Tauchgängen in der Danziger Bucht die Buddel mit Mineralwasser gefunden.

Die Steingutflasche sei ungewöhnlich gut erhalten und stamme vermutlich aus den Jahren zwischen 1806 und 1830, teilte das Meeresmuseum in Danzig mit. "Es sieht so aus, als sei sie noch original verkorkt", sagt Museumssprecherin Aleksandra Pielechaty.

Buddel vom Grund
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Buddel vom Grund

Das aus dem Taunus stammende Selterswasser ist nach Angaben des Museums eines der ältesten Mineralwässer Europas. Die Selters-Prägung des Unternehmens aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg sei noch ausgezeichnet zu erkennen. In dem Schiffswrack mit der Bezeichnung F-53-31 wurden außerdem Geschirr und Besteck gefunden.

Die Flasche soll nun im Meeresmuseum ausgestellt werden. "Wir haben die Flasche nicht entkorkt", gab sich der Archäologe Tomasz Bednarz vorsichtig. "Wir wissen nicht, was sie tatsächlich enthält und wie das Wasser nach 200 Jahren schmeckt."

Auf dem Schiffsfriedhof

Pielechaty ist allerdings "zu 99 Prozent sicher", dass in der Flasche tatsächlich Selterswasser rund 200 Jahre auf dem Meeresboden überdauert habe. Ehe die Flasche eventuell geöffnet wird, muss aber geklärt sein, dass Zerstörungen ausgeschlossen sind, wenn womöglich noch vorhandene Kohlensäure nach so langer Zeit entweicht.

Die Danziger Bucht gilt als Schiffsfriedhof. Besonders bekannt sind die Schiffstragödien in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, etwa die Torpedierung der "Wilhelm Gustloff" am 30. Januar 1945. Beim Untergang des Schiffes mit Flüchtlingen und verwundeten Soldaten an Bord kamen Schätzungen zufolge rund 9400 Menschen ums Leben.

Die Archäologen des Danziger Meeresmuseums erforschten in den vergangenen Jahren vor allem die Wracks von Handelsschiffen, darunter auch die Reste einer hölzernen Kogge aus den Zeiten der Hanse oder die aus Rostock stammende "Loreley" aus dem 19. Jahrhundert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die "Wilhelm Gustloff" sei 1940 torpediert worden, tatsächlich passierte das 1945. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu verzeihen.

boj/dpa



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