Sensationeller Knochenfund Forscher finden Spur zu unbekannter Menschenart

Haben Forscher einen Homo incognitus entdeckt, eine bisher unbekannte Menschenart? In Südsibirien wurde der Fingerknochen einer 30.000 Jahre alten Leiche gefunden - die Gene unterscheiden sich von jenen des modernen Menschen und des Neandertalers. Die Wissenschaftler wähnen sich auf der Spur einer Sensation.

MPI für evolutionäre Anthropologie

Von Cinthia Briseño


Wieder und wieder prüfte Johannes Krause seine Ergebnisse. So ganz konnte er nicht glauben, was die Analysegeräte da ausgespuckt hatten. Bevor er seinen Chef anrief, den renommierten Paläogenetiker Svante Pääbo, wollte sich der Wissenschaftler seiner Sache sicher sein. Könnte die DNA wirklich von einer bisher unbekannten Menschenform stammen?

30 Milligramm Knochenpulver. Das ist die Menge, die die Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig für ihre Erbgutanalysen zur Verfügung hatten. Daraus isolierten Krause und seine Kollegen das Erbgut eines Frühmenschen, der vor etwa 30.000 bis 48.000 Jahren in der südsibirischen Denisova-Höhle im Altai-Gebirge gelebt hatte. Eigentlich sollte es eine reine "Routine-Untersuchung eines uralten Fossils" werden, sagt Krause im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das Knochenstück wurde uns als früher moderner Mensch verkauft."

Die Isolierung von DNA aus fossilen Knochen ist wahrlich keine triviale Aufgabe, denn in den uralten Knochenstücken steckt auch die DNA fremder Organismen, etwa von Bakterien oder Pilzen. Möglicherweise auch von anderen Frühmenschen. Und wer nicht unter hochreinen Bedingungen im Labor arbeitet, riskiert gar die Kontaminierung der Probe mit dem genetischen Material des Wissenschaftlers aus der Gegenwart.

Die DNA war in sehr gutem Zustand

All jene Faktoren musste Krause ausschließen. Irgendwann war er aber sicher: Er hatte es mit genetischem Material zu tun, das mehrere Jahrtausende unbeschadet in den Zellen eines winzigen kirschkerngroßen Knochenstücks eingelagert war. Doch wie er seine Analyseergebnisse auch drehte - die DNA-Sequenz glich nichts, was der Anthropologe bisher gesehen hatte. Hatten die Max-Planck-Forscher eine neue Spezies des Frühmenschen entdeckt? Einen unbekannten Homininen, dessen DNA sich so sehr von Neandertaler und frühen modernen Menschen unterscheidet, dass er das Bild der Evolution des Menschen revolutionieren könnte?

Bei dem Erbgut aus der Denisova-Höhle handelt es sich um die komplette Sequenz der sogenannten mitochondrialen DNA, also jenem Erbgut, das Mitochondrien in sich tragen. In diesen Organellen, den Zell-Kraftwerken, laufen biochemische Prozesse ab, die am Ende die für den Organismus überlebenswichtige Energie liefern. Jedes Mitochondrium hat ein eigenes Erbgut, das ausschließlich von der Mutter an die Nachkommen vererbt wird.

Nur kommt es nicht, wie das Erbgut im Kern der Zelle, in nur zweifacher Kopie vor: Etwa 8000 Kopien dieser mitochondrialen DNA hat jede Zelle insgesamt. Allerdings ist das mitochondriale Genom bei weitem kleiner als das nukleäre Genom. Lediglich rund 16.500 Bausteine reihen sich in der Mitochondrien-DNA aneinander, etwa 3.000.000.000 sind es in der DNA des Zellkerns.

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Südsibirien: Die rätselhaften Funde aus der Denisova-Höhle
Jeden einzelnen Baustein der Mitochondrien-DNA sequenzierte Krause immer und immer wieder - im Schnitt 156 Mal. Danach verglich der Forscher die Sequenz mit der Mitochondrien-DNA anderer Individuen: Der von 54 modernen Menschen, der eines kürzlich entdeckten modernen Frühmenschen aus Kotenski in Russland, der von sechs Neandertalern, und jeweils der eines Bonobos und eines Schimpansen.

Die mitochondriale DNA des Neandertalers unterscheidet sich im Schnitt in 202 Positionen von der Mitochondrien-DNA des modernen Menschen. Die Unterschiede des Individuums aus der Denisova-Höhle waren im Vergleich zum modernen Menschen etwa doppelt so groß.

Wer war der Fremde aus Südsibirien?

"Mir hat es fast die Schuhe ausgezogen, als ich das hörte", erzählt Svante Pääbo heute. Als Krause ihn anrief, hielt er sich gerade in den USA auf. Doch nachdem Pääbo sich von den Ergebnissen selbst überzeugen konnte, war sich der Direktor des Max-Planck-Instituts gewiss: Wieder einmal hat das Bild, das sich die Wissenschaft von der Evolution des Menschen macht, eine revolutionäre Komponente dazubekommen.

