Sensationsfund Skythen-Mumie begeistert Forscher

Für Archäologen ist der Fund der Eismumie in der Mongolei eine Sensation - sie vergleichen sie bereits mit der Gletscherleiche Ötzi. Der Leichnam könnte enthüllen, wie Menschen vor 2500 Jahren lebten und unter welchen Krankheiten sie litten.


"Die Mumie ist für die Wissenschaft ungeheuer wertvoll", sagte der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Hermann Parzinger, am heutigen Donnerstag in Berlin. Die kürzlich in der Mongolei entdeckte Mumie sei ein "einzigartiger Fund" und könne der Forschung neue Erkenntnisse über Ernährung und Krankheiten der Vergangenheit liefern.

Die fast 2500 Jahre alte Mumie eines 30 bis 40 Jahre alten Mannes mit blondem Haarschopf sei zwar insgesamt in einem sehr guten Zustand, sagte Parzinger, aber voraussichtlich nicht ausstellungsfähig. Wissenschaftliche Untersuchungen seien jedoch möglich, da sich die Methoden in den vergangenen Jahren durch Ötzi, die Gletschermumie aus Südtirol, verbessert hätten. Archäologen hatten die Entdeckung der Altai-Mumie bereits mit der des legendären Ötzi (1991) sowie mit der tätowierten sibirischen Eisprinzessin von 1993 verglichen.

Der Fundort liegt in einer unzugänglichen Gebirgsregion des Altai in 2600 Metern Höhe im Dreiländereck Mongolei, China und Russland. Wissenschaftler aus Deutschland, der Mongolei und Russland waren Ende Juli im Permafrostboden auf das intakte Grab mit der Mumie des skythischen Kriegers gestoßen. Die Skythen waren ein Nomadenvolk, das ab dem 7. Jahrhundert vor Christus in Südrussland und der Ukraine bis zum Dnjepr lebte.

"Entkleiden mag noch manche Überraschung bringen"

Der Krieger, dessen Todesursache noch ungeklärt ist, wurde in voller Bekleidung beigesetzt. "Er trug einen Pelzmantel aus dem Fell von Murmeltieren, der innen mit Schafsfell gefüttert und an den Rändern mit Zobel verziert war", sagte Parzinger. Unter dem Pelzmantel kamen im Bereich des Gesäßes Reste einer gewebten Wollhose zum Vorschein. Die Füße des Mannes steckten in kniehohen Filzstiefeln. "Das Entkleiden des teilmumifizierten Leichnams mag noch so manche Überraschung bringen", sagte der Archäologe.

Auf dem Kopf trug der Skythen-Krieger eine Filzhaube mit einer Verzierung aus verschiedenen aus Holz geschnitzten, bemalten Tierfiguren. Sie waren zum Teil mit dünner Gold- oder Zinnfolie überzogen und mit roter Farbe bemalt. Weitere Beigaben waren Gefäße aus Horn und Holz, ein Bogen mit Pfeilen und ein Dolch in einem hölzernen Köcher. Die Mumie habe zu Lebzeiten vermutlich der gehobenen Oberschicht angehört, erläuterte Parzinger. Darauf deuteten der kunstvoll verzierte und vergoldete Kopfschmuck hin.

Bestattet mit zwei Pferden

"Im kommenden Jahr wird es in Berlin eine große Skythen-Ausstellung geben, bei der wir hoffentlich auch ein paar restaurierte Funde aus dem Grab des Kriegers zeigen können", sagte Parzinger. Der Tote war zusammen mit zwei Pferden beigesetzt worden, deren Zaumzeug noch in einem guten Zustand ist. Teile der aus dem Eis geborgenen Tierrümpfe waren noch samt Fleisch, Haut und Fell erhalten.

Die Funde seien derzeit zur Begutachtung in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator gebracht worden. "Was genau wie restauriert wird, ist aber noch nicht klar", sagte der DAI-Präsident. "Wir steigen erst in die Planungen ein." In der geplanten Skythen-Ausstellung in Berlin würden möglicherweise schon erste Stücke aus dem Fund präsentiert.

hda/ddp/AP



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