Sensationeller Schatz Forscher entdecken mysteriöse Schatulle

Bei vom SPIEGEL initiierten Grabungen auf dem Gelände des früheren Königsberger Schlosses haben die Archäologen einen wertvollen Schatz geborgen: eine jahrhundertealte Schatulle mit Teufelsdarstellungen und anderen okkulten Gegenständen.


Silberschatulle: Amulette, Medaillen und verschlüsselte Inschriften
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Silberschatulle: Amulette, Medaillen und verschlüsselte Inschriften

Hamburg - Bei der Freilegung des Kellers im einstigen Westflügel der Anlage im heute russischen Kaliningrad entdeckten die Fachleute eine mehrere hundert Jahre alte Schatulle, die elf Amulette und Medaillen aus Gold, Silber, Kupfer und Zinn enthielt. Die Fundstücke zeigen Pentagramme, Darstellungen des Teufels und Bilder kultischer Handlungen sowie verschlüsselte Inschriften in mehreren Sprachen und sind in einem hervorragenden Zustand.

Grabungsleiter Professor Wladimir Kulakow vom Moskauer Archäologie-Institut der Akademie der Wissenschaften hält den Fund für eine "Sensation". Es seien zwar ähnliche Einzelstücke bekannt, doch sei "in Europa noch nie eine derart vollständige Sammlung solcher Kultgegenstände entdeckt worden".

Der SPIEGEL hatte im September 2001 Fachleute des Kaliningrader Kunsthistorischen Museums mit der Freilegung der Königsberger Schlosskeller beauftragt, seither wurden Teile des Nord-, Süd- und Westflügels freigelegt. Moskau hatte die Anlage, einst das Krönungsschloss der preußischen Könige, Ende der sechziger Jahre sprengen und die Reste einebnen lassen.

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Sensationsfund: Die Schatulle aus dem Königsberger Schloss

Später allerdings beauftragte die sowjetische Führung immer wieder selbst Geheimtrupps mit Probebohrungen, um nach unterirdischen Hohlräumen zu suchen. Anlass dafür waren Vermutungen, in den zu Kriegsende teilweise verschütteten Kellern könnten noch Reste der Königsberger Kunstschätze zu finden sein.

Bis 1945 waren im Schloss mehrere bedeutende Sammlungen untergebracht, unter anderem das berühmte Prussia-Museum mit seinen 240.000 archäologischen Exponaten, die Schausammlung der Staats- und Universitätsbibliothek und zahlreiche Gemälde des ostpreußischen Malers Lovis Corinth.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zudem als Hort für russische Beutekunst genutzt, darunter für das von der deutschen Wehrmacht im Zarenschloss bei Leningrad geraubte Bernsteinzimmer. Die SPIEGEL-Grabungen, in mühsamer Handarbeit vorangetrieben, führten bald zu einem ersten Erfolg - dem Auffinden des großen Weinkellers im ehemaligen Westflügel des Schlosses.

Zwischen den drei Meter dicken Mauern und unter den teilweise sogar noch erhaltenen Gewölben stellten die Archäologen bislang mehr als 5000 Fundstücke sicher. Sie stammen größtenteils aus den einst darüberliegenden Stockwerken des Schlossmuseums, deren Böden bereits während der englischen Luftangriffe im August 1944 eingestürzt waren.

Zu den Funden gehören Keramik aus dem 14. und 15. Jahrhundert, Schwerter, Bronzetafeln mit dem Wappen des Deutschen Ordens, Ausstellungsstücke der früheren militärhistorischen Sammlung sowie Ausstattungsteile der einst über dem Keller befindlichen Schlosskirche.

Bis Ende Juni, zum 750. Jubiläum Königsbergs/ Kaliningrads, soll der Keller im Westflügel gänzlich freigelegt sein. Die Stadt will an dieser Stelle später ein Freilichtmuseum einrichten; das Moskauer Kulturministerium hat zugesagt, dem Gelände den Status eines föderalen Kulturdenkmals zu geben.



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