Seuchenschutz Pest-Impfstoff aus Tabakpflanzen

Die Pest flammt immer wieder in Teilen der Dritten Welt auf - und könnte dem Westen in Gestalt biologischer Waffen gefährlich werden. Forscher haben jetzt einen Impfstoff aus Tabakpflanzen entwickelt, der einen gewissen Schutz bieten könnte.


Wissenschaftler suchen seit langem nach einem wirksamen Impfschutz gegen den Pesterreger, auch aus Sorge vor einer Terrorattacke mit dem tödlichen Bakterium. Zudem ist die Pest als Volkskrankheit bis heute nicht besiegt und flackert immer wieder regional in Afrika, Asien und Lateinamerika auf.

Beulenpest-Bakterien: Forscher entwickeln Impfstoff
DPA

Beulenpest-Bakterien: Forscher entwickeln Impfstoff

Forscher aus den USA und Deutschland haben jetzt in Tierversuchen einen Impfstoff erprobt, der auch Menschen vor dem Pestbakterium Yersinia pestis schützen könnte. Bei Tests mit Meerschweinchen erzielte das Vakzin vielversprechende Ergebnisse: 75 Prozent der geimpften Tiere widerstanden der Lungenpest, die unbehandelt so gut wie immer tödlich verläuft, schreiben die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Proceedings of the National Academy of Sciences". Auch die restlichen 25 Prozent der Versuchstiere hätten eine gewisse Resistenz gegen den Erreger gezeigt, seien ihm am Ende aber doch erlegen.

Das von Charles Arntzen geleitete Team der Arizona State University, des Biozentrums in Halle an der Saale und des U.S. Army Medical Research Institute of Infectious Diseases in Fort Detrick entwickelte den Impfstoff auf der Basis zweier Eiweißstoffe, die der Pesterreger zur Infektion von Menschen benutzt. Es gelang, die Proteine namens F1 und V aus den Blättern gentechnisch veränderter Tabakpflanzen zu gewinnen.

Die Forscher injizierten die Proteine den Meerschweinchen, gaben den Tieren Zeit, Antikörper zu entwickeln, und setzten sie dann einem Sprühnebel der gefährlichen Erreger aus. Dabei stellten sie fest, dass die nur mit dem V-Protein geimpften Nager die besten Überlebenschancen hatten. Sollte das Vakzin auch Menschen schützen, könnte es in Tabakpflanzen preiswert und schnell in großen Mengen produziert werden, betonten die Forscher.



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