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Seuchengefahr: Zwei Killervirus-Proben verschwunden

Einige der Proben mit tödlichen Grippeviren, die ein US-Labor in alle Welt verschickt hat, sind möglicherweise verloren gegangen. Der Verbleib von mindestens zwei Behältern mit dem gefährlichen Erreger der Asiatischen Grippe ist derzeit unbekannt.

Labor: Behälter mit gefährlichem Grippevirus verschwunden
AP

Labor: Behälter mit gefährlichem Grippevirus verschwunden

Genf - Ein US-Labor hatte über mehrere Monate tödliche Grippeviren an 3747 Labore verschickt und damit vor einigen Tagen weltweit Alarm ausgelöst. Nun stellt sich heraus, dass manche der hoch gefährlichen Proben mit dem Erreger der Asiatischen Grippe möglicherweise verschwunden sind. Der Verbleib von zwei Lieferungen nach Mexiko und in den Libanon sei ungeklärt, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

"Wir wissen nicht, wann diese Behälter verschickt werden sollten und auch nicht, wo sie verloren gegangen sein könnten", sagte WHO-Grippeexperte Klaus Stöhr in Genf. "Die Ermittlungen, was zwischen dem Versand und der nie erfolgten Ankunft geschehen ist, steht ganz oben auf unserer Liste." Derzeit bestehe aber auch die Möglichkeit, dass die Proben nie verschickt worden seien.

Das tödliche Virus war von der Firma Meridian Bioscience mit Sitz in Cincinnati (US-Bundesstaat Ohio) an Labors in 18 Ländern verschickt worden, die meisten davon in den USA. Das Unternehmen hatte den Auftrag, eine Influenza-A-Probe für Testkits herzustellen, mit denen Labore interne Qualitätskontrollen ihrer Arbeit durchführen.

Statt der vorgesehenen H3N2-Viren wählte Meridian Bioscience aber den tödlichen H2N2-Erreger aus, der 1957 die sogenannte Asiatische Grippe ausgelöst hat. Zwischen einer und vier Millionen Menschen kamen bei der Pandemie ums Leben. Da das hochansteckende H2N2-Virus seit Ende der sechziger Jahre als ausgerottet gilt und nur noch in den Kühlschränken von Labors existierte, ist es heute besonders gefährlich: Zumindest nach 1968 geborene Menschen besitzen keinen Immunschutz mehr gegen den Erreger.

Die Besorgnis, dass erneut eine verheerende Pandemie ausbrechen könnte, wird laut Stöhr jedoch von der Tatsache gedämpft, dass die Viren als gefriergetrocknetes Pulver versandt worden seien. Die Erreger reagierten äußerst empfindlich auf Hitze und ultraviolettes Licht und würden schon bei Zimmertemperatur schnell unschädlich werden.

"Falls eine der Behälter im Müll landen und zerbrechen würde, wären die Viren mit Sicherheit schnell zerstört", sagte Stöhr. Sollten aber Menschen eine solche Probe finden, sähe die Sache anders aus. Die libanesischen und mexikanischen Behörden erklärten unterdessen, die Proben seien niemals in Laboratorien ihrer Länder eingetroffen.

Bis zum heutigen Samstag sollten laut WHO alle Proben, die an Labore außerhalb der USA verschickt wurden, vernichtet sein. Die sechs deutschen Empfänger des Testkits hätten dies nach eigenen Angaben bereits erledigt, berichtete das Robert-Koch-Institut aus Berlin.

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