Wer war nun der oder die Unbekannte aus Südsibirien, wenn weder ein früher moderner Mensch noch ein Neandertaler? Ob Mann oder Frau wissen die Forscher noch nicht. Um das herauszufinden, muss sich Pääbos Forscherteam über das Erbgut aus dem Zellkern beugen und Baustein für Baustein untersuchen. Erst dann können sie genauere Aussagen etwa über die Augen- und Hautfarbe, die Blutgruppe, oder den Gesundheitszustand des neuen Homininen treffen - so wie es einem dänischen Forscherteam erst vor kurzem anhand 4000 Jahre alter Haare eines Paläo-Eskimos gelungen ist.

Jahrelang glaubten Anthropologen, dass vor rund 40.000 Jahren nur zwei Arten der Gattung Homo den Planeten bevölkerten: Zum einen der Neandertaler, der in weiten Gebieten Europas und Nordasiens lebte, aber vor etwa 25.000 Jahren aus noch nicht vollständig geklärten Gründen von der Bildfläche verschwand. Zum anderen der anatomisch moderne Mensch, unsere direkten Vorfahren, die sich in Eurasien verbreiteten, nachdem sie den afrikanischen Kontinent verlassen hatten.

Die Forscher gingen bisher auch davon aus, dass es wenigstens drei Auswanderungswellen aus Afrika gegeben hat: Eine davon fand vor etwa 1,9 Millionen Jahren statt, als die erste Gruppe Homininen, der Homo erectus, den Kontinent verließ. Zwar gibt es Fossilien, die beweisen, dass Homo erectus bis vor weniger als 100.000 Jahren in Indonesien überlebt haben könnte, doch es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Spezies auch auf dem asiatischen Festland bis zu jener Zeit überlebt haben könnte, aus der der Denisova-Finger stammt.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Rainer Helmbrecht 24.03.2010
1. Titel verweigert!
Zitat von sysopHaben Forscher einen Homo incognitus entdeckt, eine bisher unbekannte Menschenart? In Südsibirien wurde der Fingerknochen einer 30.000 Jahre alten Leiche gefunden - die Gene unterscheiden sich von jenen des modernen Menschen und des Neandertalers. Die Wissenschaftler wähnen sich auf der Spur einer Sensation. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,685333,00.html
Vielleicht die Urväter der Politiker. Darum immer dieser Abstand zum Volk;o). MfG. Rainer
seine_unermesslichkeit 24.03.2010
2. Untreue gab's damals schon
Das ist bestimmt das Ergebnis der Kreuzung einer Höhlenfrau mit 'nem Schneemenschen. Das hat der Mann nun davon, wenn er zulange dem Säbelzahntiger nachstellt, statt sich um seine Frau zu kümmern!
alraschid 24.03.2010
3. große Füße - so so
Ganz offensichtlich handelt es sich hier um den ersten (fossilen) materiellen Beweis von Bigfoot. Bisher gibt es nur Fotos und Fußabdrücke des heutigen. Der ist mit seinen großen Füßen nach Amerika ausgewandert - über die Beringstraße - muss ein Klacks gewesen sein mit den Latschen - und treibt dort noch heute sein Unwesen. Ernsthaft: Eine Sensation? Sieht so aus. Eine Revolution? kein Anhaltspunkt. Wie schon im Artikel gesagt ist dies ein Stein in einem Mosaik in dem es wohl noch riesige Areale gibt, die noch völlig leer sind.
djabadai 24.03.2010
4. naja, nicht ganz
300.000 Bausteine (ohne mitochondriale DNA) ist ein bisschen niedrig angesiedelt. Da fehlen ein paar Nullen: sagen wir eher mal 3.000.000.000 bzw. 3.200.000.000 jenachdem wie man rechnet....
fusio 24.03.2010
5. Was für ein Unfug.
Zitat von alraschidGanz offensichtlich handelt es sich hier um den ersten (fossilen) materiellen Beweis von Bigfoot. Bisher gibt es nur Fotos und Fußabdrücke des heutigen. Der ist mit seinen großen Füßen nach Amerika ausgewandert - über die Beringstraße - muss ein Klacks gewesen sein mit den Latschen - und treibt dort noch heute sein Unwesen. Ernsthaft: Eine Sensation? Sieht so aus. Eine Revolution? kein Anhaltspunkt. Wie schon im Artikel gesagt ist dies ein Stein in einem Mosaik in dem es wohl noch riesige Areale gibt, die noch völlig leer sind.
Bigfoot lebt in Nordamerika (also auch Kanada), insbesondere in den Rocky Mountains und den Appalachen. Aber er wurde durch Mac Gyver ausgerottet. Stellt somit kein Problem mehr dar. Hier handelt es sich um eine völlig andere Spezie. Ich schätze, das ist eine Kreuzung aus Yeti, Ötzi und Homo Erectus Latianensis, denn der konnte ja schon aufrecht gehen und dass werden die Analysen sicher beweisen. Genau so präzise über Jahrtausende, wie die Wettervorhersage für den nächsten Tag. Aber gut dass unsere Steuergelder so schön verschwendet werden... Wen interessiert eigentlich so ein Knochenfund?
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