Sensationsfund Forscher entdecken Reste römischer Waffen

In einem Waldstück in Niedersachsen haben Archäologen Hunderte Überreste römischer Waffen gefunden. Sollten sie von einem Kampf zwischen Römern und Germanen stammen, wäre das eine Sensation - denn das blutige Geschehen spielte sich 200 Jahre nach der Varusschlacht ab.


Kalefeld - Schon am Mittwoch berichteten die Forscher über den Fund, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Jetzt wurden erste Einzelheiten über das Schlachtfeld bei Northeim in Niedersachsen bekannt. Es liegt in einem hügeligen Waldstück auf einer Anhöhe in der Nähe des Kalefelder Ortsteils Wiershausen, sagte Bürgermeister Edgar Martin und bestätigte damit einen Bericht der "Northeimer Neuesten Nachrichten". Auf dem mehrere Hektar großen Gelände lieferten sich womöglich Römer und Germanen einen Kampf - rund 200 Jahre nach der vernichtenden Niederlage in der Varusschlacht.

Die Fundstelle des römischen Schlachtfelds in einem Wald bei Oldenrode im Landkreis Northeim: Hunderte Reste römischer Waffen
DPA

Die Fundstelle des römischen Schlachtfelds in einem Wald bei Oldenrode im Landkreis Northeim: Hunderte Reste römischer Waffen

Der "Jahrhundertfund" bringe das bisherige Geschichtsbild ins Wanken, erklärte Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU): Bislang gingen Historiker davon aus, dass sich die Römer nach der Niederlage in der Schlacht am Teutoburger Wald weit zurückzogen. Die Ausgrabung belege, dass sie auch noch zwei Jahrhunderte später mitten im Germanengebiet groß angelegte Militäroperationen durchgeführt haben. Das gilt freilich nur unter der Voraussetzung, dass nicht etwa Germanen mit römischen Waffen gegen andere Germanen gekämpft haben.

Seit dem Sommer haben Archäologen in dem Waldstück abgeschirmt von der Öffentlichkeit bereits 600 Fundstücke geborgen, vor allem Waffen und Waffenteile, erklärte Martin. Unter anderem seien Speerspitzen mit DNA-Anhaftungen und Pfeile aus Hölzern entdeckt worden, die aus Afrika stammen.

Den Sensationsfund hätten die Archäologen wohl einem Zufall zu verdanken, sagte Martin. Vor mehreren Jahren habe ein Bürger auf dem jetzt als Schlachtfeld identifizierten Gelände einen antiken Gegenstand gefunden. Im Sommer dieses Jahres zeigte der Mann das Stück der Kreisarchäologin, die darin einen Fund aus der Römerzeit erkannte. Daraufhin seien die Grabungen eingeleitet worden.

Seitdem wurde ein sechsstelliger Euro-Betrag für die Erforschung des Areals aufgewendet. Um Hinweise auf ein mögliches Lager der Römer in der Nähe des Schlachtfeldes zu finden, hätten Flugzeuge mit Spezialkameras das Gelände überflogen. Bei einer für Montag geplanten Pressekonferenz sollen die Funde präsentiert werden.

mbe/dpa/AP



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